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Farchanter Schwimmbad: Hoffnung trotz Finanzschock

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Von: Alexander Kraus

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Verkündete die Kostenexplosion: Architekt Hagen Pohl (r.) neben Bürgermeister Christian Hornsteiner.
Verkündete die Kostenexplosion: Architekt Hagen Pohl (r.) neben Bürgermeister Christian Hornsteiner. © Alexander Kraus

Farchants Gemeinderat trotzt der Kostenexplosion bei der Sanierung ihres Warmfreibads. Die Renovierung sei die einzige Alternative.

Farchant – „Ein gutes Signal“, hat Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) am Ende der Gemeinderatssitzung zufrieden Bilanz gezogen. Das Gremium hat sich einstimmig dazu entschieden, die Finanzierungsmöglichkeiten für den Planungsentwurf zur Sanierung des Warmfreibads zu prüfen – auch wenn die Kosten für das Projekt geradezu explodiert sind.

Die ursprüngliche Schätzung der Renovierungsumme lag bei 4,9 Millionen Euro, die jetzige Variante verschlingt 8,1 Millionen Euro. Die Stimmung unter den Räten war verhalten optimistisch: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns es leisten können“, sagte Gerhard Portele (Freie Wähler). Und Johann Schmid (CSU) fügte an: „Wir werden die Finanzierung wahrscheinlich schaffen.“

Dem Gemeinderat machte die Zahlungssteigerung zunächst schwer zu schaffen. Er sei angesichts der 8,1 Millionen Euro „schwer ins Grübeln gekommen“, verriet Portele, rief aber dazu auf, die Attraktivität des Freibads zu erhalten und für Akzeptanz in der Bevölkerung zu sorgen. Immerhin: Seit Jahren verursache das Warmfreibad ein jährliches Defizit von 200 000 Euro. Das wird sich mit dem neu geschaffenen Schwimmbad ändern. Schmid zufolge befindet sich die Gemeinde mit der Renovierung auf dem richtigen Weg, „auch wenn die Kostenexplosion ein Schock für mich war“. Für Marianne Böhmer (Freie Wähler) ist die Sanierung alternativlos: „Wenn wir gar nichts machen oder stückerlweise herrichten, dann müssen wir das Schwimmbad in absehbarer Zeit zusperren.“

Hagen Pohl war um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Der Architekt aus dem Ötztal musste den Farchanter Räten die Kostenexplosion ja irgendwie verdeutlichen. Wobei er lediglich von einem Kostenansatz der Gemeinde, von einem Projektbudget im Verhältnis zur Förderhöhe sprach. Im Juli sei er mit der Planung beauftragt worden, und erst dann hätten sich die konkreten Kosten für das Bauvorhaben ergeben. „Wir müssen einen barrierefreien Zugang ins Bad schaffen“, schlug er den Gemeinderäten vor. Etwa eine Rampe bis zur ersten Kasse, dazu sei eine Außentreppe eine Überlegung wert. Neu gebaut werden müssten nach seinem Plan auch die Umkleiden und Duschen. Der Tiroler empfahl, die Wasserfläche deutlich zu reduzieren – von derzeit 1800 auf 1100 Quadratmeter, um Betriebskosten zu sparen.

Dieser Entwurf hat sich durchgesetzt: Die Variante eins sieht ein Nichtschwimmerbecken mit 25 auf 16 Meter sowie ein Sportlerbad mit 50 auf 11 Metern vor.
Dieser Entwurf hat sich durchgesetzt: Die Variante eins sieht ein Nichtschwimmerbecken mit 25 auf 16 Meter sowie ein Sportlerbad mit 50 auf 11 Metern vor. © Gemeinde Farchant

Pohl stellte drei Varianten zur Sanierung des Bades vor, die sich nur in kleinen Details unterscheiden, etwa in der Länge eines Beckens, im isolierten Sprungbereich und im geringen Maße in den Kosten. Beim Entwurf, der sich letztlich durchsetzte, ist ein Nichtschwimmerbecken mit 25 auf 16 Meter geplant, dazu ein Sportlerbad (50 auf 11 Meter), dazu ein Sprungpool und ein Familienbereich mit Rutsche. Die Technik mit den Pumpen, Filteranlagen und Leitungen ist zwischen den zwei großen Becken installiert. „Die bestehende Solaranlage mit Umwälzpumpe empfehle ich zu behalten“, verdeutlichte Pohl. Auf Nachfrage pries er die Qualität und Nachhaltigkeit der Edelstahlbecken an, die er vorsieht.

„Jeder von uns ist mit dem Schwimmbad aufgewachsen. Das müssen wir erhalten, das muss attraktiv bleiben“, appellierte Hornsteiner an die Gemeinderäte. Die Außenanlagen des Freibads – Baujahr 1973 – seien eben nicht mehr in dem Zustand, in dem es einst in Betrieb ging. „Für mich gibt es keine Alternative, als die Chance zur Sanierung zu nutzen.“ Mit der Reduzierung des Wasservolumens, weniger Unterhaltskosten für Becken und Außenanlagen und den erhofften Mehreinnahmen durch die Besucher sieht Hornsteiner Chancen zum Sparen – 120 000 Euro jährlich. „Das nehmen wir dann her zum Tilgen“, empfahl er, die Rücklagen sollen nicht angetastet werden, um den Haushalt nicht zu belasten.

Farchants Räte stimmten dem Bürgermeister wohlwollend zu. Es gehe um die Zukunft des Schwimmbads der nächsten 50 Jahre, betonte Böhmer. Die Erneuerung des Bades stehe außer Frage, verdeutlichte Josef Kundler (SPD). Die drastische Reduzierung der Wasserfläche war für Stephan Graf (Freie Wähler) der große Vorteil. Er empfahl, die teure Sanierung umzusetzen, sorgte sich jedoch zugleich um die Akzeptanz der Bevölkerung, „die ein halb so großes Schwimmbad als Verlust empfinden“ könne. Für Monika Ott (SPD) bot sich durch die Variante drei Einsparpotenzial von 300 000 Euro. Zumindest zog sie diesen Entwurf mit dem verkleinerten Sportbecken in Erwägung, stimmte dann mit den anderen Räten für den Beschlussvorschlag für die Variante eins.

Derzeit ist die Förderung für die Schwimmbad-Sanierung durch den Bund auf 2,2 Millionen Euro gedeckelt. Der Gemeinderat beschloss darüber hinaus, weitere Unterstützungsmöglichkeiten abzuklopfen. Hornsteiner beantragte weitere Mittel aus dem Sonderprogramm Schwimmbadförderung.

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