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Mit einem grimmigen Gesicht empfängt die Geschwindigkeitsanzeige am südlichen Ortseingang von Farchant diesen Autofahrer. Sekunden zuvor war an der Tafel ersichtlich, dass er mit 58 Stundenkilometern unterwegs war. 

Jetzt wird kontrolliert

Farchant sagt Rasern den Kampf an

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110 Stundenkilometer im Ortsbereich – und das gleich zehnmal in einer Woche. Das erschreckende Ergebnis einer Probemessung und ständige Klagen über Falschparker führen nun dazu, dass die Gemeinde die Dienste der Kommunalen Verkehrsüberwacher in Anspruch nimmt.

Farchant – Die eigenen Bürger wollen die Mitglieder des Farchanter Gemeinderats nicht zusätzlich belasten. Keine Frage. Deshalb gab es auch kritische Stimmen, inwieweit der ruhende und fließende Verkehr künftig von Mitarbeitern des Zweckverbands Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland überwacht werden soll. „Ich sehe keinen Handlungsbedarf“, betonte Josef Kundler (SPD). Seine Meinung stand. Daran änderten auch die Zahlen nichts, die Rathaus-Geschäftsleiter Christian Hornsteiner präsentierte. „Heftig“ nannte er das Ergebnis einer einwöchigen Geschwindigkeitsmessung im vergangenen November. Insbesondere die zehn Fahrer, deren Tacho am südlichen Ortseingang mehr als 110 Stundenkilometer anzeigte, brachten die Kommunalpolitiker ins Grübeln.

Dazu kommen Probleme mit zugeparkten Einfahrten und Kreuzungsbereichen, von denen Hornsteiner berichtete. „Mindestens ein-, zweimal pro Woche melden sich Bürger deshalb bei uns.“ Die Auswertung der achttägigen Geschwindigkeitsmessungen und diese Ausführungen „regen zum Nachdenken an“, meinte Gerhard Portele (Freie Wähler). „Ich sehe auf alle Fälle Handlungsbedarf.“ In ein ähnliches Horn stieß sein Fraktionskollege Johann Hibler, den die Zahlen regelrecht erschreckten. „Da sieht man mal, was auf unseren Straßen los ist.“ Und das Ende November, einer Zeit, in der weder Schulferien noch Feiertage zu einem verstärkten Verkehrsaufkommen führen.

Kulanzzeit bei Parkern: neun Minuten

Für die Mehrheit der Gemeinderäte stand daher fest, dass Farchant Mitglied im Zweckverband werden soll. Mit 13:4-Stimmen sprachen sie sich dafür aus, die Überwachung des Verkehrs wie 15 andere Gemeinden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen an das Kommunale Dienstleistungszentrum Oberland mit Sitz in Bad Tölz zu übertragen.

Was das bedeutet, verdeutlichte Geschäftsführer Michael Braun den Bürgervertretern. „Die Kommunen zahlen nur die Leistungen, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen.“ Das bedeutet: Für die Überwachung der parkenden Autos fallen pro Stunde 28 Euro und für die Sachbearbeitung jeweils 6 Euro an. Für den fließenden Verkehr berechnet der Zweckverband 95 Euro in der Stunde und ebenfalls 6 Euro pro Fall. „Alle Bußgelder geben wir eins zu eins an die Gemeinden weiter“, erklärte Braun. Wo kontrolliert werden soll, stimmen die Mitarbeiter mit der Gemeinde sowie der Polizei ab. Und gerade bei Falschparkern bitten die Kontrolleure nicht gleich zur Kasse, sondern zeigen zunächst eine Gelbe Karte. Kundlers Sorge, dass künftig jeder, der vor der Bäckerei auf dem Gehweg hält, einen Strafzettel bekommt, konnte Braun schnell zerstreuen. „Unsere Kulanzzeit beträgt neun Minuten.“ Kein Pardon kennen seine Mitarbeiter allerdings in Feuerwehranfahrtszonen.

Was bei den Farchantern gut ankam, waren zudem die Materialien, mit denen der Zweckverband vor Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen um Rücksicht bittet. „Schließlich geht’s auch darum, Autofahrer zu sensibilisieren“, sagte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD).

Ein Jahr, beschwor Braun die Kommunalpolitiker, müsse sich ein Ort Zeit geben, um Verbesserungen festzustellen. „Die wird es geben“, versprach er. Deshalb warf er auch zwei Karten von Schongau an die Wand. Darauf tauchten 2016 noch drei rot gekennzeichnete Messstellen – „das bedeutet erhebliche Verstöße“ – auf. 2017 war’s nur noch eine Markierung.

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