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An ihr hängen die Kunden in Farchant und auch Burgrain: an der Geschäftsstelle in Farchant.

Ist das der Anfang vom Ende?

Kreissparkasse schließt Farchanter Filiale: Diese Alternativen wären denkbar

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Sparkassen und Banken stecken in der Krise. Die Leidtragenden sind die Bürger, die die Auswirkungen zu spüren bekommen. Zum Beispiel durch den Filial-Abbau. In Farchant kam es nun zu einem ersten Dialog zwischen Gemeinderäten und Kreissparkasse.

Farchant – „Immerhin“, sagte Martin Wohlketzetter (SPD), „war’s eine sachliche Diskussion.“ Ohne Zwischenrufe, Zankereien oder Zynismus. „Immerhin“ heißt aber auch, dass es das Geringste war, was man erwarten konnte. Farchants Bürgermeister hörte sich an diesem Abend alle Redebeiträge an, er moderierte statt zu kommentieren. Bis zu seinem gepfefferten Schlusswort. „Ich glaube nicht, dass die Initiative das Thema sofort begraben wird“, betonte er. Im Gegenteil. Der Druck werde schon noch eine Zeit aufrecht erhalten.

Diese Botschaft kam an bei Peter Lingg und Grit Fugmann. Der Vorstandsvorsitzende und das -Mitglied waren ins Rathaus gekommen, um – wie schon in Garmisch-Partenkirchen – Aufklärungsarbeit zu leisten und um Verständnis zu werben für das Handeln der Kreissparkasse. Das Geldinstitut hatte Ende 2017 angekündigt,heuer nun auch die Filiale in Farchant zu schließen. Schnell regte sich Protest. Eine Initiative wurde gegründet, die ein Schreiben an die Kreissparkasse und die VR-Bank Werdenfels – diese reduziert ihr Angebot ebenfalls – verfasst, eine Flyer- und Unterschriftenaktion laufen, der Termin für eine Demo steht.

Während die VR-Bank die Einladung der Gemeinde zur Enttäuschung mancher nicht wahrnahm, weil sie eine Infoveranstaltung zu dem Thema auf die Beine stellt, schilderte Lingg ausgiebig, mit welchen Herausforderungen das sein Finanzhaus konfrontiert ist und welche Strategie es verfolgt, diese zu bewältigen. Zum Beispiel mit Personalabbau, den die Bank durch Altersteilzeit-Regelungen handhabt. Das Konzept heiße: „Kosten senken, Ertrag steigern.“

„Von 100 auf 0!“

Diesem Plan fällt die Geschäftsstelle in Farchant zum Opfer. Obwohl die beiden Vertreter wenig Gefallen daran fanden, dass die Initiative trotz des schon angekündigten Dialogs unter anderem mit ihren Demo-Plänen an die Öffentlichkeit gegangen ist, hörten sie sich geduldig Fragen, Vorwürfe und Anregungen der Gemeinderäte an. Fast jeder im Gremium äußerte seine Meinung. Darunter Johann Hibler. Der Freie Wähler erinnerte daran, dass die Rücklagen der zwei Banken von den Bürgern geschaffen wurden. Jetzt aber müssten gerade die die Suppe auslöffeln. „Man fährt von 100 auf 0 zurück.“ Und was passiert, wenn der Zinssatz wieder steigt? Die Antwort lieferte Richard Kundler (SPD) vor dem Hintergrund, dass die Geldinstitute aufs Telefon- und Onlinebanking drängen. „Dann kann man im Internet auch woanders hingehen.“ Er stellte eine düstere Prognose: „Ist das nicht der Anfang vom Ende?“ Linggs klare Retoure: „Nein.“

Für Monika Ott (SPD) hat der Service in Farchant oberste Priorität. Die Mitstreiterin bei der Initiative bezweifelt, dass eine Telefonberatung zielführend sei – gerade mit Blick auf ältere Menschen, die Hilfe vor Ort benötigen. Ihr Vorschlag: einen Angestellten für ein paar Stunden pro Woche in Farchant zur Verfügung zu stellen. Fugmann notierte die Idee, betonte aber: „Ich gebe kein Versprechen ab.“

Das sind die Kompromiss-Ideen:

Die Sparkassen-Oberen lieferten ebenfalls Kompromiss-Ideen. Ein Automat im Rathaus wie in Unterammergau wäre denkbar. Allerdings verdeutlichte Wohlketzetter gleich, dass dieser nur im Zwischenbau in Frage käme, die Sanierung aber erst 2019 beginne. Option zwei: Die Kunden können das SB-Gerät der VR-Bank kostenlos nutzen – mit dem Haken, dass nur Auszahlungen möglich wären. Nummer drei: Die Gemeinde schlägt einen SB-Standort vor. In diesem Fall „wären wir interessiert, dass es ein auffälliger Standort ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Es ist eine Gratwanderung für die Sparkasse. Und das versichert Lingg schon jetzt: „Die Situation wird sich verschärfen.“ Unpopuläre Entscheidungen seien nötig. Auch, wenn er die Sorgen und Nöte der Menschen versteht.

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