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Präsident Wolfgang Schübl steht zu seiner Rückstrittsankündigung im Vorfeld.

Jetzt wird ein Nachfolger gesucht

Schwierige Wahl beim Golfclub: Präsident will aufhören, darf es aber nicht

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Ein Präsident, der keiner sein will: Wolfgang Schübl hat sich bei der Versammlung des Golfclubs bereits aus seinem Amt verabschiedet. Zu früh, wie sich zeigte.

Farchant – Vier Stunden sind eine unverschämt lange Zeit. Aber die Mitglieder im Golfclub Garmisch-Partenkirchen haben schon Sitzungen ertragen, die erst nach Mitternacht endeten. 2017 waren sie froh, als um 1 Uhr nachts Wolfgang Schübl die Hände um sein Vorstandsteam legte und auf dem gemeinsamen Foto lächelte. Die Suche nach einem Präsidenten hatte sechs Stunden und – genau genommen – viele Wochen Vorarbeit beansprucht.

Zwei Jahre später lächelt Wolfgang Schübl (69) nicht mehr. Um 22.57 Uhr verabschiedet sich der Garmisch-Partenkirchner im Alten Wirt in Farchant höflich von den Gästen, dankt ihnen für die Geduld und entlässt sie in Wochen der Ungewissheit. Zurück bleibt ein Präsident, der eigentlich keiner mehr sein will, aber doch im Amt bleiben muss, weil es die Satzung so vorsieht. Gehofft hatte er, bei der Jahresversammlung einen Nachfolger zu finden. Wobei Schübl geahnt haben muss, dass sich keiner freiwillig solch ein Amt aufhalst, das nur Arbeit und wenig Anerkennung mit sich bringt.

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Golfclub verliert Vorstandsmitglieder

Vier Wahlgänge mussten die Büro-Mitarbeiter des Golfclubs (v.l.) Bruce Bakal, Sebastian Fabricius und Susanna Diekmann auszählen. Am Ende für die Katz’.

Er hätte an diesem Abend den einfachen Weg durch die Hintertür wählen und direkt nach der erfolglosen Wahl vom nun (Interims-)Chefposten zurücktreten können. Aber der Anstand untersagte ihm das. „Ich werde das nicht tun, ich werde mich bemühen, einen Nachfolger zu finden. Das ist meine Aufgabe“, sagt Schübl. Bewusst habe er bislang die Suche vermieden. Erst wollte er die Versammlung und ihr Ergebnis abwarten, das nun die Jagd nach einem Präsidenten eröffnet.

Kein Mensch weiß, wie lange sie dauert. Schübl sagt: „Das kann sehr schnell gehen, aber auch ein Jahr dauern.“ Mit dem Präsidenten traten auch Vize Christoph Eiber, Schatzmeister Karl Ostler und Schriftführer Florian Maninger ab. Alle haben private Gründe. Nach Jahren harter Arbeit sollen nun die Familien an erster Stelle stehen. Das hatten sie den Mitgliedern bereits im Dezember 2018 in einem Schreiben mitgeteilt.

Gründe für Rücktritte: Querelen im Hintergrund werden nicht thematisiert

Auch Schübl verweist auf die Familie sowie sein Alter. Bald werde er 70. Damit sei er nicht mehr so recht geeignet für einen Club, der mittlerweile 85 Jugendliche beherbergt und einen Hauch von Jugend verbreiten soll. Sein Entschluss aufzuhören sei ein Prozess gewesen, ein Mix aus mehreren einzelnen Gründen. Familie und Alter „sind nicht das Einzige“, sagt er mit dem latenten Hinweis auf die Querelen im Hintergrund, die Schübl aber nicht öffentlich anspricht. Aus Höflichkeit.

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Wie es aus Club-Kreisen heißt, hat den Vorsitzenden die Klage zweier Mitglieder hart getroffen. Sie waren rechtlich gegen einen Formfehler in der Einladung zur Vorjahres-Versammlung vorgegangen. Schübl hat in der Phase immer wieder betont, er werde sich als Präsident im Ehrenamt nicht verklagen lassen. Nun zog er die Konsequenzen.

„Das ist eine Farce.“

Die Mitglieder hätten ihn behalten. Obwohl Schübl eine weitere Kandidatur ausschloss, schrieben 86 der 156 Golfer seinen Namen auf ihren Wahlzettel. Den neuerlichen Vertrauensbeweis quittierte er mit eiserner Beharrlichkeit: „Ich nehme diese Wahl nicht an“, sagte er.

Das Trio Eiber, Ostler, Maninger folgte seinem Vorgehen. Auch alle anderen Vorgeschlagenen – praktisch jeder im Saal durfte einmal – lehnten ab. Eineinhalb Stunden Wahl endeten ohne Ergebnis. Am Tisch neben der Führungsriege rief einer: „Das ist eine Farce.“ Die meisten Mitglieder pflichteten dem bei. Sie schüttelten den Kopf, verschränkten die Arme oder gingen frühzeitig. „Hört doch bitte auf“, schrie noch einer.

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Gegen 22.30 Uhr bahnte sich das Ende an. Wenig überraschend überschüttete der Saal den Ersten mit Applaus, der nicht „Nein“ sagte und sein Amt annahm: Sportwart Christian Fellner macht weiter, genauso die Jugendbeauftragte Susanna Diekmann. Beide sollen nun an der Suche nach dem neuen Chef beteiligt werden. Neu in den Vorstand rückt Christopher Vetter – als Beisitzer. Auch seine Geschichte ist eine verrückte. Ursprünglich hatte die Führung diesen (zuletzt unbesetzten) Posten ganz streichen, zudem das Amt des Jugendwarts ausgliedern wollen. Schübl träumte von einem schlanken Vorstand, der alle Abläufe schneller und einfacher macht. Die Idee fiel bei den Mitgliedern durch. Allerdings erst im zweiten Versuch. Beim ersten Wahlgang hatten zu viele abgestimmt. Danach klappte es. Tatsächlich fand sich mit Vetter ein Neuer, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Er war am Ende einer von wenigen, die das Gasthaus mit einem Lächeln verließen.

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