Ein Freibad mit Rutsche ist bei schönstem Wetter fast leer, im Hintergrund sieht man die Berge. 
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Sicher noch ein Jahr in Betrieb: das Bad in Farchant. Die große Sanierung beginnt frühestens im Herbst 2021.

2021 wird geplant, spätestens 2022 wird gebaut

Farchant bekommt Geld vom Bund: 2,2 Millionen Euro fürs Warmfreibad

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Welche ein Glück für die Gemeinde Farchant: Sie bekommt Geld, viel Geld vom Bund. 2,2 Millionen Euro stellt der für die Sanierung des Schwimmbades zur Verfügung. Teuer wird es für die Kommune dennoch.

Farchant – Christian Hornsteiner spricht ganz deutlich von „einem Glücksfall“. Dass eine kleine Kommune wie Farchant für die Sanierung ihres Schwimmbades in den Genuss von Bundesmitteln kommt – das passiert nicht alle Tage. Das ist dem Bürgermeister bewusst.

Der Überbringer der frohen Kunde war einmal mehr Alexander Dobrindt. Im Haushaltsausschuss des Bundestages wurden gestern nochmals einige Millionen Euro für Projekte aus Sport, Jugend und Kultur ausgeschüttet. Darunter sind 2,2 Millionen für die Gemeinde Farchant, genauer gesagt für das Warmfreibad. „Farchant hatte sich vor zwei Jahren bereits für eine Bundesfinanzierung beworben, war damals aber nicht zum Zuge gekommen“, erinnert sich der CSU-Landesgruppenchef und Wahlkreis-Abgeordnete. „Im Rahmen der Corona-Konjunkturpakete wurde nun aber noch einmal Geld locker gemacht.“ Mittel, die vor allem „schnell umgesetzt werden sollen“, merkt Dobrindt an. Natürlich fiel der Blick da auf Vorhaben, die in der ersten Zuschuss-Runde leer ausgegangen waren. „Farchant hat da gut reingepasst.“ Vor der Sommerpause gab es bereits Gespräche, zuletzt auch beim Tunnel-Besuch Dobrindts in der Nachbargemeinde Oberau, gestern kam es tatsächlich zum Vollzug. „Das ist eine tolle Sache, denn es ist wahrlich nicht einfach für eine kleine Gemeinde, so ein Projekt zu stemmen“, kommentiert Dobrindt.

Auch Bela Bach, die Abgeordnete der SPD aus Planegg, freut sich über den Coup: „Gerade in Zeiten, in denen Kommunen mit sinkenden Gewerbesteuereinnahmen und anderen Einnahmeausfällen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen haben, war es uns als Große Koalition und als SPD wichtig, ... vor allem Kommunen bei ihren Sanierungsvorhaben nicht alleine lassen.“

Große Sanierung des Freibads Farchant: Man hatte sie schon verschoben

Da kann Hornsteiner den beiden Politikern nur beipflichten. Aus Corona-Gründen hatten die Farchanter die große Sanierung des Freibads auf der Prioritätenliste nach unten geschoben. Lediglich das Nötigste wurde im Frühjahr gemacht. Nun hat sich die Situation grundlegend verändert. „Jetzt haben wir eine einmalige Chance, die wir nutzen müssen“, verdeutlicht der Rathauschef.

Kurioserweise hatte Hornsteiner 2018 selbst als Geschäftsleiter der Gemeinde den Antrag an das Bundesinnenministerium verfasst, der damals ohne Erfolg blieb. Stattdessen gab es Fördergelder fürs Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen und seine teure Sanierung. Nur gut, dass die Farchanter ihren Hut damals in den Ring geworfen hatten, denn sonst hätte es wohl jetzt nicht geklappt. „Ich weiß noch, dass damals alles sehr schnell gehen musste, innerhalb von drei Wochen hatte der Antrag fertig zu sein.“ Daher traf sich der Gemeinderat 2018 sogar während der Sommerferien, um Klarheit zu schaffen. Zwei Jahre später hat sich die Eile doch noch rentiert. „Lieber spät als nie“, merkt Hornsteiner an und lacht.

Die gute Laune ist verständlich. „Ich glaube schon, dass wir gegenüber anderen Kommunen, die ihr Bad sanieren müssen, schon deutlich im Vorteil sind“, betont er.

Zuschuss bedeutet Verpflichtung: 50 bis 60 Prozent der Kosten bleiben bei Farchant

Aus der Zuschuss-Zusage ergibt sich für die Gemeinde nun jedoch auch eine Verpflichtung. Jetzt muss etwas geschehen. „Aber diese Herausforderung nehmen wir gerne an.“ Zügig soll es gehen, verspricht Hornsteiner. Allerdings braucht es allein für die Planung schon wieder eine Ausschreibung. „Die Summe ist einfach zu hoch.“ Die Kosten werden zwischen 4,5 und 5 Millionen Euro liegen. „In diesem Bereich werden wir uns intern in jedem Fall ein Limit setzen.“ Bei 2,2 Millionen an Bundesmitteln bleiben 50 bis 60 Prozent, die die Kommune stemmen muss. Denn weitere Fördergelder gibt es definitiv nicht.

Das Jahr 2021 wird der Planung gehören. Das prognostiziert Hornsteiner. „Vielleicht können wir dann im Herbst schon anfangen, spätestens im Frühjahr 2022.“ Ein Jahr kommen die Farchanter daher in jedem Fall noch in den Genuss ihres alten Bades.

Was danach kommt? Hornsteiner will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Technisch geht es vielleicht in die Richtung einer Fotovoltaikanlage, „weil wir einfach sehr viel Strom brauchen“. An der Form und speziell der Tiefe der Becken könnte sich einiges ändern. „Attraktiv wird es auf jeden Fall werden“, sagt der Bürgermeister. Und ein Aushängeschild soll das Bad freilich auch bleiben.

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