Neuralgische Stelle: Am südlichen Tunnelportal in Oberau können Autos derzeit nur auf einer Spur statt auf zwei Bahnen Richtung Norden fahren. 
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Neuralgische Stelle: Am südlichen Tunnelportal in Oberau können Autos derzeit nur auf einer Spur statt auf zwei Bahnen Richtung Norden fahren. 

Bitte an die Autobahndirektion

Mega-Stau durch den Ort: Bürgermeister schreibt Brandbrief 

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Wieder ein Verkehrskollaps in Farchant: Stundenlang war der Ort am Sonntag mit Autos verstopft. Als den Hauptgrund nennt Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) die Engstelle am Tunnelportal in Oberau. 

Farchant – Das Spielchen kennen die Farchanter. Von früher, als sich die Blechlawinen durch den Ort wälzten. Bis es im Jahr 2000 die Erlösung gab. Die Umfahrung entlastete das Dorf vom Transitverkehr der B 2 und B 23. Jetzt aber erleben die Bürger ein Déjà-vu – trotz Tunnel. Wobei die Ausmaße alles Bisherige übersteigen. „Das ist nicht mehr witzig“, sagt Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU). Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr herrschte am Sonntag das Chaos. Der Rathauschef reagierte und verständigte am Montagfrüh sofort die Behörden.

Massen an Verkehrsteilnehmern wollten ab dem Nachmittag der Blockabfertigung am Tunnel über die beliebte Alternativ-Route ausweichen. Doch stattdessen quälten sich die Autos Richtung Norden auch durch Farchant, verstopften den Ort von 16 bis 21.30 Uhr. Die Pkw standen nicht nur auf der Hauptstraße, sondern selbst auf Nebenwegen im Stau. Zum Beispiel am Setzerweg. Ein Szenario, das Hornsteiner in der Vergangenheit selbst an schönen Tagen unter der Woche schon beobachtet hat. „Alle Schleichwege werden von den Autofahrern ausgenutzt“, klagt der Rathauschef. Selbst Feldwege in Richtung Oberau.

Fahrbahnverengung bei Oberau als Ursache

Ihm reicht’s. Die Situation „ist nicht mehr tragbar“. Als Gemeindechef sieht sich Hornsteiner gegenüber seinen Bürgern in der Pflicht, sich für eine Lösung des Problems einzusetzen. Noch am Sonntagabend kontaktierte er das Tagblatt, bat um ein Pressegespräch am Montagmorgen. Das Thema: sein offener Brief. Er adressierte ihn an die Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen, an die Verkehrsbehörde im Landratsamt sowie Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und vor allem an die Autobahndirektion Südbayern.

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Die Behörde ist zuständig für den Oberauer Tunnel und damit für die Baustelle am Portal Süd. Hornsteiner sieht dort den Ursprung des aktuellen Übels. Denn statt normalerweise zwei Fahrbahnen Richtung Norden existiert derzeit nur eine Spur. „Der Verkehr kann nicht mehr abfließen.“ Deshalb wünscht sich der Bürgermeister von der Autobahndirektion die Beseitigung dieser Engstelle.

Bitte wieder zweispurig

Er unterbreitet sogar einen Vorschlag, wie dieser Schritt möglich wäre. Seit Monaten liegt auf der östlichen Baustelleneinrichtung Aushubmaterial des Tunnels. Hornsteiner bittet in dem Brandbrief eindringlich, dieses zu beseitigen oder alternativ zur Bahnlinie hin zu verlagern. „Die Straße an dieser Stelle ist in letzter Zeit schon öfters umgelegt worden“, heißt es in seinem Schreiben.

Die Belastung für die Bürger sind das eine Problem. Der Rathauschef untermauert sein Anliegen mit einem weiteren: den Rettungsfahrzeugen. Sie verlieren wichtige, unter Umständen lebensrettende Zeit, um sich den Weg durch den Stau zu bahnen. Falls es ihnen überhaupt gelingt.

Eine endgültige Entschärfung, das ist dem Rathauschef bewusst, erfolgt erst mit der Oberauer Umfahrung. Sowie mit Kramer- und Wanktunnel. Doch angesichts des hohen Verkehrsaufkommens in den bevorstehenden Wochen und Monaten beharrt er auf eine kurzfristige Lösung. Das Nadelöhr bei Oberau zu beseitigen, hält er für den richtigen Schritt. Zumal sich anschließend der Verkehr trennt – auf die B 23 in Richtung Oberammergau und die B 2 in Richtung München. „Wenn man mit der Maßnahme etwas verbessern kann“, findet Farchants Rathauschef, „dann sollte man’s probieren.“

Behörden vertreten andere Meinung

Die Autobahndirektion lehnt Hornsteiners Ansatz allerdings ab. Bautechnisch unmöglich, heißt es in einer Stellungnahme. Zum einen, weil das Material nicht kurzfristig beseitigt werden könne. Zum anderen, weil die Bedürfnisse vor Ort bereits berücksichtigt worden seien und alles andere zu erheblichen Verzögerungen beim Tunnel führen würde.

Auch bei der Ursache des Chaos’ kommt die Behörde nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen zu einem anderen Schluss. Die Verkehrsführung im Bereich der Tunnelbaustelle „steht in keinem Zusammenhang mit den Rückstauungen“, teilt Sprecherin Katharina Holzapfel mit. Im Gegenteil. Früher haben Ortskundige die linke Spur genutzt, um an der Autoschlange vorbeizufahren und vor Oberau auf die rechte einzufädeln. Das geht jetzt nicht mehr. „Nach Einschätzung der Polizei hat sich der Verkehrsfluss tendenziell eher verbessert.“

Die Urlaubsphase kommt erst noch

Auslöser für das Dilemma ist vielmehr der kontinuierlich wachsende, starke Ausflugsverkehr an schönen Tagen, urteilt Holzapfel. Erschwerend hinzukommen die Auswüchse der Corona-Pandemie. Die Reisewarnungen lassen den „Urlaub dahoam boomen“ – und somit den Freizeitverkehr enorm ansteigen.

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Hornsteiner hat diese Faktoren nicht ausgeblendet. Er verfolgt die Debatten um den Verkehrsinfarkt im Landkreis und andernorts, liest auch Kommentare in den Sozialen Medien. Darunter Beiträge, die sich gegen Tagesausflügler richten. Die will er mit seinem Brandbrief nicht kritisieren. „Wir brauchen die Touristen“, betont er. Jeder sei willkommen. „Aber alles können wir nicht hinnehmen.“ Zumal die Besucherhochphasen in den Sommerferien und in der Wanderzeit im Oktober erst noch bevorstehen. Eine Option für eine mögliche Erleichterung kann er nun jedenfalls abschreiben.

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