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Die Brandruine: Offenbar hat ein technischer Defekt den verheerenden Brand in der Farchanter Penny-Filiale ausgelöst.

Discounter soll wieder aufgebaut werden

Großbrand im Farchanter Penny-Markt: Ermittler gehen von technischem Defekt aus

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Ein Defekt in einem elektrischen Bedienteil hat offenbar zu dem verheerenden Großbrand in Farchant geführt. Nachdem die Feuerwehr das völlig zerstörte Gebäude gestern Mittag freigegeben hat, kamen die Experten der Kripo schnell zu diesem Ergebnis. Die Ermittlungen dauern noch an.

Farchant – Ein schwarzer Fleck, kaum erkennbare Mauerreste – wer am Donnerstag vom Berg aus auf das Farchanter Gewerbegebiet am Gröben geblickt hat, erkannte schnell das Ausmaß der Zerstörung. Vor Ort erwartete die Ermittler der Kriminalpolizei-Inspektionen Garmisch-Partenkirchen und Weilheim die totale Verwüstung. Der hölzerne Dachstuhl der Penny-Filiale war bereits kurz nach Ausbruch des Feuers am Mittwoch gegen 21 Uhr eingestürzt, die Fenster geborsten. Unter all den Trümmern galt es nun, die Ursache für das verheerende Feuer zu finden. Eine Sisyphusarbeit. Eine, die die Brandfahnder aber routiniert meisterten. Bereits am frühen Nachmittag verkündete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd eine „erste Tendenz“ im Tagblatt-Gespräch. „Es deutet einiges darauf hin, dass ein technischer Defekt in einem elektrischen Bedienteil das Feuer ausgelöst hat.“

Die Folgen waren gewaltig. Davon zeugen auch die Zahlen, die Thomas Joner, Kommandant der Farchanter Feuerwehr und Einsatzleiter, zusammengetragen hat. 163 Feuerwehrkräfte, darunter 20 Atemschutzträger, bekämpften die Flammen mit insgesamt gut 1,6 Millionen Liter Wasser. Vor Ort waren neben der Mannschaft aus dem Dorf auch Einheiten aus Garmisch, Partenkirchen sowie Ehrwald und Lermoos in Tirol. Gut eine Stunde nach der Alarmierung um 20.40 Uhr hatten sie die Lage unter Kontrolle. „Durch den massiven Wassereinsatz ging das relativ schnell“, sagt Joner. Mit Hilfe von sechs Tragkraftspritzen, die aus der Loisach gespeist wurden, und einem Überflurhydranten schafften die Retter das erforderliche Wasser zur Unglücksstelle. Ein Vorgehen, das sich auf alle Fälle bewährte. „Wir haben das Gebäude regelrecht eingekreist, in so genannter Riegelstellung“, erklärt Joner. Dadurch wendeten die Einsatzkräfte auch sehr schnell jegliche Gefahr von dem benachbarten Getränkemarkt und der Edeka-Filiale ab.

Stundenlanger, arbeitsintensiver Einsatz für die Feuerwehr

Gegen 23.45 Uhr konnte Joner einen Teil der Retter heimschicken, die Masse an Glutnestern war beseitigt. Die Kräfte aus Farchant und Garmisch, die bleiben mussten, wurden gestern gegen 5 Uhr abgelöst. Nach einem stundenlangen, arbeitsintensiven Einsatz. Nachdem dieser aber noch lange nicht abgeschlossen war, übernahm eine ausgeruhte Mannschaft die zweite Schicht. „Die Nachlöscharbeiten waren um circa 11.45 Uhr beendet, dann haben wir die Einsatzstelle an die Kripo übergeben“, sagt Joner.

Vorsorglich hatte er zudem am Mittwoch gegen 21.45 Uhr Kollegen aus Oberau und Mittenwald „zur Gebietssicherung“ hinzugezogen. Die Oberauer sollten zur Stelle sein, falls es in Farchant zu einem weiteren Unglücksfall gekommen wäre. Die Isartaler mussten diese Aufgabe für den Bereich Partenkirchen erfüllen. Das war notwendig, da die eigentlich Zuständigen bei dem Brand im Gewerbegebiet gebunden waren.

Lichterloh in Flammen steht der Discounter am Mittwoch bereits wenige Minuten nach Eintreffen der Feuerwehr.

Neben der Polizei, die am Mittwoch das betroffene Gebiet weiträumig abgesperrt und erste Zeugen vernommen hatte, war von der Integrierte Rettungsleitstelle auch das Bayerische Rote Kreuz alarmiert worden. „Die Kollegen waren mit sieben Fahrzeugen da“, berichtet Joner.

Zur Erleichterung der Einsatzkräfte gab es glücklicherweise keine verletzten Personen zu beklagen. „Das Gebäude war leer“, bestätigt Werner Burger, Leiter der Kripo Garmisch-Partenkirchen. Kurz nach Ladenschluss um 20 Uhr seien sämtliche Mitarbeiter heimgegangen und hätten das Geschäft zugesperrt.

Penny hält am Standort Farchant fest

„Dass bei dem Feuer keine Menschen zu Schaden gekommen sind“, ist auch für das Unternehmen entscheidend, betont Penny-Sprecher Andreas Krämer. Der enorme Sachschaden, den die Polizei auf 1,5 Millionen Euro schätzt, wird dabei fast zur Nebensache. Am Standort Farchant, soviel steht bereits am Tag nach dem Unglück fest, will die Penny Markt GmbH mit Sitz in Köln, zu der bundesweit rund 2180 Filialen gehören, unbedingt festhalten. „Da absehbar ist, dass der Markt neu gebaut werden muss, sind wir bereits auf der Suche nach Alternativen, also anderen möglichen Interimsstandorten oder Plätzen für einen möglichen Zeltverkauf“, sagt Krämer. „Die acht Mitarbeiter werden in der Zwischenzeit auf andere Filialen im Umfeld verteilt.“

Das Bekenntnis zu Farchant freut natürlich die Gemeinde. „Sehr gut“ nennt Christian Hornsteiner, Geschäftsleitender Angestellter im Rathaus, Krämers Aussagen. Zumal sich Penny und Edeka in den vergangenen zehneinhalb Jahren hervorragend ergänzt haben. „In der Regel findet man heutzutage ja einen Vollsortimenter neben einem Discounter.“ Die angesprochenen Neubaupläne „sehen wir positiv und unterstützen sie auf alle Fälle“.

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