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Ein Magnet im künftigen Natur-Kur-Park an der Kuhflucht: der Walderlebnispfad.

Ein langer, schwieriger Weg könnte bald enden

Farchant: Prädikat Luftkurort zum Greifen nah

Alles ist vorbereitet - jetzt kann Farchant loslegen. Noch in diesem Jahr will der Ort seinen Antrag stellen, um - wieder - Luftkurort zu werden. Die Entscheidung dazu fällt im November. 

Farchant – Es hat gedauert und gedauert. Nun will die Gemeinde Farchant aber Nägel mit Köpfen machen. Da alle Voraussetzungen erfüllt sind, plant die Kommune heuer einen Antrag zu stellen, um das Prädikat Luftkurort wieder zu erlangen.

Dieses war ihr 1976 nach neun Jahren wegen fehlender Kanalisation und alter Mülldeponie, die es damals am alten Fußballplatz noch gab, aberkannt worden. Die Gemeinde klagte zwar, doch 1984 war endgültig Schluss. Rund 20 Jahre später, und zwar im Jahr 2006, fasste der damalige Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss, nämlich, das Gütesiegel wieder zu erlangen.

Strenger, langwieriger Prozess

Dieses Vorhaben erwies sich als aufwändig. Die Gemeinde musste einen strengen, langwierigen Prozess durchlaufen. „Ein Glücksfall für Bürokratie-Liebhaber“, ätzte der Spiegel kürzlich in einem Text über Luftkurorte. So musste die Gemeinde Farchant drei Gutachten beibringen: eins zum Klima, eins zur Luft sowie ein ärztliches. Entscheidend war aber etwas anderes: nämlich eine neue Wasserversorgung. Die Gemeinde schloss sich der Zweckvereinbarung zwischen Grainau und Garmisch-Partenkirchen an. Das Projekt kostete 1,5 Millionen Euro.

Essentiell für das Prädikat Luftkurort ist ein Kurpark. Die Räte beschlossen, einen Natur-Kur-Park an der Kuhflucht auszuweisen. Details dazu soll der Tourismusausschuss besprechen, um dann einen Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern zu stellen. Der Freistaat gewährt eine Finanzspritze gemäß der Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen (RÖFE). Der Natur-Kur-Park sei „ein Thema, das sich entwickeln muss“, betonte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD). Es seien auch Gespräche mit der Weidegenossenschaft und der Unteren Naturschutzbehörde zu führen.

„Schritt pro Tourismus und pro Gesundheitsregion“

Den Luftkurort-Antrag betrachtet Wohlketzetter als „Schritt pro Tourismus und pro Gesundheitsregion“. Die Volksvertreter stehen voll dahinter. „Die Formalien sind sind so weit erfüllt“, sagte Vize-Bürgermeister Johann Schmid (CSU). „Dann stellen wir den Antrag.“ So sah es auch Monika Ott (SPD): „Wir sollten das unbedingt durchziehen.“ Und Wolfgang Graschberger (CSU) bekräftigte: „Den beschlossenen Weg sollten wir zu Ende gehen.“

Der Antrag wird nun an die Regierung von Oberbayern verschickt. Beteiligt sind drei Ministerien. Im Herbst kommt eine Delegation zur Ortsbegehung nach Farchant, im November tagt eine Kommission. Und dann wird sich entscheiden, ob sich die Gemeinde wieder mit dem ersehnten Prädikat schmücken darf. Wenn ja, erhält sie einen Anerkennungsbescheid samt Urkunde. Damit ist es aber nicht getan. Alle fünf Jahre müssen die Gutachten aufgefrischt werden. Die Kosten? Wohlketzetter schätzt, dass da sicher 20 000 Euro fällig werden.

Immer weniger Luftkurorte in Deutschland

Wie der Blick in die Farchanter Vergangenheit zeigt, kann man den Titel Luftkurort auch verlieren. Und heute? „Deutschland erlebt ein Luftkurortsterben“, schreibt der Spiegel. „Fast alle Bundesländer berichten, dass Orte ihre Lizenz nicht verlängert haben. Allein in Hessen wurden in den vergangenen 16 Jahren 32 Prädikate aberkannt.“

Roland Lory

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