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Das rote Band wird durchgeschnitten. Walter Beller (M.) eröffnet damit im Beisein von (v.l.) Vorstand Martin Sperl, Innenarchitektin Julia Hartmann, Vorstand Martin Jocher und Bürgermeister Martin Wohlketzetter die Innovations- und Erlebnisfiliale der VR-Bank in Farchant.

Digitalisierung spielt eine tragende Rolle

Nach den Bürgerprotesten: VR-Bank startet in Farchant ein Pilotprojekt - mit einer besonderen Filiale

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Geschafft: Die VR-Bank Werdenfels hat ihre modernisierte Zweigstelle in Farchant eröffnet. Die digitale Innovations- und Erlebnisfiliale soll mehr sein als nur ein Ort, an dem Geldgeschäfte abgewickelt werden.

Farchant – Noch bevor der offizielle Teil beginnt, dreht Martin Wohlketzetter (SPD) eine Runde durch den Raum. Er begutachtet den Blickfang, ein Holz-Deko-Element, schaut sich die „Terminals“, den Pflege-Roboter „Garmi“ und ein voluminöses schwarzes Gerät an. Der Name: Key One. Ein Prototyp, den es nur in Farchant gibt. Kunden können damit Überweisungen oder andere Unterlagen einscannen und sich mit Online-Banking vertraut machen. Ein paar Minuten später, bei seiner Rede, sagt der Bürgermeister: „Farchant ist das liebe Dorf und seit heute auch das innovative Dorf.“

Worte, bei denen Walter Beller schmunzelt. Innovatives Dorf – das unterschreibt der Vorstandsvorsitzende der Volks- und Raiffeisenbank Werdenfels. Lieb? „Das kommentiere ich lieber nicht“, sagt er mit Augenzwinkern und erntet Gelächter. Jetzt, bei der Einweihung der modernisierten Zweigstelle, nimmt ihm das keiner mehr krumm. Anfang 2018 hätte er sich solche Scherze eher nicht erlauben können.

Sogar eine Ansprechpartnerin ist zweimal in der Woche vor Ort

Damals hatte mehr auf ein dramatisches Ende, als auf Friede, Freude, Eierkuchen hingedeutet. Erst kam die Hiobsbotschaft über die Schließung der Kreissparkassen-Filiale in der Gemeinde, dann kündigte die VR-Bank ihren Rückzug, vor allem im Service-Bereich, an. „Das war fast ein Schock“, sagt der Rathauschef. Schließlich hat die Kommune 2017 beschlossen, im Rahmen der Städtebauförderung den Platz am Gern attraktiver zu gestalten. Die Konzeption sei auch auf die Banken ausgerichtet gewesen. Gerade mit Blick auf zusätzliche Parkplätze. Widerstand in Form einer Initiative um Gemeinderätin Monika Ott, Rosi Schmid und die Garmisch-Partenkirchner Kommunalpolitikerin Alexandra Roos-Teitscheid formierte sich im Ort. Samt Demo und Fernseh-Beitrag. Sie kämpften um den Erhalt der Filialen – und erzielten die Kompromisslösung von zwei Banken unter einem Dach. Heißt: Die Kreissparkasse bringt ihre SB-Automaten ebenfalls im Eingangsbereich des VR-Bank-Gebäudes unter.

Ott und ihre Mitstreiter sind absolut zufrieden, wie sich das Ganze entwickelt hat. „Wir haben mehr bekommen als erwartet“, sagt sie. Damit spielt die Einheimische auf Susanne Schmidt an, die zweimal in der Woche – montags von 8.30 bis 16 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 17.30 Uhr – als Ansprechpartnerin vor Ort ist.

Demo zum Erhalt der Bank-Filialen: Die Bilder aus Farchant

Nur dem Druck von Ott und Co., Beller nennt es „Charme“, war es aber nicht geschuldet, dass die regionale Genossenschaftsbank in den Standort Farchant investiert hat. Vor Jahren war in der Immobilie die EDV-Abteilung untergebracht worden. Der ausschlaggebende Grund, warum die Filiale digital aufgemotzt wurde. 100 000 Euro steckte das Geldhaus in die Gestaltung, weitere 50 000 Euro in die Technologie. Darunter in einen Kaffeeautomaten, die mit dem Smartphone zu steuern ist. Mit solchen Beispielen will man den Kunden die Scheu vor digitalen Prozessen nehmen. „Wer’s bei der Kaffeemaschine schafft, dem gelingt das auch bei der Überweisung“, sagt Klaus Niedermeier von der beauftragten Firma Diebold Nixdorf.

Kunden an neue Technik heranführen

Wohin die Reise geht, das weiß Beller nicht. Mit dem Pilotprojekt der digitalen Innovations- und Erlebnisfiliale in Farchant startet die VR- Bank Werdenfels, die wie andere Geldinstitute mit der Nullzinspolitik zu kämpfen hat und mit Online-Banken konkurriert, ein Pilotprojekt. „Wir tasten uns heran“, macht der Vorstandsvorsitzende deutlich.

Ziel ist nicht nur, die Kunden an moderne Technik heranzuführen, sondern auch ein Umfeld zu schaffen, in dem Kontakte geknüpft werden können. Wo sie „obandeln“, sagt Niedermeier. Er vergleicht die Filiale mit einem Marktplatz, auf dem sich Geschäfte anbahnen und sich Menschen begegnen. Letzteres analog und nicht digital, ergänzte der evangelische Geistliche Hanns-Martin Hager.

Gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen, Pfarrer Andreas Lackermeier, segnete er die moderne Zweigstelle. Für alle, die ein- und ausgehen. „Außer natürlich für Bankräuber.“

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