Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner und die neue Geschäftsleiterin Kathrin Knauer.
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Im Gleichschritt: Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner und die neue Geschäftsleiterin Kathrin Knauer.

Neuer Bürgermeister bereut keine Minute

Farchants Christian Hornsteiner: Chefrolle ist Glück, nicht Bürde

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Er wusste, was auf ihn zukommt, war schon zuvor in Entscheidungen eingebunden. Farchants neuer Bürgermeister Christian Hornsteiner spricht mit Blick auf sein Amt von einem „selbstgewählten Glück“.

Farchant – So geht’s ja nicht. Christian Hornsteiner macht kurzen Prozess mit den Telekom-Mitarbeitern, die am Gasthof Kirchmayer gerade einen Sendemasten errichten. Der Rathauschef schnappt sich den Beschluss über die Veränderungssperre für das Gebäude, marschiert schnurstracks zum Gasthof Kirchmayer und hält ihnen das Schriftstück unter die Nase. „Nach einer Stunde“, sagt er, „war der Mast wieder drunten.“

Es ist die erste Amtshandlung von Hornsteiner. Sein erster Erfolg. Nur wenige Tage nach seinem Umzug ins Bürgermeisterbüro. Mittlerweile sitzt er seit deutlich über 100 Tage im Chefsessel der Gemeinde Farchant – und bereut keine Minute.

Farchants neuer Bürgermeister war starke rechte Hand seines Vorgängers

In drei Worten beschreibt der 47-Jährige die Einstiegsphase: ereignisreich, herausfordernd, interessant. Genau wie er sie sich im Vorfeld erwartet hatte. „Ich habe gewusst, was auf mich zukommt“, sagt er. Zwölf Jahre lang war er als Geschäftsführer und Kämmerer die starke rechte Hand von seinem Vorgänger Martin Wohlketzetter (SPD). Zusammen schoben die beiden viele Projekte an. Ob Loisachbrücke, städtebauliche Sanierung, Kommunaler Wohnungsbau an der Ronetsbachstraße oder Hotel an der Föhrenheide. „Ich war immer beteiligt an den Entscheidungen.“

Anders als seine Kollegen im Landkreis, die sich nach den Kommunalwahlen erst einmal eingewöhnen und sich an die Arbeit herantasten mussten, machte Farchants frischgebackenes Oberhaupt einfach da weiter, wo er aufgehört hatte. „Ich kenne alle Themen“, betont der Verwaltungsbetriebswirt, „es ist das gleiche Arbeiten.“

Der große Unterschied zu früher: Christian Hornsteiner trägt mehr Verantwortung

Mit einem Unterschied: Er trägt mehr Verantwortung. Für sein Personal, für den Ort. Die Rolle ist für ihn aber keine Bürde. Im Gegenteil. „Chef zu sein, ist schön“, macht er deutlich. Hornsteiner weiß, wie man mit Kritik umgeht. War sich stets im Klaren darüber, dass es für einen Bürgermeister keinen Dienstschluss gibt. Akzeptiert, dass ihn die Bürger auch am Wochenende oder im Feierabend kontaktieren. Nichts Neues für ihn. Das sei auch in der Vergangenheit schon der Fall gewesen. Und gut so. Hornsteiner will das Ohr nah an der Bevölkerung haben. Heute wie damals. „Man soll ja der gleiche Mensch bleiben“, betont er.

Jeden Tag geht Hornsteiner gerne ins Rathaus. Trotz so mancher Herausforderung, der sich der Routinier stellen muss. Wie alle Gemeinden beschäftigt sich auch Farchant mit Corona. Ein tagesbestimmendes Thema, das, wie der Bürgermeister findet, mittlerweile ein bisschen zur Routine geworden ist. Hinzu kommt die immense Verkehrsbelastung. „Wir können das Problem nicht lösen“, betont er. „Für uns haben wir das aber einigermaßen gut in den Griff bekommen.“ Damit spielt Hornsteiner auf die LED-Hinweistafeln an, die bei Blockfertigung aufgestellt werden, um die Autofahrer auf der B 2 zu halten (wir berichteten).

Farchants Bürgermeister hat seine Doppelfunktion aufgegeben

Auf seiner Agenda steht noch viel mehr: Hornsteiner möchte den Naturkurpark bald vollenden, das Wohnbauprojekt für Senioren am Pfarrhof realisieren und die Gemeinde werbetechnisch, unter anderem mit einem anderen Logo, neu aufstellen. Auch plant er – natürlich in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat – , zum Beispiel ein Einheimischenmodell und die Erweiterung des Kindergartens anzupacken. „Langweilig wird’s nicht“, prophezeit er sich selbst.

Da kam etwas Entspannung recht. Seine Doppel-Funktion endete. Bei seinem Amtsantritt hatte Hornsteiner seine neue Arbeit als Bürgermeister und seine alte als Geschäftsleiter und Kämmerer zunächst in Personalunion erledigt. Mittlerweile ist Kathrin Knauer, zuvor Leiterin des Bürgerbüros der Gemeinde Gröbenzell, in seine Fußstapfen getreten, wurde seine rechte Hand. „Das ist gut für mich“, sagt Hornsteiner.

Trennung von Tourist-Info-Chefin wird nicht kommentiert

Personelle Veränderungen hatte es bereits zuvor gegeben. Die Gemeinde trennte sich von Katja Faust, Leiterin der Tourist-Info. Über die Gründe schweigt sich der Bürgermeister aus. Ihre Rolle teilen sich nun Sandra Hibler und Barbara Schmid. In Lukas Dapfer wurde zudem eine Vollzeitkraft eingestellt. „Das läuft gut“, findet der Chef. Eine Baustelle weniger

Denn sein Job frisst Zeit. Viel Zeit. Wenngleich Hornsteiner sich wegen der fehlenden Veranstaltungen derzeit noch im Schongang befindet. Von ständigen Abendterminen verschont bleibt. Das wird sich irgendwann ändern. Am Sonntag Ski zu fahren, das werde aber auch weiterhin gehen, glaubt er. Und wenn nicht, dann halt nicht. Selbstgewähltes Schicksal, könnte man sagen. Farchants Bürgermeister bezeichnet sein neues Amt und was damit verbunden ist anders: als „selbstgewähltes Glück“.

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