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Ein Sanierungsfall: das Farchanter Rathaus. Der Altbestand (r.) von 1830 und der Anbau samt Verbindungstrakt von 1968 werden weitgehend barrierefrei. 

Förderbescheid von Regierung liegt vor

605.000 Euro für Farchants Rathaus

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Barrierefrei soll es werden, das Farchanter Rathaus, und zudem energetisch saniert. 605.000 Euro sind dafür veranschlagt, von denen die Kommune 245.000 Euro stemmen muss. Daran rüttelt niemand im Gemeinderat. Am Standort des neuen Aufzugs und an der Fluchttreppe scheiden sich aber noch die Geister.

Farchant – Die Fluchttreppe, die hätte Georg Kuba fast vergessen. Nachdem dem Planer diese aber noch rechtzeitig eingefallen ist, musste der Farchanter Gemeinderat noch einmal über die anstehende Sanierung des Rathauses sprechen. An der einhelligen Meinung, dieses Projekt anzupacken, hat sich nichts geändert. Gesprächsbedarf besteht trotzdem. Eine Thema, die die rege Diskussion ergab, ist die nach dem Blindenleitsystem. Ob tatsächlich Rillen im Boden erforderlich sind, gelte es zu klären. Auch in Sachen Fluchtweg existieren offene Fragen. „Brauchen wir wirklich die Treppe?“, erkundigte sich Richard Kundler (SPD). Möglicherweise reiche ja das Flachdach über dem Verbindungsbau als Versammlungsstelle bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. All diese offenen Punkte notierte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) eifrig und versprach: „Das klären wir alles und besprechen es noch einmal im Gemeinderat.“

Denkmalschutz macht Strich durch die Rechnung

Somit wurde ein Beschluss in dieser Sitzung zurückgestellt. Nachdem aber der Förderbescheid von der Regierung von Oberbayern längst vorliegt, steht dem Vorhaben insgesamt nichts im Weg. 360.000 Euro, das entspricht 90 Prozent der zunächst veranschlagten Summe, fließen aus dem Kommunalen Investitionsprogramm nach Farchant, um das Rathaus energetisch zu sanieren und vor allem barrierefrei zugänglich zu machen. Im Zuge des Bewerbungsprogramms, um aus diesem Zuschusstopf zu partizipieren, waren für diese Vorhaben 400.000 Euro angesetzt gewesen. Erst im Anschluss daran konnte die Gemeinde Geschäftsleiter Christian Hornsteiner zufolge mit Ingenieur Kuba in die Feinplanung einsteigen, das Gebäude, insbesondere den Altbestand aus dem Jahr 1830, untersuchen und die tatsächlichen Kosten ermitteln. Das Ergebnis: 571.000 Euro. Dazu kommt jetzt noch besagte Fluchttreppe im Bereich des Anbaus. Gut 34.000 Euro veranschlagt der Planer für dieses Konstrukt, das über eine Tür im Flur des ersten Stocks aufs Dach des Zwischenbaus und dann auf der Westseite nach unten führen soll. Inklusive dieser Treppe kostet die Rathaus-Sanierung samt neuer Heizung, Photovoltaik-Anlage auf der südlichen Dachfläche und teilweise neuen Elektroleitungen 605.000 Euro, wovon die Gemeinde 245.000 Euro schultern muss.

Bürgermeister-Büro kleiner als bisher geplant

Im Zuge dieses Vorhabens wird das gesamte Haus angepackt. Im Altbau von 1830, der seit 1950 im Besitz der Gemeinde ist, hat allerdings der Denkmalschutz Kuba einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Türen, die verbreitert werden sollten, dürfen wir nicht anrühren“, berichtete er. Lediglich im Bereich des Einwohnermeldeamts konnte ein Kompromiss erzielt werden, um einen Rollstuhl-gerechten Zugang zu ermöglichen. Die Kasse ist vom Flur aus über einen Schalter zugänglich, das Bauamt bleibt ein Problem. Was hingegen unstrittig war, ist die Erneuerung und vor allem Dämmung des kompletten Bodens. „Dafür wird er 40 bis 50 Zentimeter tief ausgebaggert“, erklärte Kuba. Die Hausmeister-Wohnung im ersten Stock wird dabei nicht angetastet.

Der Eingangsbereich im Verbindungsbau erhält neue Fenster und Türen. Hier entsteht auch ein Behinderten-WC. „Das Flachdach kommt runter, das ist nicht gedämmt“, sagt der Planer. Über diesen Bereich soll ihm zufolge auch der Aufzug erreichbar sein, der vom Leseraum im Erdgeschoss in den ersten Stock führt. Dafür muss Wohlketzetters Büro etwas kleiner und das Sekretariat neu angeordnet werden.

Das gefiel allerdings Stephan Graf (Freie Wähler) und Kundler überhaupt nicht. „Das Bürgermeister-Zimmer muss doch etwas hermachen“, meinte der SPD-Vertreter. Daher regte er an, den Aufzug außen anzubringen, so dass Rollstuhlfahrer den direkten Zugang zum Sitzungssaal erhalten. Der steht übrigens auch auf der Agenda der Gemeinde. Derzeit sind Garmisch-Partenkirchner Schnitzschüler damit betraut, sich kreative Ideen für seine künftige Gestaltung zu überlegen.

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