+
Startklar für die Kommunalwahl ist die Liste der Freien Wähler Farchant mit (vorne v.l.) Stephan Graf, Heidi Fleckenstein, Marianne Böhmer, Carmen Gesele und Gerhard Portele sowie (hinten v.l.) Gordon Weiß, Martin Barwinski, Rudolf Reischl und Thomas Rossow bei der Aufstellungsversammlung im Hotel Föhrenhof.

Suche gescheitert: „Können niemand aus dem Hut zaubern“

  • schließen

Die Farchanter Freien Wähler gehen ohne eigenen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen um die Kommunalwahl am 15. März. Die Liste zum Gemeinderat besteht aus nun mehr zwölf Kandidaten. 

Farchant – War es die richtige Entscheidung, keinen eigenen Bürgermeister-Kandidaten zu stellen? Lange haben Gerhard Portele und Stephan Graf mit sich gehadert. Sofern man in Anbetracht der kurzen Zeit überhaupt von lange sprechen kann. Der September 2019 hatte es in sich für die Führungsriege der Freien Wähler (FW), als sie erfuhren, dass der amtierende Farchanter Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) trotz aller Erwartungen nicht mehr weitermachen will. Gerade Wohlketzetter, der 2008 haarscharf die Wahl vor der FW-Spitzenkandidatin Marlena Rauch gewann, schlossen die Freien über die Jahre hinweg ins Herz. „Er hatte kein Parteidenken“, sagt Gemeinderätin Marianne Böhmer. „Da stand Farchant und die Persönlichkeiten im Gemeinderat im Vordergrund, nicht der Fraktionszwang.“

Doch dann wurde das Ende nur wenige Monate vor der Wahl verkündigt. „Da war guter Rat teuer“, sagt Graf. Die Suche nach einem geeigneten Bürgermeister-Kandidaten in den eigenen Reihen gestaltete sich alles andere als einfach. Letztlich ließ sich keiner finden, bei dem die entscheidenden Faktoren Eignung, Beruf und Alter gepasst hätten. „Natürlich wäre ein Kandidat wünschenswert“, versichert Graf. „Aber wir können niemand aus dem Hut zaubern.“

Freie Wähler unterstützen CSU-Kandidaten Christian Hornsteiner

Somit entschlossen sich die Freien, zusammen mit der SPD einen CSU-Kandidaten zu unterstützen: Christian Hornsteiner (CSU) ist es, der künftig die parteiübergreifende Zusammenarbeit und somit den Frieden im Ortsparlament wahren soll. „Er ist ein guter, neutraler Fachmann“, erklärt Graf die Entscheidung bei der Aufstellungsversammlung seiner Gruppierung im Hotel Föhrenhof. Der geschäftsführende Angestellte im Rathaus begleite alle wichtigen Projekte in Farchant schon seit Jahrzehnten, sei bestens involviert in sämtliche Maßnahmen und habe so alle Voraussetzungen, die ein Bürgermeister-Kandidat braucht. Die Freien stimmten aber nur unter einer Bedingung zu: Hornsteiners Name darf nicht auf der Gemeinderatsliste der CSU stehen. Somit wollen die Freien ein „verfälschtes Wahlergebnis“ verhindern. Schließlich könnte Hornsteiner mit seiner Kandidatur gleich ein bis zwei zusätzliche schwarze Gemeinderäte ins Ortsparlament mitziehen.

Nicht jedem passt der gemeinsame Kandidat. Einige wenige FW-Mitglieder können nicht glauben, dass es in den eigenen Reihen keinen Geeigneten gibt. Graf selbst will es aber nicht machen. Schließlich habe ein Bürgermeister Repräsentationspflichten und müsse stets vor teils großem Publikum warme und passende Worte finden. „Ich kann das nicht“, gesteht er offen und ehrlich. Bei seinem Fraktionskollegen Portele, der seit 30 Jahren für die Freien im Gemeinderat sitzt, sind es berufliche Gründe, warum sich der seit 25 Jahren selbstständige Diplom-Ingenieur nicht um das Amt des Rathaus-Chefs bewirbt. „Wenn ich sechs Jahre aus dem Geschäft bin, kann ich nicht mehr so einfach zurück. Ich müsste wieder bei Null anfangen.“

Suche nach Kandidaten für Liste war sehr beschwerlich

Auch für die Gemeinderatsliste war die Suche nach Mitgliedern beschwerlich. Der letzte Kandidat, der Jungspund Michael Finsterwalder, habe erst wenige Stunden vor der Aufstellungsversammlung noch zugesagt. Somit stehen nun zwölf Kandidaten zur Wahl – davon aber nur fünf von den einst 16, die noch 2014 angetreten waren. Die elf anderen stünden aus Alters-, beruflichen oder familiären Gründen nicht mehr zur Wahl, bedauert Portele. Zudem seien einige Kandidaten von damals mittlerweile gestorben.

Durch den überraschenden Abschied von Wohlketzetter haben die Freien allerdings eine neue, schlagkräftige Kandidatin hinzugewonnen. Heidi Fleckenstein wird am 15. März für die Freien ins Rennen gehen. Bei der Aufstellungsversammlung erhielt sie bereits Vorschusslorbeeren, landete prompt auf Listenplatz fünf hinter Stephan Graf. „Mich hat Martin Wohlketzetter damals angesprochen und in die Politik gebracht.“ Nach Bekanntwerden seines Ausscheidens haderte Fleckenstein lange mit sich, ob es noch Sinn mache, bei den Sozialdemokraten zu bleiben. Zumal sie sich „mit der bundespolitischen SPD nicht identifizieren kann“. So haben sich dann „gute Gespräche“ mit den Freien ergeben, die zur Kandidatur der Oberstudienrätin am Werdenfels-Gymnasium führten.

Besonders schmerzt Portele, dass sich Johann Hibler nicht mehr zur Wahl stellen wird. „Wir haben lange auf ihn eingeredet, er selbst hat lange mit sich gerungen. Aber letztlich blieb es beim Nein.“ Aus beruflichen Gründen könne der Straßenbaumeister sich nicht mehr vernünftig auf die Sitzungen vorbereiten. „Das ist schon ein gehöriger Aderlass für uns“, bedauert Portele. Dafür konnten sie diesmal die Frauenquote erhöhen. Von den zwölf Kandidaten sind mit Marianne Böhmer, deren Tochter Bernadette, Heidi Fleckenstein und Carmen Gesele vier Frauen darunter. An was es gehörig fehlt, ist an Nachwuchs. Nur zwei Kandidaten, Michael Finsterwalder mit 28 und Bernadette Böhmer mit 26 Jahren, sind unter 30. Dass die ehemalige Gastwirtin Marianne Böhmer auf Listenplatz eins kommt, überraschte und erfreute sie gleichermaßen: „Jetzt bin ich baff.“

DIE KANDIDATEN

1. Marianne Böhmer (61, Gastwirtin), 2. Gerhard Portele (60, Bauingenieur), 3. Martin Barwinski (41, Energieelektroniker), 4. Stephan Graf (54, Sozialversicherungsangestellter), 5. Dr. Heidi Fleckenstein (46, Oberstudienrätin), 6. Rudolf Reischl (49, Großhandelskaufmann), 7. Carmen Gesele (41, Diplom-Kauffrau), 8. Bernadette Böhmer (26, Industriekauffrau), 9. Michael Finsterwalder (28, Verwaltungsangestellter), 10. Gordon Weiß (52, Diplom-Sportökonom), 11. Thomas Rossow (59, Berufskraftfahrer), 12. Sascha Handke (46, Steuerfachangestellter).

Lesen Sie auch: SPD Farchant vor schwieriger Kommunalwahl: Ortsverein ist hoffnungsvoll, aber realistisch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Streit um Top-Grundstück am Staffelsee eskaliert: Uffing verbietet Holzhaus - Familie stellt Strafantrag
Der Streit um ein geplantes Holzhaus an einem Traum-Grundstück am Staffelsee gerät zu einer filmreifen Schlammschlacht: Eine neue Gemeinderatsentscheidung führt zu einem …
Streit um Top-Grundstück am Staffelsee eskaliert: Uffing verbietet Holzhaus - Familie stellt Strafantrag
Unterammergau im Porträt: Ein Dorf ringt um seine Identität
Wahltag ist Zahltag: Was haben Bürgermeister und Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren erreicht? Woran hapert es? Spannende Fragen, denen das Tagblatt in einer …
Unterammergau im Porträt: Ein Dorf ringt um seine Identität
Mangold kupfert Scheuerers Motto ab
„Unabhängig – Verbindend – Verbindlich“: Mit diesem Motto tritt Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) an. Sein Kollege aus Schwaigen hat es …
Mangold kupfert Scheuerers Motto ab
kbo-Geschäftsführer Niedermeier: Erst der Geburtstag, dann der Ruhestand
Bei den kbo-Kliniken geht bald eine Ära zu Ende. Geschäftsführer Gerald Niedermeier wird sich Ende November in den Ruhestand verabschieden. Heute feiert der Mann, der …
kbo-Geschäftsführer Niedermeier: Erst der Geburtstag, dann der Ruhestand

Kommentare