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Akribische Arbeit verrichtet Lisa Legner in der Kirche St. Andreas in Farchant.

Schönheitskur für St. Andreas

Überraschung im Tabernakel: Bei Arbeiten in Pfarrkirche zeigt sich etwas Besonderes

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Fast 50 Jahre liegt die letzte Restauration zurück. Jetzt wird die Farchanter Pfarrkirche St. Andreas wieder aufgehübscht. Der erste Arbeitsabschnitt ist bereits beendet.

Farchant – Maler signieren ihre Bilder. Uhrmacher gravieren ihren Firmentitel auf den Gehäuseboden. Mindestens genauso gerne verewigen sich Restauratoren. Mit versteckten Kisten, in denen sie Pinsel oder einfach nur eine Zigarettenschachtel für die Nachwelt hinterlassen zum Beispiel. Oben am Hochaltar von St. Andreas ist Lisa Legner auf andere Relikte gestoßen. Auf eine Kneifzange. Und auf Namen ihrer Vorgänger. Geschrieben auf einen Balken. Ihren eigenen hat sie schon ergänzt. „Logisch“, sagt sie. Warum auch nicht. Sieht ja sonst keiner. Außer ihre künftigen Kollegen in ein paar Jahrzehnten, bei der nächsten Restaurierung.

Seit Mitte April 2018 werkelt Legner in der Pfarrkirche. Für sie ist’s ein Heimspiel. Die gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin wohnt inzwischen in Farchant. Mit dem ersten Arbeitsabschnitt ist sie bereits fertig. Mit sichtbarem Ergebnis. Die Säulen, Heiligenfiguren und Gold-Verzierungen im Altarraum und an der Kanzel – sie glänzen wie ein frisch poliertes Auto. Über Monate hinweg war die 26-Jährige nur damit beschäftigt, diese zu reinigen und zu konservieren. „Alles war stark verschmutzt.“ Ruß und Staub hatten sich seit der letzten Schönheitskur in den Jahren 1974/75 abgelagert. „Das Wasser im Putzeimer“, sagt Legner, „war schwarz.“

Die große Lösung wurde abgelehnt

Die Planungen reichen bis 2010 zurück. Damals stellte die katholische Pfarrei bei der Diözese München und Freising, der die Oberaufsicht über das Gotteshaus obliegt, einen Antrag für eine umfassende Renovierung. Die Kosten hätten eine Summe von 100 000 Euro überstiegen. Anliegen abgelehnt. Pfarrer Andreas Lackermeier weiß, warum: In der Diözese gebe es Projekte, die eine Milliarde Euro kosten würden. Kirchen, bei denen kein akuter Handlungsbedarf besteht, rutschen deshalb auf der Prioritäten-Liste nach hinten.

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Tabernakel aus dem 18. Jahrhundert: Im Inneren gab‘s eine Überraschung.

Aktiv wollte man trotzdem werden. Die Idee: die Restaurierung in kleinere Maßnahmen aufzusplitten und selber zu bezahlen. Der erste Abschnitt, die Ausstattung, frisst Mittel in Höhe von 47 000 Euro. 20 000 Euro fließen aus der Kirchenstiftung St. Andreas. Der Rest stammt aus Zuschüssen von Landkreis und Gemeinde sowie Geldern, bei denen das Kunstreferat aus München beim Einwerben half. Den Vorher-Nachher-Vergleich dokumentiert Legner mit Fotos. Die Bilder speichert sie auf ihrem Laptop. Auch die vom „arbeitsintensivsten Teil“. Drei bis vier Wochen widmete sich die Restauratorin nur dem Tabernakel. Und machte dabei eine bedeutende Entdeckung.

Spenden sind gern gesehen

Das Aufbewahrungsschränkchen für die Hostien stammt noch aus der ursprünglichen gotischen Holzkirche, die 1727 abgerissen wurde. 200 Jahre diente der Tabernakel als Tresor in der Sakristei, bis man ihn bei der letzten Renovierung in den Hochaltar integrierte. Ausgekleidet mit weißem Stoff im Inneren. „Der war vergilbt und sollte ersetzt werden“, erzählt Legner. Stoff weg – Überraschung da. Sie erblickte die Urfassung mit dunkelblauer Farbe und goldenen Sternen. „Ich musste kaum was dran machen.“ Da schlägt jedes Restauratoren-Herz höher.

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Mittlerweile steht Legner in den Startlöchern für den zweiten Abschnitt: die Innenschale von St. Andreas. Die Wände sind angeschwärzt. Eine typische Kirchen-Krankheit. Als Ursachen dafür nennt Andreas Eiben, Verwaltungsleiter im Pfarrverband Partenkirchen-Farchant-Oberau, Heizungen und Opferkerzen. Mit Kosten von etwa 71 000 Euro rechnet er, die Sicherheitschargen von 20 Prozent schon einkalkuliert. 35 000 Euro braucht’s für die Restauration, den Rest verschlingt allein das Gerüst. Gestemmt wird das Ganze aus Rücklagen, die Kirchenpfleger Anton Wiesböck aufgebaut hat. Zusätzlich hat das Landratsamt einen Zuschuss bereits angekündigt, sagt Pfarrer Lackermeier. Außerdem kommt ein Teil des Adventmarkt-Erlöses dem Projekt zugute. Den kompletten Betrag „haben wir aber noch nicht zusammen“, sagt der Geistliche. „Deshalb würden wir uns über jede Spende freuen.“

Heuer steht die Innenschale auf der To-Do-Liste

Wann Legner wieder loslegen kann, bleibt noch abzuwarten. Erst müssen alle Genehmigungen vorliegen. „Die meisten haben wir“, sagt Wiesböck. Das wichtigste Berechtigungsschreiben, das vom Denkmalamt, sei auf dem Weg, ergänzt Lackermeier. Trifft dieses ein, wird auch die Stiftungsaufsicht bald grünes Licht geben.

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Läuft alles nach Plan, verbringt Legner ab März wieder viel Zeit in St. Andreas. Die ersten Vorbereitungen hat die Expertin schon getroffen, auf einer kleinen Fläche Tests absolviert. „Ich hab’ ausprobiert, was ich nehme“, sagt die Kirchenmalermeisterin. Ihre Hauptaufgabe wird sein, die Wände vom Ruß zu befreien, sie mit einem weichen Schwamm zu putzen und einen neuen Kalkanstrich aufzutragen. „Das gibt Muckis“, sagt Legner und lacht. Aber eben genau bei der Auswahl der Schwämme muss sie vorsichtig sein. Zum einen, weil es verschiedenen Härtegrade gibt. Zum anderen, weil sie keine Stoffe enthalten dürfen, die Schaden an der Wand anrichten.

Mit welchem Bereich sie beginnt – ob mit dem Langhaus oder dem Altarraum – weiß sie noch nicht. Die Verantwortlichen wollen Termine wie Erstkommunion und Firmung berücksichtigen, damit diese im Idealfall ohne Gerüst im Hintergrund stattfinden können. Bis Ende August/Anfang September soll dann auch der zweite Abschnitt beendet sein. Und was kommt als Nächstes? Eine Pause, sagt Lackermeier. „Dann haben wir kein Geld mehr.“

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