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Farchant von oben: Der Naturkurpark betrifft mehr den linken Bereich auf dem Bild.

Kosten nicht unerheblich

Farchants Alleinstellungsmerkmal: So soll der geplante Natur-Kurpark einmal aussehen

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Die Idee für das Vorhaben gibt es schon lange: Jetzt steht das Konzept für den Natur-Kurpark. Bis Weihnachten soll der Förderantrag eingereicht werden.

Farchant – Rupert Schelle recherchierte. Er suchte nach Orten, die über einen Natur-Kurpark verfügen. „Das gibt’s nicht so oft“, sagte der Landschaftsarchitekt im Gemeinderat. Wer einen hat, bietet Seltenes. Das kann Farchant voraussichtlich 2019 von sich behaupten. An der Kuhflucht soll ein solcher entstehen. Jetzt geht’s in die heiße Phase. Das Gremium bewilligte in seiner Sitzung einstimmig das Konzept, auf dessen Basis der Förderantrag gestellt werden soll.

Zeit wird’s, könnte man sagen. Das Vorhaben, einen Natur-Kurpark zu realisieren, geistert bereits seit 2009 in der Gemeinde herum. Ein vorhandener Kurpark zählt zu den Kriterien, um das Prädikat Luftkurort zu erhalten. Das hatte Farchant 1977 verloren und eroberte es mühevoll zurück. Unter anderem schloss sich die Kommune bei der Wasserversorgung der Zweckvereinbarung zwischen Grainau und Garmisch-Partenkirchen an. Erst seit dem vergangenen November darf sich der Ort wieder mit dem Prädikat schmücken. Den Natur-Kurpark zieht die Gemeinde nun nach. „Der Tunnel hat es überhaupt erst ermöglicht, ihn zu schaffen“, sagte Schelle.

Der Landschaftsarchitekt aus Rosenheim drängt darauf, den Förderantrag bis Weihnachten bei der Regierung von Oberbayern einzureichen. Gemäß der Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen, kurz RÖFE, rechnet die Kommune mit einem Zuschuss von 60 Prozent, sagt Christian Hornsteiner, geschäftsführender Beamter im Rathaus auf Nachfrage.

Bestehende Qualitäten fortentwickeln und ergänzen

Das Projekt ist gewaltig. Der Natur-Kurpark umfasst das Areal zwischen Sportzentrum, Trachtenheim, Skilift und einem Teil der Kuhflucht. Die Zielvorgabe brachte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) schnell auf den Punkt: „Das, was wir haben, uns zu Nutzen machen.“ Oder, so formulierte es Schelle, die bestehenden Qualitäten fortzuentwickeln und zu ergänzen.

Wie das Ganze aussehen soll, präsentierte der Experte ausführlich. Angefangen von den Schritten im Vorfeld, darunter die Untersuchung der Umgebung, der Vernetzung oder den Vegetationstypen, bis hin zu den zahlreichen Gesprächen mit den verschiedenen Akteuren von Forst, Tourismus oder Naturschutz. „Wir sind keine Agentur, die schnell hippe Ideen raushaut“, betonte Schelle. „Wir haben analysiert.“

Einiges hat sich das Planungsbüro einfallen lassen. Es setzt vier Themenschwerpunkte: Natur und Landwirtschaft, Freizeit und Tourismus, Kultur und Bildung sowie Erholung und Gesundheit. Heißt in der Praxis, dass beispielsweise am Trachtenheim, dem zentralen Zugang mit Toilettenanlage, passenderweise der Aspekt Kultur bespielt werden soll.

Neben der Sanierung von Barfußpfad und Kneippbecken sieht das Konzept unter anderem einen Klimapavillon, einen Naturspielbereich, eine Landschaftsterrasse mit Wetterstein-Blick und rustikale Stelen als markante Markierung einzelner Attraktionen vor. Selbst für das Grill-Problem an der Kuhflucht hat Schelle eine Lösung parat. Nach einem Gespräch mit einer Naturpädagogin ist er zu dem Schluss gekommen, gezielt Feuerstellen auszuweisen und dort Mülleimer aufzustellen. „Wenn man etwas anbietet, kann man etwas anderes verbieten“, meinte der Fachmann.

Kosten für Komplett-Paket liegen im hohen sechsstelligen Bereich

Die Gemeinderäte hörten interessiert zu, nickten manchmal und bekamen große Augen, als Schelle die Kostenkalkulation vorstellte. Mit 756 602 Euro schlägt das zu Buche, „was wir unbedingt brauchen“. Allein die Toilettenanlagen am Trachtenheim verschlingen 250 000 Euro. Spielereien, wie Landschaftsschaukeln oder ein Holzsteg mit Geländer, bezifferte er auf 189 805 Euro. Der Fördersumme liegt demnach bei knapp 950 000 Euro. Doch Schelle betonte: „Wir gehen mit viel rein, streichen kann man immer noch.“ Zur Erinnerung: 2011 sprach Wohlketzetter noch von Kosten zwischen 20 000 bis 30 000 Euro. Jetzt sagte er: Lässt die Gemeinde das Konzept komplett umsetzen, „bleiben 300 000 Euro bei uns“. Wobei nicht alles gleich 2019 angepackt werden müsse. Sein Vize Johann Schmid forderte deshalb ein, sich über einzelne Punkte noch einmal genauer zu unterhalten.

Dass sich die Dimensionen verändert haben, blieb niemanden verborgen. „Es ist ein gewaltiges Projekt geworden“, sagte Gerhard Portele (FW). Er bezeichnete es als „maximales Wunschkonzert, bei dem man sich nacheinander Sachen rauspickt“. Aber er sieht, wie alle anderen, den Mehrwert dahinter. Der Natur-Kurpark wäre ein Alleinstellungsmerkmal für Farchant und ein Pfund, mit dem man wuchern könnte. Nachdem man zehn Jahre darauf hingearbeitet hat.

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