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Ein anderes Design bekommt die Loisachbrücke in Farchant. Der Start für den Neubau ist für diesen Herbst vorgesehen.

2017 wird ein intensives Jahr

Farchants finanzieller Kraftakt

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Es ist ein Rekordhaushalt: Die Einnahmen der Gemeinde Farchant sprudeln. Das ist auch nötig. Denn 2017 und 2018 muss die Kommune immense Investitionen schultern.

Farchant – Das hat es in dieser Form in Farchant noch nie gegeben. Eine gelungene Premiere, die bei den Gemeinderäten auf positive Resonanz stieß. Denn zum ersten Mal wurde ein umfangreicher Vorbericht zum Haushalt erstellt. Der Inhalt: sämtliche Entwicklungen von 2005 bis heute sowie die anstehenden Projekte. „Das ist ein transparentes Mittel, um zu zeigen, was wir vorhaben“, sagte Gerhard Portele (Freie Wähler). Eine Übersicht kann da nicht schaden. Denn in Farchant wird sich in diesem Jahr einiges rühren – baulich wie finanziell.

„Der Investitionsplan prägt den Haushalt“, verdeutlichte Christian Hornsteiner, der Geschäftsführende Beamte im Rathaus. Der Glücksfall für die Gemeinde dabei: Es herrscht Konjunktur in der Kommune. Dass sich daran etwas ändert, ist in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Allein durch die Gewerbesteuer verdiente Farchant 2016 rund 834 000 Euro. Das Ergebnis wäre sogar höher ausgefallen, wenn nicht eine Erstattung von 443 000 Euro für die Jahre 2012 bis 2015 fällig geworden wäre. In diesem Jahr rechnet man deshalb mit mehr: 1,2 Millionen Euro sollen in die Kasse gespült werden. Wichtigste Einnahme-Quelle ist aber die Einkommensteuer. „Sie ist seit 2005 konstant gestiegen“, sagte Bürgermeister Wohlketzetter (SPD) in der Sitzung. Gerne schaut er die Grafik im Vorbericht an. „Das ist eine wunderbare Linie bergauf.“ Die Entwicklung bedeutet allerdings im Umkehrschluss, dass die Schlüsselzuweisung vom Freistaat sinkt. Damit hat der Rathauschef kein Problem. „Lieber hab’ ich das Geld selber eingenommen.“

Steuerkraft über Landesdurchschnitt

Farchant muss sich also nicht verstecken. Ganz im Gegenteil. Die Steuerkraft der Gemeinde liegt bei 3,119 Millionen Euro (rund 853 Euro pro Einwohner). Damit landet der Ort im Landkreisvergleich auf Rang acht, in Oberbayern auf Platz 259 von 500 und auf Landesebene nimmt er Position 611 von etwa 2000 Gemeinden ein. Heißt konkret: „Wir sind erstmals über dem Landesdurchschnitt“, verkündete Wohlketzetter stolz.

Gute Rahmenbedingungen, für das, was auf den Loisachtal-Ort zukommt. Sie wird auf eine harte Probe gestellt. Bei den Ausgaben „kann man ins Zucken kommen“, merkte Portele an. „Aber sie sind machbar.“ Und das, ohne Steuern zu erhöhen. Trotzdem: Die Vorhaben werden ein finanzieller Kraftakt. 3,5 Millionen Euro investiert Farchant. „Nächstes Jahr noch mehr“, sagt Wohlketzetter. Die Folge: Die Kommune muss Schulden aufnehmen – zwei Millionen im Jahr 2017 –, um die lange Liste an Projekten abzuarbeiten.

Als ein gehöriger Kostenfresser gilt der Neubau der Loisach- und Kanalbrücke. Insgesamt schlägt die Maßnahme mit circa 3,3 Millionen Euro zu Buche, abzüglich der Förderung durch die Regierung von Oberbayern bleibt noch ein Eigenanteil von rund 1,7 Millionen Euro. Der Startschuss für die Erneuerung fällt im Herbst dieses Jahres. Bereits 2016 widmete sich die Gemeinde dem Hotel Alter Wirt, in dem der Brandschutz ertüchtigt werden muss. Neben einer Nottreppe an der Nordseite des Gebäudes ist geplant, eine zusätzliche Treppe aus dem Kegelkeller sowie eine Brandmeldeanlage zu errichten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 520 000 Euro, über 400 000 Euro allein in diesem Jahr.

Farchant steht vor finanzieller Herausforderung

Doch es steht noch mehr an. Allen voran die städtebauliche Aufwertung zwischen Hauptstraße und St.-Andreas-Kirche. Heuer geht es mit Bauabschnitt eins los – der Sanierung des Gernwegs. Um diesen Bereich aufzuhübschen, muss die Gemeinde etwa 237 000 Euro der insgesamt 640 000 Euro locker machen. Im Rahmen der Städtebauförderung gibt’s 356 000 Euro, die Anliegerbeträge liegen bei 47 000 Euro. In der Rechnung noch nicht berücksichtigt: die Wasserleitungen, die zu erneuern sind.

Farchant steht vor einer „großen finanziellen Herausforderung“, konstatierte Hornsteiner deshalb. Sogar als „Rekordhaushalt“ bezeichnete Gemeinderat Portele den Etat, hinter dem er wie alle seine Amtskollegen steht. Vize-Bürgermeister Johann Schmid (CSU) lobte nicht nur den Vorbericht, sondern auch die guten Diskussionen im Finanzausschuss. Nur auf eines wollte er noch einmal explizit hinweisen. „Wir müssen die Rücklagenentwicklung weiterhin kritisch sehen.“ Es werde sonst Jahre geben, „in denen wir handlungsunfähig sind“. Zur Vorsicht riet auch Wohlketzetter. Man dürfe ihm zufolge nicht die Augen davor verschließen, dass „die Politik uns einen Strich durch die Rechnung machen kann“.

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