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Die Todesursache eines Junkies erklärt Gerichtsmediziner Dr. Matthias Steinbrecher (Robert Joseph Bartl, M.) den Kommissaren Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) im München-Tatort. 

Film & Theater: Robert Joseph Bartl wird weiter in der Heimat zu sehen sein

Farchanter kehrt ans Theater in Wien zurück, bleibt dem München-Tatort aber treu

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Robert Joseph Bartl geht zurück ans Theater. Neben seinem Engagement an dem traditionsreichen Haus in Wien ist der Farchanter weiter im München-Tatort und in der Heimat zu sehen.

Mit seinen Wilderergeschichten bereichert der Schauspieler auch 2020 die Reihe „Auf guad Boarisch“ im Garmisch-Partenkirchner Bräustüberl

Farchant – Der Kreis schließt sich. Im Fall von Robert Joseph Bartl sind es sogar zwei Kreise. Der eine betrifft seine Rückkehr nach Wien. Der Stadt, „in der alles begonnen hat“. Zwar entdeckte der Farchanter bereits im Benediktinergymnasium Ettal seine Leidenschaft für die Schauspielerei. Dass er daraus seinen Beruf machen will, wurde ihm aber erst nach dem Abitur klar. Inspiriert von der Burgtheater-Schauspielerin Birgit Doll, die ihn bei einer Aufführung im Englischen Garten in München ermutigte – „der muss nach Wien, da nehmen’s noch Typen“ –, bewarb er sich schließlich am Max-Reinhardt-Seminar. Mit Erfolg. Sein Lehrer Klaus Maria Brandauer holte ihn 1999 ans Burgtheater, danach folgten Engagements in Frankfurt und am Münchner Residenztheater. Jetzt kehrt Bartl in die österreichische Landeshauptstadt zurück – als festes Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt.

Bartl lebt im ehemaligen Supermarkt der Eltern in Farchant

Und da schließt sich der zweite Kreis. In seinem ersten Stück im neuen Haus steht der 46-Jährige als Zangler in „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nestroy auf der Bühne (Premiere am 10. Oktober). „Als Ladenbesitzer auf Freiersfüßen“, sagt Bartl und lacht. Mit diesem Metier kann er sich gut identifizieren, schließlich haben seine Eltern jahrzehntelang den Edeka-Markt in Farchant betrieben, seine Schwester ist in ihre Fußstapfen getreten. Dazu kommt, dass sein erster Berufswunsch Kaufmann war, ehe sich der Bub als Papst sah und Gaben vom Balkon werfen wollte. Mit dem Betrieb wuchs Bartl auf, verkaufte dort als Grundschüler vor dem Unterricht Semmeln. Heute lebt er im ersten Supermarkt seiner Eltern – liebevoll zu einer gemütlichen Wohnung umgestaltet, versteht sich.

Im Nestroy-Stück am Theater in Wien spielt er den Kaufmann

Jetzt spielt er den Kaufmann, genauer gesagt einen Gewürzkrämer, der ganz nach Nestroy-Manier in allerlei Turbulenzen verwickelt wird. Zu Bartls Freude ein vielschichtiger Charakter, auch das passt zum Autor, der übrigens einst selbst Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt war. In Bartls Gedächtnis hat sich eingebrannt, was Brandauer seinen Schülern stets einbläute: „Jede Figur muss Fantasie, Eros und Charme haben.“ Was er auf der Bühne oder vor der Kamera zeigt, soll ein wirklicher Mensch mit verschiedensten Facetten sein. Allein an der Oberfläche zu kratzen, reicht und reizt den Farchanter nicht. „Ich hoffe, in Wien einen neuen Blumenkasten vorzufinden, in dem ich aufgehen kann.“

Schauspieler aus Farchant beichtet den Eltern seine Pläne

Am Münchner Volkstheater war der Farchanter unter anderem mit Xenia Tiling in „Kasimir und Karoline“ zu sehen

Noch gut erinnert sich Bartl daran, wie er seine Eltern in seine Schauspiel-Ambitionen eingeweiht hat. Während des Kunstgeschichts-Studiums im italienischen Perugia gleich nach dem Abitur entschied er sich, sein Glück an der Otto-Falckenberg-Schule in München zu versuchen. Unter über 700 Bewerbern schaffte er es in die Endrunde, da gestand er seinen Eltern, wofür sein Herz schlägt. „Erst einmal waren sie nicht so begeistert“, erinnert er sich. Aber sie waren Geschäftsleute, somit verkaufte er ihnen seine Passion als Geschäft, wies darauf hin, welche großen Namen aus dieser Schule schon hervorgegangen sind und überzeugte sie – auch wenn er letztlich nicht angenommen wurde. Fortan konnte er sich ihrer vollen Unterstützung gewiss sein, auch als er sich zwei Jahre später am Max-Reinhardt-Seminar in Wien bewarb. Nach einem ernsten Stück präsentierte er einen Ausschnitt aus dem barocken „Totentanz“ von Alois Johannes Lippl – und erntete viele Lacher. „Während sich im Saal alle amüsiert haben, sind mir die Tränen runtergelaufen.“ Die Befürchtung, dass seine Bewerbung gescheitert ist, entpuppte sich jedoch schnell als falsch.

Wien für Farchanter Schauspieler „einfach traumhaft“

Jetzt kehrt er zurück in die Stadt, „die für meinen Beruf einfach traumhaft ist“. Die Proben in Wien beginnen am 12. August, eine Woche vorher bezieht er seine Zweitwohnung im achten Bezirk. Damit endet nach acht Jahren seine Zeit als freischaffender Künstler. Sein Hauptwohnsitz bleibt Farchant. Sofern es sein Terminkalender zulässt, tritt er auch weiterhin in seiner Heimat auf – am 5. März 2020 etwa mit seinen Wilderergeschichten in der Reihe „Auf guat Boarisch“ im Garmisch-Partenkirchner Bräustüberl.

Treu bleibt er außerdem seinem Job als Gerichtsmediziner und Opernliebhaber Dr. Matthias Steinbrecher im München-Tatort. „Das ist eine Win-win-Situation“, meint er. Auch fürs Theater in der Josefstadt, schließlich profitiere dieses, wenn seine Schauspieler aus anderen Rollen und aus dem Fernsehen bekannt sind. Zudem lassen sich die Drehtermine für drei Filme im Jahr gut mit dem Theater vereinbaren. „Ich könnte aber keine Hauptrolle in einer Serie annehmen.“ Festivals, wie die Bad Hersfelder Festspiele, bei denen er ab 6. Juli in „Shakespeare in Love“ wieder mit von der Partie ist, passen ebenfalls in den Zeitplan. Sofern er sich im Sommer nicht endlich mal wieder einen ausgiebigen Urlaub gönnt. „Die letzten Jahre hab’ ich das nicht geschafft.“

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