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Alle nach dem gleichen Muster: Die Explorer-Hotels wie dieses hier in Schönau am Königssee unterscheiden sich optisch nicht. 

Widerstand gegen Explorer-Hotel formiert sich

Bürgerbegehren gegen „Betonklotz“

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Sie stehen wieder auf der Matte: die Hotel-Gegner in Farchant. Sie wollen in den kommenden Tagen ein Bürgerbegehren starten. Der Zeitpunkt für diesen Schritt ist ungewöhnlich früh.

Farchant – Der große Überraschungs-Effekt blieb aus. Martin Wohlketzetter (SPD) ist nicht aus allen Wolken gefallen, als er von der Bürgerinitiative in seinem Ort erfahren hat. Dort formiert sich Widerstand gegen das anvisierte Vorhaben, östlich der Frickenstraße ein Explorer-Hotel zu bauen. „Mit Gegenwind war zu rechnen“, sagt Farchants Bürgermeister. Nach 2007 und 2009 steuert die Gemeinde nun auf direktem Weg auf das dritte Bürgerbegehren gegen ein Hotel-Projekt zu.

Es sind die gleichen Personen wie damals, die den Protest angezettelt haben. Darunter Berthold Zeltner. Der 40-Jährige kann den Plänen nicht viel abgewinnen. Angefangen beim Standort an der Föhrenheide. Das Hotel würde zwar nicht in einem Naturschutz-, dafür aber in einem Wasserschutzgebiet der Stadt München liegen. „Das ist landschaftlich ein absolut wertvolles Naherholungsgebiet der Farchanter“, sagt der Nürnberger, dessen Familie seit über 100 Jahren mit dem Ort eng verbunden ist und ein Ferienhaus besitzt. „Der Betonklotz soll dort nicht stehen.“ Für Zeltner würde das sonst als Eingriff in den dörflichen Charakter bewerten.

Abgesehen von der Lage und dem Baukörper befürchtet der Braumeister, dass sich durch die Low-Budget-Unterkunft der Verkehr in Farchant gravierend erhöht. Die Frickenstraße ist über die bereits belastete Haupt- und Bahnhofsstraße erschlossen. „Man hat mit der Umgehung erreicht, dass der Ortskern auflebt“, betont Zeltner. Mit dem Hotel „holt man sich wieder mehr Verkehr in den Ort“.

Kommt das Bürgerbegehren zu früh?

Um das Projekt zu verhindern, haben er und seine Mitstreiter bereits Flyer an die Haushalte verteilt. Die Rückmeldungen bestätigen Zeltner in seiner Meinung. „Viele wussten gar nichts von dem Vorhaben.“ Er kritisiert den Informationsfluss. Bei der Bürgerversammlung wurde das Thema „drei Minuten behandelt“. Das sei der Sache nicht angemessen angesichts der großen Auswirkungen für den Ort. Das will Wohlketzetter nicht unkommentiert lassen. Schließlich stand der Aufstellungsbeschluss in der Zeitung und in einer Ausgabe des Dorfblatts. Für eine extra Versammlung sei noch nicht der richtige Zeitpunkt. „Bisher gibt’s ja nur eine Interessensbekundung.“

Genau aus diesem Grund findet er, dass die Aktion der Gegner verfrüht ist. Diese wollen in den kommenden Tagen mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren starten. Rund 300 Menschen müssen unterzeichnen, um das Zehn-Prozent-Quorum zu erfüllen. Zeltner ist zuversichtlich, dass „wir das zusammenbekommen“. Davon geht der Rathauschef ebenfalls aus, wenngleich er betont, dass mehr als ein Aufstellungsbeschluss vom Gemeinderat im Oktober 2016 nicht vorliegt. Aktuell ruht die Planung. Immobilien Freistaat Bayern, der das Areal gehört, hat ein Gutachten zur Kaufpreis-Ermittlung in Auftrag gegeben. Solange nicht klar ist, dass die Explorer-Gruppe das Grundstück erwirbt, „wird auch kein Projekt gestartet“.

Bund Naturschutz stuft Fläche auch als ungeeignet ein

Die gleiche Ansicht vertritt Nathalie Fischer. Fast schon paradoxerweise – sie als Vorsitzende der Ortsgruppe Oberes Loisachtal des Bund Naturschutzes (BN). Das auserkorene Gebiet erachtet sie wie Zeltner als ungeeignet. „Das ist ganz sicher nicht der richtige Platz“, sagt sie, merkt aber an, dass bisher nichts spruchreif sei. Noch wurde der Naturschutz als Träger öffentlicher Belange nicht aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Auch wenn Fischer deren Tendenz schon verraten kann. „Sie wird nicht positiv ausfallen.“

Wohlketzetter ist vorbereitet. Dass sich kritische Stimmen melden, hat er erwartet und schon im Vorfeld die beteiligten Behörden mit ins Boot geholt. Darunter auch die Stadt München wegen des Wasserschutzgebietes. „Mein Eindruck war, dass es keine unüberwindbaren Hürden für den Standort geben wird.“

Mit Zeltner kam es ebenfalls bereits zu einem „sachlichen und fairen Austausch“, wie dieser mitteilt. Es geht nicht um persönliche Animositäten, stellt der 40-Jährige klar. Die gleiche Meinung teilen die beiden dennoch nicht. Wohlketzetter kontert auf seine Argumente: „Warum passen diese Hotels in Montafon, Nesselwang oder St. Johann und wurden dort genehmigt?“ Die Angst vor einem hohen Verkehrsaufkommen entkräftet er ebenfalls, weil pro Bett mit einer Fahrt kalkuliert wird. Eine ganz andere Liga im Vergleich zu den gemessenen Fahrzeugen in Richtung Oberau (6000 täglich) oder Garmisch-Partenkirchen (9000 täglich).

Das Bürgerbegehren versetzt Wohlketzetter jedenfalls nicht in Schockstarre. „Das ist Demokratie.“ Untätig bleibt er aber nicht. Er will die Bürger mit näheren Informationen versorgen, „sobald der Grundstückskauf geklärt ist“.

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