+
In Arbeit: die Toilettenanlage am Farchanter Waldfestplatz.

Kein kommunaler Shutdown

Projekte in Farchant laufen trotz Corona weiter - Schwimmbad-Sanierung ist aber vorerst gestrichen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
    schließen

Die Corona-Krise macht‘s den Kämmerern nicht leicht, den Haushalt für 2020 aufzustellen. Christian Hornsteiner kann davon ein Lied singen. Er musste Einsparungen vornehmen. 

Farchant– Wie die Zeit verfliegt. Zwölf Mal ackerten Martin Wohlketzetter und Christian Hornsteiner den Haushalt gemeinsam durch. Über die Jahre hinweg stellte sich Routine ein. „Besonders, wenn Geld da war“, sagt Farchants Noch-Bürgermeister und lacht. Zum letzten Mal leitet er die Sitzung des Gemeinderats. Genießt es förmlich, witzelt, erzählt Anekdoten. Zum letzten Mal verabschiedet er auch den Etat. Wegen der Corona-Krise eine Light-Version mit Einsparungen und vorerst gestrichenen Projekten.

Wohlketzetter aber bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Macht die Erfahrung. Er weiß: „Es gab Zeiten, da ist es uns schlechter gegangen.“ 2009 zum Beispiel. Damals hatte die frühere Kämmerin seine Hilfe gesucht. Sie brauchte noch gut 200 000 Euro, um den Verwaltungshaushalt abzudecken. Man setzte sich zusammen, durchkämmte das Zahlenwerk. „Das war zäh“, erzählt der Bürgermeister, aber erfolgreich. Er muntert das Gremium auf. Denn Farchant steht auf einem guten finanziellen Fundament. Trotz Corona. „Man darf halt nicht zu viel wollen.“

Gute Rücklage hilft in den schwierigen Zeiten

Den Haushalt für 2020 aufzustellen, fiel Kämmerer und Wohlketzetters Nachfolger Hornsteiner schwerer als sonst. Niemand kann konkrete Prognosen abgeben, wie sich die Pandemie am Ende auf den kommunalen Geldbeutel auswirkt. Den Rotstift musste er vorsichtshalber ansetzen. Kürzte die Einnahmen bei der Einkommensteuer um 200 000 Euro, bei der Gewerbesteuer ebenfalls um rund 200 000 Euro und bei den Kurbeiträgen um 25 000 Euro. Der Krise zum Opfer fallen zudem das Projekt Sportzentrum und die Schwimmbad-Sanierung. „Das müssen wir ein bisschen einbremsen“, betont Wohlketzetter. Was nicht heißen soll, dass die Vorhaben nicht weiterverfolgt werden.

Allen Wermutstropfen zum Trotz: Der Haushalt mit einem Volumen von knapp 13 Millionen Euro kann sich sehen lassen. Zudem liegen fast 2,6 Millionen Euro im Sparschwein. „Daraus können wir jetzt schöpfen.“ Etwa 1,4 Millionen Euro entnimmt die Gemeinde der Rücklage, unter anderem für den kommunalen Wohnungsbau.

Die Projekte in Farchant stehen auf sicheren Beinen. Für Gerhard Portele (Freie Wähler) das A und O. Es sei wichtig, dass sie laufen. Dass es „keinen kommunalen Shutdown“ gibt. Davon kann keine Rede sein.

Wohnungen an der Ronetsbachstraße im August bezugsfertig

Die Arbeiten für den Naturkurpark haben begonnen. Hauptsächlich an der neuen Toilettenanlage am Waldfestplatz. 350 000 Euro sind dafür heuer eingeplant. Insgesamt kostet das Projekt 940 000 Euro, der Förderbescheid der Regierung von Oberbayern über eine Summe von 522 000 Euro liegt bereits vor.

Lesen Sie auch: Farchants Alleinstellungsmerkmal: So soll der geplante Natur-Kurpark einmal aussehen

Auf der Agenda steht zudem das Wohnbauprojekt an der Ronetsbachstraße, das heuer seinen Abschluss findet. Die Gemeinde hatte das Grundstück über eine Erbschaft erlangt. Die neun Wohnungen, die entstehen, sollen am 1. August bezugsfertig sein. Kostenpunkt: insgesamt drei Millionen Euro. Doch auch in diesem Fall fließt vom Freistaat eine Förderung in Höhe von 1,22 Millionen Euro.

So gut wie fertig ist bereits die energetische Rathaus-Sanierung. Lediglich Restarbeiten sind noch zu erledigen. Die Photovoltaik-Anlage wurde vergangenen Woche installiert. Hornsteiner plant mit Ausgaben von rund 430 000 Euro in diesem Jahr.

Am Gern soll‘s weitergehen

In unmittelbarer Nähe geht’s an den nächsten Abschnitt des Städtebauprogramms rund um den „Gern“. Heuer soll der Bereich zwischen dem Anwesen Am Gern 1a und der Kirche St. Andreas aufgewertet werden. Die Investition für diesen Teil beläuft sich auf 660 000 Euro. Wieder kommt Farchant in den Genuss von Zuschüssen – in diesem Fall zahlt der Freistaat mindestens 50 Prozent der kompletten Summe von gut zwei Millionen Euro.

Angst und bange muss es dem neuen Bürgermeister nicht werden. Tut es auch nicht. „Wir sollten nicht ganz Schwarzmalen“, sagt Hornsteiner. Falls es doch ganz schlecht läuft, gibt’s einen Nachtragshaushalt. Dann aber zum ersten Mal ohne Wohlketzetter.

Mehr zum Thema: Noch-Bürgermeister Martin Wohlketzetter: Vom Rathaus an den Kramertunnel

Die Zahlen im Überblick: 

Gesamtvolumen:

13 Millionen Euro (Ergebnis 2019: 14,6)

Verwaltungshaushalt:

7,8 Millionen Euro (8,1)

Vermögenshaushalt:

5,2 Millionen Euro (6,5)

Einnahmen:

Grundsteuer B:

628 000 Euro (626 000)

Einkommensteuer:

2,1 Millionen Euro (2,2)

Gewerbesteuer:

1,1 Millionen Euro (1,4)

Schlüsselzuweisung:

885 000 Euro (866 500)

Kurbeitrag:

100 000 Euro (125 000)

Ausgaben:

Personalkosten:

1,8 Millionen Euro (Ansatz 2019: 1,7)

Kreisumlage:

1,9 Millionen Euro (1,9)

Gewerbesteuerumlage:

101 300 Euro (250 000)

Kinderbetreuungskosten:

771 000 Euro (655 000)

Zuführung Vermögenshaushalt:

614 530 Euro (1,1 Mio.)

Investitionen:

Kommunaler Wohnungsbau

Ronetsbachstraße

1,8 Millionen Euro

Naturkurpark Toilettenanlage

350 000 Euro

Rathaussanierung (Restarbeiten)

430 000 Euro

Sanierung Gern

660 000 Euro

Ertüchtigung Wasserleitungsnetz

440 000 Euro

Loisachbrücke (Restkosten)

100 000 Euro

Schulden:

6,3 Millionen Euro (6,0)

Rücklagen:

1,2 Millionen Euro (2,6)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Drama an der Kreuzspitze: Biker kehrt nach Tour nicht zurück - jetzt herrscht traurige Gewissheit
Drama an der Kreuzspitze: Biker kehrt nach Tour nicht zurück - jetzt herrscht traurige Gewissheit
Corona-Panikmache in Garmisch-Partenkirchen? Landratsamt wehrt sich - und stellt eines klar
Corona-Panikmache in Garmisch-Partenkirchen? Landratsamt wehrt sich - und stellt eines klar
Corona-Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen? Neue Details werfen anderes Licht auf den Fall
Corona-Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen? Neue Details werfen anderes Licht auf den Fall

Kommentare