Einweihung des neuen Rathausplatzes in Farchant.
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Das neue Schmuckkastl der Farchanter: Die Bürger und die Politik feierten auf dem neuen Rathausplatz das Ende der Dorferneuerung bei strahlendem Sonnenschein.

Ein Dorf erstrahlt in neuem Glanz

Gelungener Kraftakt: Farchant feiert den Abschluss der Dorferneuerung nach fast 20 Jahren

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Im Jahr 2002 hatten sie angefangen, die Farchanter - damals war Tunnel zwei Jahre geöffnet, der Rückbau der Bundesstraße 2 durch den Ortskern das erste Projekt. 19 Jahre später ist mit der Renovierung des Rathausplatzes der Dorferneuerungs-Prozess abgeschlossen. Ein Tag zum Feiern für die kleine Gemeinde im Loisachtal.

Die Sonne strahlte über den Wank herein. Der Himmel tiefblau. Die Musikkapelle spielte die Bayernhymne. Ja, es wirkte alles wie bestellt, fast ein bisserl bayerisch-kitschig. „Perfekt“ – tönte Christian Hornsteiner durchs Mikrofon. Er schaut hinauf in den Himmel, dann rüber zu den beiden Pfarrern Irene Konrad und Andreas Lackermeier, die zuvor mit den mehr als 200 Gästen einen kurzen ökumenischen Wortgottesdienst am Dorfplatz gefeiert hatten.

Der Segen für den neuen Dorfkern: Pfarrer Andreas Lackermeier, der gemeinsam mit Pfarrerin Irene Konrad (r.) einen ökumenischen Gottesdienst gehalten hatte.

Ein bisserl Beistand von oben habe es für diese Rahmenbedingungen sicher gegeben, mutmaßte der Bürgermeister. Denn freilich hatten sich die Verantwortlichen solch einen Traumtag gewünscht, um diesen Festakt zu begehen. 19 Jahre Dorferneuerung haben die Farchanter hinter sich. Ein langer Weg, der nun zu „98,5 Prozent“ abgeschlossen ist. So benannte Hornsteiner den Baufortschritt in Zahlen. „Und den Rest kriegen wir in den nächsten vier Wochen auch noch hin.“

Am Abend prasselte dann schon der Regen ein auf das neue Pflaster, auf die Blumenbeete, die frisch gepflanzten Bäume. Machte aber nichts. Da hatten die Plattlerkinder und die Musikkapelle ihr Können schon gezeigt, die Mass Bier waren getrunken.

Die Gemeinde traf sich um 10.30 Uhr morgens, um „diesen Meilenstein“ für Farchant zu bejubeln. Hornsteiner nahm die Anwesenden mit auf eine kleine Zeitreise. Er blickte zurück ins Jahr 1994, als 136 Klagen gegen den Farchanter Tunnel auf dem Tisch lagen. Am 16. August 1995 habe es vom Verfassungsgericht dann grünes Licht für die Umfahrung gegeben. Der Startschuss in eine neue Ära. „Damals herrschten Zustände mit unseren drei Spuren durchs Dorf, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann“, erinnerte Hornsteiner. 38 000 Fahrzeuge sind in der Spitze über die Hauptstraße gedonnert.

Bestens gelaunt: Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU).

Seit mehr als 20 Jahren ist Farchant nun vom großen Verkehr befreit, und doch hielt der CSU-Mann mit einer deutlichen Forderung nicht hinterm Berg: „Wir müssen schauen, dass alle Gemeinden im Loisachtal frei vom Verkehr werden, nicht nur Farchant.“ In Oberau sei es 2022 soweit, im Garmisch-Partenkirchen auf der Kramerseite „irgendwann 2025“.

Enormer Weitblick habe vor dem Jahrtausendwechsel in Farchant geherrscht, unterstrich Hornsteiner. Davon habe der Ort profitiert. Unter Altbürgermeister Michael Lidl (CSU), der bei der Feier ebenso wenig fehlte wie sein Nachfolger Martin Wohlketzetter (SPD), wurde damals sofort in Betracht gezogen, dass nicht nur die Hauptstraße zurückgebaut werden muss, sondern der gesamte Dorfkern vom Bahnhof bis zur Kirche St. Andreas ein neues Gesicht braucht. „Sonst wären wir wohl nie an die Fördertöpfe gekommen“, betonte Hornsteiner. Und das Geld floss reichlich: 8,4 Millionen Euro steckte die Gemeinde in die Sanierung des Ortskerns, fast 3,7 Millionen kamen als Zuschuss aus München. Eines machte der Bürgermeister auch klar: „In dieser Sache waren die Beschlüsse in Farchant immer einstimmig“, blickte er zurück. Auch wenn es manche Diskussion, auch mit den Experten des Büros Plankreis aus München gegeben habe, „am Ende waren wir uns immer einig“.

Ein Pflasterstein mit Wappen als Präsent erhielt Regierungspräsidentin Maria Els.

Die Ausdauer lobte auch Maria Els, die Präsidentin der Regierung von Oberbayern, für die der Besuch in Farchant quasi Pflicht war. „So ein Projekt über fast 20 Jahre, das ist eine sehr intensive Sache“, betonte sie. Gerade deshalb hätten ihr die Mitarbeiter in der Behörde gesagt, „dass ich mir das unbedingt vor Ort anschauen muss“. Die Chance zu ergreifen, dem Ort ein neues Gesicht zu gegeben, sei oft nicht so einfach. „Aber hier ist es gelungen.“ Els griff die Worte von Pfarrerin Konrad auf, die mit launigen Worten eben jenes Durchhaltevermögen der Verantwortlichen angepriesen hatte. „Sie haben es trefflich beschrieben: Die Farchanter haben sich von ihrem Weg nicht abbringen lassen.“

Hochrangige Gäste: (v.l.) Dritte Landrätin Tessy Lödermann sowie die Landtagsabgeordneten Florian Streibl, Harald Kühn und Martin Bachhuber.

Dass es ein „Kraftakt war für eine 3700-Einwohner-Gemeinde, das steht auch für Hornsteiner fest. Allein schon für die Anlieger, die mit Lärm und Einschränkungen leben mussten. „Aber unser Dorf hat dadurch massiv gewonnen“ – diese Erkenntnis steht für den jetzigen Bürgermeister und damaligen Geschäftsleiter im Fokus. „Wenn wir unser Dorf nun sehen, dann kann man solche Beeinträchtigungen zum Glück auch wieder vergessen.“

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