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Wortgefechte lieferte sich Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (r.) mit Thomas Eberherr (orange Jacke), Regierungsdirektor und Teamleiter Natura 2000. 

Es geht um 690 Hektar Fläche

Natura 2000: Unbehagen bleibt

Skepsis ist vorhanden, wenn es um Das EU-Programm Natura 2000 geht. Bei einer Informationsveranstaltung in der Föhrenheide wurden die unterschiedlichen Standpunkte deutlich.

Farchant– „Die Bewirtschaftung des Talraums zwischen Farchant und Eschenlohe findet seit vielen Jahrhunderten statt. Dadurch entstand diese herrliche Kulturlandschaft, die es zu erhalten gilt“, sagte Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter. Er versuchte, bei den circa 45 Teilnehmern, die zur Informationsveranstaltung Natura 2000 „Managementpläne der FFH-Gebiete zwischen Farchant und Eschenlohe“ in die Föhrenheide gekommen waren, eine gute Stimmung zu verbreiten. Er wünschte konstruktive Gespräche, schränkte aber auch ein: „Ob Nutzungen und Interessen einvernehmlich geregelt werden können, wird sich zeigen.“

Zum Termin mit Begehung des Geländes hatte die Regierung von Oberbayern zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Garmisch-Partenkirchen geladen. Träger öffentlicher Belange, Grundeigentümer, Bewirtschafter, Gemeinden – neben Wohlketzetter nahmen Oberaus Bürgermeister Peter Imminger und Anton Kölbl, Gemeindechef von Eschenlohe, teil – waren neben zahlreichen Behördenvertretern gekommen. Für eine gute Zusammenarbeit beim Managementplan warb zu Beginn Thomas Eberherr von der Oberen Naturschutzbehörde. Er sieht Abstimmungsbedarf, informierte aber gleichzeitig darüber, dass die EU einen guten Erhaltungszustand für die Natura 2000-Gebiete fordere.

Konkret geht es diesmal um ein 690 Hektar großes FFH-Gebiet, dessen größter Teil, nämlich 677 Hektar im Talbereich der Loisach liegt. „Naturschutz- und Forstbehörden erfassen und bewerten im sogenannten Managementplan Lebensräume beziehungsweise Arten und formulieren Vorschläge für zweckmäßige Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen. Genau hier brodelte es bei privaten und gemeindlichen Eigentümern sowie Nutzern gewaltig. Als Geldverschwendung sieht Andreas Leitenbauer, der Vorsitzende der Farchanter Weidegenossenschaft, die gesamte Kartierungsaktion. „Wichtiger wäre eine materielle Unterstützung der EU, damit zum Beispiel auch kleine Ziegen- und Schafhalter überleben können. Schließlich sorgen sie entscheidend dafür, die bestehende Kulturlandschaft zu erhalten.“ Auch Bürgermeister Imminger steht dem gesamten Managementplan, dessen Erstellung zwei Jahre dauern soll, skeptisch gegenüber. „Zu viele Restriktionen. Die Gemeinden werden in ihrer Entwicklung gehemmt“, winkt er ab. „88 Prozent der Gemeindefläche von Oberau sind bereits Schutzgebiete, jetzt kommen neue Auflagen auf uns zu.“

Hier weiß er sich im Konsens mit seinem Eschenloher Amtskollegen, der ebenfalls Einschränkungen fürchtet. Die sehen auch die Jagdausübungsberechtigten, wenn die Kartierer die nächsten Jahre im Gelände unterwegs sind, sie aber ihre Abschussquoten erfüllen sollen. Auch wenn Eberherr mehrmals wiederholte, dass alle Nutzungsrechte bestehen bleiben, es nur um ein Verschlechterungsverbot geht, bleiben Unbehagen, Misstrauen und eine gewisse Ohnmacht bei denen bestehen, die „nichts müssen, aber auch nicht alles dürfen“. Einige der Gekommenen verließen unzufrieden vorzeitig die Veranstaltung.

Margot Schäfer

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