Verein mit klarer Haltung

Kampf im Trinkwasser-Streit geht auf juristischer Ebene weiter

Seit 30 Jahren werden die Münchner Speckgürtel-Orte in einer Notversorgung mit Wasser aus dem Loisachtal versorgt. Doch der steigende Bedarf macht das Verfahren zum Problem. Inzwischen laufen sogar mehrere Klagen gegen den Landkreis.

Farchant – Wo und wie können Münchner Umlandgemeinden eine eigene Wasserversorgung aufbauen? Dass Orte wie Neubiberg, Hohenbrunn, Ottobrunn, Neuried und Unterhaching nun gesetzlich gezwungen seien, diese Fragen nachweisbar eingehend zu prüfen, freut Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD). „Mit einer Alibi-Aussage kommen sie da nicht mehr raus“, sagte er bei der Jahresversammlung. des Vereins „Unser Trinkwasser im Loisachtal“. Bei der war neben Wahlen der Stand im Wasserstreit zentrales Thema.

Zwar ist es bereits 30 Jahre her, dass die Speckgürtelorte in einer „Notversorgung“ via München ihr Wasser auch aus dem Loisachtal bekommen. Der ständig steigende Bedarf macht das Verfahren aber zu einem aktuellen Problem. „Wir sind ja nicht gegen die Wasserentnahme“, sagte Vorsitzender Toni Grünauer, „wir waren und sind nur gegen die Schutzgebiets-Erweiterung, um nicht noch weiter geschädigt zu werden“. Nämlich durch Auflagen, die Entwicklung unmöglich machen.

2015 hatte das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen den betroffenen Gemeinden per Bescheid mitgeteilt, dass der Wasserbezug aus München nur noch bis 2026 gestattet ist. Die Folge waren juristische Schritte. Dazu erklärte Regierungsrat Matthias Hindl vom Landratsamt, dass die Klage von Neubiberg vor dem Verwaltungsgericht anhängig ist. Mittlerweile liege die Begründung vor, der Landkreis müsse nun eine Stellungnahme abgeben. „Daran arbeiten wir gerade noch.“

„Sie haben das Geld und wir haben die Lasten.“

Das Wasserwirtschaftsamt München sei um eine ergänzende Stellungnahme gebeten worden, „ob Neubiberg eventuell aus den eigenen Brunnen der Stadt München in der Schotterebene“ mitbedient werden kann. Neuried habe mitgeteilt, dass die gesetzlich geforderte ortsnahe Wasserversorgung noch nicht sichergestellt werden könne. Das Klageverfahren von Unterhaching ruhe wiederum derzeit. Die Gemeinde habe untersuchen lassen, ob es Möglichkeiten für ein eigenes Wassersystem gibt. Mit negativem Ergebnis. Ottobrunn und Hohenbrunn hätten bereits 2017 mitgeteilt, dass sich ab 2024 beide Kommunen von Hohenbrunn versorgen lassen wollen. Eher trübe Aussichten also.

„Was uns hier in erster Linie stört“, fasste Schriftführer Joachim Herrmann zusammen: „Sie haben das Geld und wir haben die Lasten.“ Sprich neue Gewerbegebiete auf der einen, neue Schutzgebiete auf der anderen Seite.

Vor einigen Jahren, erinnerte sich Landrat Anton Speer (Freie Wähler), wäre das Wasserschutzgebiet von Farchant fast auf bebaute Ortsteile ausgedehnt worden, was eine eindeutige Wertminderung nach sich gezogen hätte. „Als Genehmigungsbehörde hat unser Landratsamt dann die gleiche Wassermenge wie bisher schon bewilligt.“ Dennoch wären die Schutzzonen erweitert worden, weshalb ein Brunnen-Management erarbeitet worden sei. Bei manchen Brunnen nahe dem Estergebirge wurde mehr Wasser entnommen als in Ortsnähe von Farchant und Oberau. „Was erfreulicherweise dazu geführt hat, dass das Wasserschutzgebiet gleich groß geblieben ist“, sagte Speer.

Und weil das Hauptverdienst dafür dem Verein „Unser Trinkwasser im Loisachtal“ zukomme, galt sein Lob allen, die sich dafür intensiv engagiert haben. Insbesondere Toni Grünauer, Joachim Herrmann und Dr. Josef Kleissl. „Mit ihnen haben wir eng und gut zusammengearbeitet. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, das Wasserschutzgebiet in der bisherigen Größe zu halten.“

Das Engagement der Mitglieder ist es auch, was Farchants Bürgermeister Wohlketzetter so schätzt. „Als Kommune sind wir, wenn es ums Wasser und Wasserrechte geht, immer sehr formell gebunden. Ein Verein aber kann auf diesem Sektor ganz anders auftreten.“ Deshalb sei es umso erfreulicher, dass die Gruppierung mittlerweile über 200 Mitstreiter hat.

Gewählt

Der Vorstand mit (v.l.) Josef Löcherer, Christian Hornsteiner, Dr. Josef Kleissl, Johann Hiebler, Hubertus Ott, Thomas Öllinger, Toni Grünauer, Peter Scherghuber, Joachim Herrmann, Hans Gassner und Andreas Leitenbauer. 

Vorsitzender: Anton Grünauer; Stellvertreter: Hans Gassner, Kassier: Andreas Leitenbauer; Schriftführer: Joachim Herrmann; Beisitzer: Dr. Josef Kleissl, Christian Hornsteiner, Johann Hiebler, Thomas Öllinger, Josef Löcherer, Hubertus Ott und Anton Poettinger junior.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa / Roland Weihrauch

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