Autoschlangen auf dem Weg nach Norden: Kein seltener Anblick im Sommer auf der B2 zwischen Farchant und Oberau.
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Autoschlangen auf dem Weg nach Norden: Kein seltener Anblick im Sommer auf der B2 zwischen Farchant und Oberau. Die Region ist ein Stau-Hotspot.

Oberauer Tunnel-Eröffnung

Stau-Sommer in Farchant steht bevor: Noch einmal durchhalten - dann folgt ein Lichtblick

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die Hoffnung ist groß, dass die Einwohner von Farchant nur noch in diesem zweiten Corona-Sommer von Wochenend-Staus geplagt werden. Jetzt heißt es durchhalten!

Farchant – Der vergangene Sonntag hat es mal wieder gezeigt: Der Corona-Sommer 2021 könnte wie der Vorgänger im Jahr 2020 eine echte Belastung für die Region werden. Zumindest in verkehrstechnischer Hinsicht. Trotz der Grenzöffnungen in die Nachbarländer unter gewissen Test- oder Impf-Umständen. Die ändern wenig an der Attraktivität der Region für Naherholer. Am späten Sonntagnachmittag standen sie wieder, die Blechlawinen auf dem Weg zurück in Richtung Norden. Blockabfertigung am Tunnel, Rückstau in Partenkirchen. Der nächste Engpass an der Baustelle Südportal Oberauer Tunnel: altbekannt und wenig geschätzt.

Mittendrin klemmen die Farchanter. Eigentlich haben sie seit 2000 ihren Tunnel, sollten mit allerlei Sorgen weniger belastet sein. Doch: Seit dem Bau der in Oberau ersehnten Umfahrung leidet Farchant wieder deutlich mehr unter den Autokarawanen. Weil eben die Navigationsgeräte so schlau sind, die Pkw durch den Ort – und sogar durch seine kleinen Anwohnerstraßen – zu lotsen.

Wochenend-Staus in Farchant: Bürgermeister geht auf die Barrikaden

Aufruhr herrschte im Sommer 2020. Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) ging auf die Barrikaden. Doch es fehlt an Auswegen. Eine Erkenntnis, die der Gemeinderat auch heuer gewinnen musste. Denn neuerlich hat es das Thema auf die Tagesordnung geschafft. Schließlich beginnt nach einem ruhigen Corona-Winter nun wieder die hektische, lärmige und verstopfte Jahreszeit. Aber immerhin: Es sollte der letzte Stausommer für die Farchanter sein. Denn für April 2022 ist die Eröffnung des Oberauer Tunnels angesetzt.

Noch einmal durchhalten in Farchant: Gemeinderäte erwarten einen heißen und harten Sommer

Gerhard Portele drückte mit vorsichtigen Worten im Gemeinderat genau das aus, was viele Farchanter denken. Zusammengefasst: So irgendwie hatte man die Hoffnung, dass ein neuerlicher Stau-Sommer vermieden werden könnte, aber ehrlicherweise gibt es keine Lösung für das Verkehrsschlamassel. „Ich war der Meinung, dass wir auf die Verantwortlichen würden einwirken können, aber ich musste einsehen, dass der Preis dafür sehr hoch wäre.“ Lange Rede, kurzer Sinn: Der Infarkt droht heuer wieder des Öfteren. Da muss man kein Prophet sein. „Es wird ein heißer Sommer“, folgerte Portele. Stephan Graf (SPD) erhöhte die Schlagzahl noch, sprach von einem „harten Sommer“. Das ist allen in Farchant bewusst. Corona-Einschränkungen und das schlechte Wetter im Frühjahr schwächten die Problematik bisher ein wenig ab – bis zu den Öffnungen an Pfingsten.

Hornsteiner versuchte im Vorfeld alles, die beste Lösung für Farchant zu erzielen. Er schrieb an die Autobahn GmbH, die Landtagsabgeordneten, den Landrat. Die Folge war ein Treffen. „Ein sehr konstruktives Gespräch“, stellte der Rathauschef klar. Doch: Es gibt keine Alternative. „Die Abläufe könnten verändert werden, aber die Bauzeit würde sich maßgeblich verlängern.“ Kein erstrebenswertes Ziel. Das unterstrichen die Gemeinderäte.

Verkehrslenkungsmaßnahmen auf Kosten der Autobahn GmbH

Einen Erfolg aber verbuchte Hornsteiner: Die Verkehrsleitungsmaßnahmen, die die Farchanter bisher mithilfe der Feuerwehr und der Firma PUS ergriffen haben, gehen in diesem Jahr auf Kosten der Autobahn GmbH. Am Farchanter Kreisel sowie an der Einfahrt zur Partenkirchner Straße werden die Verkehrsteilnehmer abgefangen, die durch Anwohnerstraßen eine Abkürzung nehmen wollen und im Vorjahr so teilweise den kompletten Dorfbereich blockiert hatten. „Das finde ich sehr gut“, urteilte Vize-Bürgermeister Hans Schmid (CSU). „Das zeigt zumindest, dass die Herren unsere Probleme ernst nehmen.“

Auf ein kleines, aber feines und nicht unwichtiges Detail wies Portele hin. Erst durch die Gespräche wurde den Verantwortlichen bewusst, dass für die Stau-Saison durch die Brücke keinerlei Rettungsweg an der B2 mehr existiert. „Die Lösung ist der Wirtschaftsweg neben der Bahnlinie“, merkte Portele an. Nicht gerade eine 1A-Variante, da die Verbindung nach Oberau ein Kiesweg ist. Im Frühjahr wurden dessen Löcher zumindest notdürftig geflickt.

Genau jener Schleichweg, den die Navigationsgeräte mittlerweile kennen, ist Josef Kundler (SPD) ein Dorn im Auge. Als Anwohner in diesem Eck Farchants moniert er das Nichtbeachten des Fahrverbots auf dem Wirtschaftsweg nach Oberau. „Die Münchner fahren da alle, da müsste man mehr drauf achten.“ Ein bekanntes Problem. Hornsteiner wollte bei der Polizei nochmals darauf hinweisen.

Farchant blickt auf elf Sonntag Chaos im Sommer 2020 zurück

An der Grundthematik wird das alles nichts ändern. „Die Staus sind garantiert“, weiß Portele. Hornsteiner blickt mit Grausen auf elf Sonntage in 2020 zurück, an denen alles still stand. Marianne Böhmer (FW) sah es pragmatisch. „Wir werden das schlucken müssen, es hilft nichts.“ Immerhin soll es ja der letzte Stau-Sommer sein.

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