Zu zweit aktiv: Fabio Graf (l.) und Pia Schneider engagieren sich lokal gegen Lebensmittelverschwendung.
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Zu zweit aktiv: Fabio Graf (l.) und Pia Schneider engagieren sich lokal gegen Lebensmittelverschwendung.

2. Mai ist Tag der Lebensmittelverschwendung

Fünf Lebensmittelretter wollen gemeinsames Umdenken anstoßen

18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen jährlich auf dem Müll. Fabio Graf will dem entgegensteuern. Der Farchanter holt deshalb die Initiative Foodsharing nach Garmisch-Partenkirchen. Fünf Lebensmittelretter haben sich bislang gefunden.

Farchant – Der 2. Mai ist Tag der Lebensmittelverschwendung – für Fabio Graf ein Tag mit Symbolcharakter. Denn der Farchanter steht ein für den Kampf gegen den sorglosen Umgang mit Nahrungsmitteln aller Art. Er ist ein Botschafter der Initiative Foodsharing und möchte auch ein Umdenken vor Ort in seiner Heimatregion erreichen. Gemeinsam mit Pia Schneider bringt er die Umweltbewegung nun nach Garmisch-Partenkirchen. „Jetzt haben sich genug Leute zum gleichen Zeitpunkt zusammengefunden, um das Ganze hier mal anzufangen“, sagt der 24-Jährige. Aktuell besteht die Gruppe im Werdenfelser Land aus fünf Lebensmittelretter.

18 Millionen Tonnen Nahrung landen laut der Naturschutzorganisation WWF jährlich im Müll. Auf Deutschland runtergebrochen gibt es eine erstaunliche Zahl: Alles an Nahrung, das von Januar bis Ende April produziert wurde, landet quasi im Abfall. Daher der 2. Mai als Mahnung. Für Graf eine ungeheure Verschwendung. „Da hängt so viel dran an Agrarflächen und Energie von Arbeitskräften, Energie im Sinne von Strom und CO2-Ausstoß – ein Riesenaufwand, den wir anders nutzen könnten, wenn man nicht so viel wegschmeißt.“

Mitglieder holen überproduzierte oder ungewollte Ware aus Bäckereien, Supermärkten, Großhändlern und Kantinen und verteilen sie ehrenamtlich

Um den Fokus der Menschen auf dieses Thema zu lenken, kooperieren die Mitglieder von Foodsharing mit Bäckereien, Supermärkten, Großhändlern und Kantinen. Dort holen sie überproduzierte und ungewollte Ware ab. Diese verteilen sie in privaten Kreisen ehrenamtlich und kostenfrei weiter. „Wir teilen die geretteten Lebensmittel gerne, da es für uns selbst teilweise zu viel ist, andere so indirekt mitmachen, und es ein Bewusstsein schafft.“ Zusätzlich kann jeder Einzelne die Online-Plattform www.foodsharing.de nutzen und sein Essen zum Teilen anbieten. Wer etwas abzugeben hat, schießt ein Foto und schreibt dazu, was er anzubieten hat. Interessierte können eine Nachricht schicken und die Lebensmittel am vereinbarten Standort abholen.

In Garmisch-Partenkirchen soll es künftig auch einen sogenannten „Fairteiler“ geben. Darunter sind öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale zu verstehen, aus denen sich jeder gerettete Lebensmittel holen kann. Für dieses Projekt aber braucht es erst einen geeigneten Standort. „Zudem müssen sich mehr Hiesige finden, die bereit sind, die Initiative zu unterstützen“, betont Graf.

Projekt soll jetzt bekannter werden - Mitstreiter gesucht

Vorerst geht es ihm darum, publik zu machen, dass es den neu gegründeten Bezirk Garmisch-Partenkirchen gibt. „Wir wollen das Ganze vorstellen, denn die meisten Leute kennen das Projekt noch nicht.“ Aktuell sei es eher den Jüngeren oder denen, die in Großstädten gelebt haben, ein Begriff.

Werden es mehr Menschen, die sich engagieren, können die Verantwortlichen mehr Läden ansprechen. Im Moment ist es ein Betrieb in Garmisch-Partenkirchen, mit dem die Lebensmittelretter kooperieren. Nach Vereinbarung fahren sie zum Geschäft und sortieren die Lebensmittel aus. „So nehmen wir vor Ort den Betrieben ein bisschen die Arbeit ab.“ Mit drei weiteren Geschäften sind die Botschafter noch in Kontakt.

Zur Tafel besteht keine Konkurrenz, versichert Fabio Graf

Zur Tafel, die nach einem ähnlichen Prinzip verfährt, besteht laut Graf keine Konkurrenz. „Wir wollen der Tafel nichts wegnehmen“, betont er ausdrücklich. Als „Ergänzung“ holen die jungen Leute die übrig gebliebenen Lebensmittel, nachdem die Tafel bereits aktiv geworden ist. „Wir kommen, bevor die Sachen wirklich endgültig in der Tonne landen.“

Graf engagiert sich für viele Projekte der Nachhaltigkeit. Auch bei Organisationen wie „Viva con Agua“ und „Menschen für Menschen“ – beides Wasserprojekte – sowie der Münchner Foodsharing-Gruppe ist er dabei. Zu seinem großen Engagement bewegt hat ihn die Auseinandersetzung mit den Themen Klima- und Umweltschutz. „Was wir als Foodsharer machen, dass man Lebensmittel nicht einfach wegschmeißt, ist ein Ansatz von Zero Waste“, erklärt der Farchanter. Null Müll also. Er möchte der Gesellschaft etwas Sinnvolles zurückgeben, „sei es sozial oder im Umwelt- und Klimabereich – damit wir alle was davon haben und schauen können, dass es uns gemeinsam besser geht“.

Kontakt zu den Lebensmittelrettern per Mail:

Die 2012 gegründete Initiative Foodsharing sieht sich selbst als eine Umweltorganisation, die sich langfristig am liebsten gleich wieder überflüssig machen würde. Bis dahin sei jedoch viel Veränderung erforderlich, betont auch Fabio Graf. In Privathaushalten werden pro Kopf jährlich derzeit noch etwa 75 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. „Es sollte eine Wertschätzung für die Lebensmittel vorhanden sein und dieses Bewusstsein, dass nicht alles selbstverständlich ist. Wir leben hier ziemlich gut, andere haben es nicht so gut“, betont Graf. Foodsharing versuche, ein Umdenken anzustoßen „mit der Gesellschaft zusammen, dass jeder mitmachen kann“. Wer helfen möchte, erreicht die beiden heimischen Botschafter am besten per Mail an f.graf@foodsharing.network und p.schneider2@foodsharing.network.

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