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Schnapseln und Zigarre rauchen: Opa Fred Müllerschön (Blasi Schmid, l.) und sein Spezi Paul (Micha Fessenmayer) lassen es im Altersheim gehörig krachen. Darüber ist auch Frisörin Rosi (Tina Oellinger) entsetzt.

Gelungene Premiere der Farchanter Theaterer

Rabatz im Altersheim

Das Leben als Senior ist oft kein Spaß. Die Theaterspieler vom Volkstrachtenverein Farchant beweisen aber, dass es auf der Bühne höchst amüsant und unterhaltsam sein kann. Im Kurgästesaal feierten sie die gelungene Premiere des Dreiakters „Dreistes Stück im Greisenglück“.

Farchant – Pflegenotstand ist ein viel gebrauchtes Wort, und immer mal wieder ist auch von schlimmen Zuständen in Seniorenheimen zu lesen. Dass es jedoch möglich ist, mit karikierender Überzeichnung, mit Situationskomik, rasanter Handlung und viel Sprachwitz aus dem Thema eine pralle Komödie zu machen, bei der sich das Publikum vor Lachen biegt, war im ausverkauften Farchanter Kurgästesaal zu erleben. Dort feierte die Theatergruppe des Volkstrachtenvereins – wie alle Jahre an Ostern – Premiere ihres neuesten Lustspiels: Bernd Gombolds „Dreistes Stück im Greisenglück“ sorgte für einen Lachsturm nach dem anderen.

Und das, obwohl Schwester Oberin (treffend streng von Christa Zwittlinger verkörpert) im Seniorenheim „Greisenglück“ ein Regiment führt, wie ein Feldwebel. Was insbesondere Opa Fred Müllerschön wurmt, der sich diesen Ton ebenso wenig gefallen lassen will, wie die steinharten alten Frühstückssemmeln, die längst abgelaufene Wurst und den Kas’ voller Maden. Blasi Schmid, altbewährter Bühnenmann der Farchanter, verkörpert den pfiffigen Senior ganz hervorragend. Gekonnt trickst er „Schwester Rabiata“ aus, unterstützt von seinem Spezi Paul, der sein komödiantisches Talent als angeblich verwirrter Alter voll auslebt und von Micha Fessenmayer herzerfrischend lustig auf die Bretter gebracht wird.

Beide schaffen es, dass die grantige Schwester Oberin immer wieder in Rage gerät. Opa Paul ist sich sicher: „De kriag’ ma scho no kloa, de Turbohex’“. Wobei ihnen auch die vorlaute türkische Putzfrau Fatima – eine Seele von Mensch, die es allen Recht machen will – sehr hilfreich zur Seite steht. Für die Darbietung derselben erntete Steffi Leitenbauer massenweise Szenenapplaus. Immer wieder ist es übrigens auch die als aufdringliche Heimbewohnerin Irma wunderbar agierende Zenzi Filser, die beim Publikum weitere Brüller auslöst. Vor allem kommt sie deshalb so gut an, weil sie herrlich authentisch die Schwerhörige gibt, welche die Aussagen von Opa Fred grundsätzlich falsch versteht. Sie glaubt, er hätte Interesse an ihr.

Neben diesen „Verbündeten“ gibt es zum Glück noch die Enkelin Karin (Theresa Ostler) und deren Freund Alex (Hannes Leitenbauer), die als leicht verrücktes Paar den Opa unterstützen und mit allerlei kulinarischen Genüssen versorgen. Die Oberin hat ihn nämlich auf karge Kost gesetzt, nachdem er voller Wut eine steinharte Semmel aus dem Fenster gepfeffert hat. Doch nicht nur die Oberin macht Opa Fred zu schaffen. Da ist beispielsweise die höchst geldgierige Verwandtschaft in Gestalt von Sohn Hermann und dessen Ehefrau Berta – richtig schön fies von Christoph Grünauer und Susi Schmid verkörpert – die es einfach nicht abwarten können, an sein Hab und Gut zu kommen. Darauf spekuliert auch ein weiterer Halb-Gauner, nämlich der zweite Sohn Josef (schön hinterfotzig dargestellt von Spielleiter Hannes Porer). Er ist ebenfalls auf Opas Penunze aus, muss sich jedoch mit der mittellosen Frisörin Rosi begnügen (gespielt von Tina Oellinger).

Die Premiere wurde mit schmissigen und flotten Melodien der legendären Farchanter „3012er-Musi“ umrahmt. Spielleiter Porer ehrte im Anschluss drei seiner Schauspielkollegen für besondere Verdienste: Georg Urban, sowie Rosi und Blasi Schmid, die jeweils seit 35 Jahren auf der Bühne mitwirken.

Wie sich das Humor-Geflecht schließlich im stürmischen Wohlgefallen des Publikums auflöst, und warum am Ende sogar noch die Souffleuse Barbara Fessenmayer auf der Bühne erscheint, das können Zuschauer bei den kommenden Vorstellungen selbst erleben.

Weitere Vorstellungen

finden am Pfingstsamstag, 3. Juni, Mittwoch, 26. Juli, Mittwoch, 9. August, Mittwoch, 6. September, und Mittwoch 27. September, jeweils um 20 Uhr statt (Vorverkauf in der Tourist-Info, Telefon: 0 88 21/ 0 96 16 96).

Wolfgang Kaiser

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