Eine Hand, in einem blauen Plastikhandschuh, hält eine Plastikkarte.
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Corona-Positiv? Oder auch nur der Verdacht? Dann gilt erst einmal Quarantäne. Für Unternehmer ein Problem (Symbolbild eines Corona-Schnelltests).

Unternehmerinnen schildern ihre schwierigen Erfahrungen

Quarantäne: „Für Arbeitnehmer ist ein echtes Problem“

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Ein heikles Thema sprachen Unternehmerinnen beim IHK-Treffen in Farchant an. Die Quarantäne-Vorschriften stellen sie vor enorme Herausforderungen. Ein besonderes Problem: Kindergärten. Die Frauen fanden deutliche Worte.

Farchant/Landkreis – Als Peter Lingg die Sitzung des IHK-Regionalausschusses in Farchant eigentlich schon hatte beschließen wollen, meldete sich Katrin Eißler zu Wort. Ihr brannte noch ein Thema auf den Nägeln. Ein nicht gerade unerhebliches für die Unternehmer in diesen Corona-Zeiten. Logisch ließ sie der Vorsitzende des Gremiums gewähren. Die prekäre Situation brachte die Geschäftsführerin der Spedition Neuner in Mittenwald schnell auf den Punkt: „Die Quarantäne-Zeit für Arbeitnehmer ist ein echtes Problem.“ Wenn schon die IHK-Oberen aus München wie Hauptgeschäftsführer Peter Kammerer und Geschäftsstellenleiter Dr. Robert Obermeier mit in der Diskussionsrunde saßen, dann musste sie dieses heiße Eisen einfach anpacken.

Wegen Schnupfen zum Arzt - schon fehlt er als Arbeitskraft

Katrin Eißler leitet die Spedition Neuner in Mittenwald.

Eißler fand auch sofort Mitstreiter. Claudia Hans vom Hotel Böld in Oberammergau pflichtete ihr bei, Marion Neuner von der Brauerei Mittenwald kennt die Probleme ebenfalls sehr gut. Sie alle berichteten von Mitarbeitern, die durch die Quarantäne-Verordnungen für den jeweiligen Betrieb auf Eis gelegt wurden. „Der Angestellte geht wegen eines Schnupfens zum Arzt, der kann nicht unterscheiden, ob es sich um Corona oder nur eine Erkältung handelt und schreibt ihn krank“, nennt Eißler ein Beispiel. „Schon muss er in Quarantäne und fehlt mir als Arbeitskraft.“ Exakt jenes Szenario sei ihr nicht nur einmal passiert in den vergangenen Wochen. „Jetzt, da wir gerade wieder mehr Arbeit gehabt hätten, fehlt uns dann auf einmal die Manpower.“

Claudia Hans vom Hotel Böld in Oberammergau steht immer wieder ohne Mitarbeiter da.

„Die Kindergärten legen unsere Betriebe lahm“

Hans kennt die andere Variante. „Ich habe drei Mütter bei uns im Betrieb.“ Alle haben Nachwuchs im Kindergartenalter. „Bei jedem Schnupfen sind die Mitarbeiterinnen weg“, bemängelt die Hotelchefin. Die Problematik entwickle sich in diesem Fall wie folgt: Die Kinder stecken sich an, verbreiten es untereinander im Kindergarten, dann geht es zum Arzt, der das Kind erst einmal krank schreibt. Damit muss in den meisten Fällen auch die Mutter daheim bleiben. Und da hat noch nicht einmal ein Corona-Verdacht im Raum zu stehen. „In den vergangenen Wochen ist mir das mehrfach passiert. Meine Mitarbeiterinnen sagen mir dann, dass sie vom Arzt hören, dass sie schon die fünfte Mutter aus diesem Kindergarten ist.“ Hans kommt zu einem durchaus drastischen Schluss: „Die Kindergärten legen unsere Betriebe lahm, das glaubt man eigentlich gar nicht.“ Die Oberammergauerin stand dann mit ihrem Mann plötzlich alleine im Haus und managte das Tagesgeschäft vom Frühstück an. „Das ist wirklich ein großes Problem, und der November als Haupterkältungszeit kommt erst noch.“

Weiteres Problem: Die lange Zeit, bist feststeht, ob Corona vorliegt

Marion Neuner von der Brauerei Mittenwald ärgert sich über den Zeitverzug bei Testergebnissen.

Marion Neuner von der Mittenwalder Brauerei stört sich vor allem an der oftmals sehr großen Zeitspanne, bis feststehe, ob es sich im Verdachtsfall bei einem Angestellten dann auch tatsächlich um einen Corona-Positivfall handle. „Wenn der Mitarbeiter am Dienstag zum Hausarzt geht, schreibt er ihn erst einmal bis Freitag krank, er macht den Test, und dann dauert es ewig, bis er das Ergebnis bekommt.“ Landrat Anton Speer (Freie Wähler) riet den Unternehmerinnen, die Teststation des Landkreises in Garmisch-Partenkirchen für schnellere Resultate in Betracht zu ziehen. „Dort dauert es in 80 Prozent der Fälle nur 24 Stunden, bis das Ergebnis feststeht, sonst 48 Stunden.“ Hans hat die Erfahrung gemacht, dass eine Woche schnell vergangen ist, wenn es um die Wartezeit auf Abstrich-Befunde geht.

Noch ein Thema beschäftigt Neuner. Sie bemängelt die unklare Situation bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie habe schon beim Gesundheitsamt Rücksprache gehalten. Klarheit verschaffte IHK-Vertreter Kammerer: Muss der Mitarbeiter in Quarantäne, gibt es eine Erstattung für den Arbeitgeber, handelt es sich lediglich um eine Krankschreibung, bleibt es bei der üblichen Fortzahlung – ohne Ersatz für das Unternehmen. Ein weiteres Ärgernis für viele Betriebe.

Unternehmerin regt Positionspapier an

Eißler regte daher an, dass sich die IHK möglicherweise mit einem Positionspapier an die Regierung wenden solle. „Wir brauchen dringend eine Lösung, bevor der Herbst richtig losgeht.“ Kammerer sah auf den ersten Blick wenige Möglichkeiten, direkten Einfluss zu nehmen. „Im Endeffekt können wir hauptsächlich appellieren, dass die Konzepte überarbeitet werden.“

Eine wenig befriedigende Antwort für die Unternehmerinnen. „Die Ärzte haben es in der Hand, ob ein Angestellter arbeitsfähig ist oder nicht“, fasste Eißler zusammen. Und damit eben auch, ob eine Firma in die Bredouille gerät oder nicht.

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