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Der Neubau der Loisachbrücke verschlingt in diesem Jahr 3,6 Millionen Euro. Der Verkehr rollt derweil über eine Ersatzbrücke.

Gemeinderat segnet Zahlenwerk einstimmig ab

Investitionen führen zu Farchanter Rekord-Haushalt

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Der Neubau der Loisachbrücke und der kommunale Wohnungsbau prägen die finanzielle Situation von Farchant. Und führen dazu, dass der Schuldenstand steigt. Mit 16,0 Millionen Euro bewegt sich der Haushalt auf Rekordniveau.

Farchant – Rekordhöhe, Rekordniveau, Rekord-Haushalt: Das Wort Rekord wurde während der Sitzung des Farchanter Gemeinderats häufig bemüht. Auf das Zahlenwerk, das die Kommunalpolitiker letztlich einstimmig verabschiedeten, trifft genau das zu. Der Etat des 3766-Einwohner-Dorfs hat mit einem Gesamtvolumen von 16,0 Millionen Euro einen absoluten Höchstwert erreicht. Einen, der so manchen Bürgervertreter erst einmal ins Grübeln brachte. Zumal Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) schon jetzt prophezeite, dass sich die Schulden, die in diesem Jahr auf 6,4 Millionen Euro ansteigen, bis 2020 auf 7,7 Millionen Euro belaufen werden. „Auch wenn wir jedes Jahr tilgen, sinken die Verbindlichkeiten erst ab 2021.“ Hintergrund dafür ist der umfangreiche Investitionsplan, in dem der Neubau der Loisachbrücke den größten Brocken ausmacht.

„Hochinvestiv“ nannte Christian Hornsteiner, Geschäftsleiter und zugleich Kämmerer im Rathaus, den Haushalt. „Aufgrund unserer gute

n wirtschaftlichen Situation und der niedrigen Zinsen ist er machbar.“ Letzteres war auch ausschlaggebend dafür, dass die Gemeinde für 1,5 Millionen Euro Grundstücke erwirbt und sich im kommunalen Wohnungsbau engagiert. Dieses Thema schlägt allerdings genau wie die Sanierung des Rathauses erst ab 2019 zu Buche. „Sehr positiv stellt sich die Einnahme aus den Schlüsselzuweisungen dar“, sagte Hornsteiner. Das sei zum einen der schlechteren Einnahmesituation aus dem Jahr 2016 und zum anderen einer größeren Summe, die der Freistaat den Kommunen zur Verfügung stellt, geschuldet. Mit Ersterem geht auch der niedrigere Betrag für die Kreisumlage einher.

Die Erklärung für die um 137 500 Euro gestiegenen Personalkosten, lieferte der Kämmerer gleich mit: „Aufgrund laufender Verhandlung ist eine Tarifsteigerung zu erwarten.“ Zudem bedarf es für die Nachmittagsbetreuung der Kinder in der Schule und auch in der Tourist-Info zusätzliche Mitarbeiter.

Dass „Dinge, die nicht pressieren, wie die Rathaus-Sanierung und der Umbau des zweiten Stocks sowie des Kurgästesaals im Alten Wirt, verschoben wurden“, nennt Gerhard Portele (Freie Wähler) umsichtig. Auch das war für ihn ausschlaggebend, warum sich nach dem ersten Erschrecken über die Zahlen vieles relativierte. Der Neubau der Loisachbrücke sei „eine einmalige Ausgabe“, die erst wieder in 50 bis 60 Jahren auf Farchant zukomme. Und das Geld, das in den Wohnungsbau gesteckt wird, „refinanziert sich durch die Mieten“. Deshalb stand auch für Portele fest, dass der Etat zwar sportlich, aber durchaus darstellbar ist.

Mahnende Worte kamen von Johann Schmid (CSU) angesichts der „satten Entnahme aus der Rücklage“ in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Damit liegen zum Jahresende nur mehr 744 700 Euro auf dem Sparbuch der Gemeinde. „Das sollten wir im Blick haben.“ Freilich konnte auch er sich mit den Vorhaben in den kommenden Jahren anfreunden. Gerade die Schaffung von Wohnraum für Familien und Senioren stieß auf breite Zustimmung. „Wichtig“, nannte der Bürgermeister diese Vorhaben. Ihm liegt insbesondere das Projekt für ältere Mitbürger am Herzen. „Es ist sicher besser, in einem betreuten Modell unterzukommen, als allein in der Wohnung zu sitzen.“

Dass das gewaltige Investitionspaket den Handlungsspielraum der Gemeinde in den kommenden Jahren erheblich einschränkt, zeigte die Nachfrage von Marianne Böhmer (Freie Wähler): „Im Schwimmbad ist bis 2021 nichts vorgesehen. Was passiert, wenn größere Sanierungen anstehen?“ Notreparaturen seien in jedem Fall zu stemmen, unterstrich Wohlketzetter. „Ein neues Becken beispielsweise können wir hingegen nicht finanzieren.“ In dem Zusammenhang wies er auf die unterschiedlichen Kreditformen hin, auf die eine Kommune zurückgreifen kann. Unter anderem bestehe die Möglichkeit, ein Darlehen abzuschließen, das drei Jahre zur Tilgung ausgesetzt ist.

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