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Widerstand regt sich in Farchant gegen die Bankenschließung.

In Farchant regt sich Widerstand

Filial-Schließungen: Protest gegen die Banken

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Es hat etwas vom Domino-Effekt: Schließt eine Filiale, ist die nächste kurz danach dran. Immer weiter dünnen die Banken ihr Zweigstellen-Netz im Landkreis aus. Jetzt hat sich eine Initiative gegründet, die für den Standort in Farchant kämpft.

Farchant – Er bleibt ruhig, sachlich, zeigt Contenance. Doch in jedem Satz von Martin Wohlketzetter (SPD) schwingt sie mit: Enttäuschung. Ja, vielleicht sogar ein bisschen Wut. Farchants Bürgermeister kann die Entscheidung der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen und der VR-Bank Werdenfels, die ihre Filialen im Ort schließen, nicht verstehen. Einfach so akzeptieren erst recht nicht. Er steht nicht alleine. Der Widerstand formiert sich.

Einige Bürger sind nach der Bekanntgabe der Hiobs-Botschaften an den Rathauschef herangetreten. Inzwischen hat sich eine Initiative gegründet. Derzeit besteht sie aus zehn Personen – darunter Wohlketzetter, Kreis- und Gemeinderäte sowie einfache Bürger – aus Burgrain, Oberau und Farchant. Alles Gemeinden oder Ortsteile, die – wie berichtet – von der Ausdünnung des Zweigstellen-Netzes direkt betroffen sind. Zweimal trafen sich die Beteiligten bereits, um ihr Vorgehen im Kampf um den Erhalt der Filialen zu besprechen. Der erste Schritt: ein Schreiben an die beiden Banken. Es ging am Freitag in die Post.

Der Fokus liegt auf den Außenstellen in Farchant, denen eine „überörtliche Bedeutung“ zukommt, heißt es in dem Brief. Kunden aus Burgrain verlagerten ihre Geschäfte in diese Filialen, um dort Ansprechpartner und den Service zu erhalten, den sie benötigen und für den sie Gebühren entrichten. Gezwungenermaßen. Seit geraumer Zeit existieren in dem Garmisch-Partenkirchner Ortsteil nicht einmal mehr die SB-Geräte.

Sieben Argumente gegen das Handeln der Geldinstitute listet die Gruppe auf. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf die Aufgabe der Banken. „Sie haben einen Versorgungsauftrag“, betonte Wohlketzetter im Gemeinderat, in dem er die Mitglieder über die Initiative informierte. Es gehe nicht nur um Gewinnmaximierung. Besonders „interessant“ findet der Bürgermeister den Entschluss vor dem Hintergrund der städtebaulichen Verschönerung des Bereichs Am Gern. Schließlich seien bei den Planungen auch die beiden Banken beteiligt worden, weil sie einen Beitrag zur Aufwertung des zentralen Platzes leisten. „Erst schauen sie zu und wenn alles fertig ist, machen sie zu.“

Für Wohlketzetter fällt aber in erster Linie der demografische Wandel schwer ins Gewicht. In der Region leben viele ältere Menschen. Deshalb sei der Service in einer Filiale vor Ort von essenzieller Bedeutung. Anders als in „jungen, dynamischen Städten wie München“. Probleme sieht er aber nicht nur für Senioren, sondern auch für Geschäftsleute. Um ihre Einnahmen einzuzahlen, müssen sie künftig jedes Mal nach Garmisch-Partenkirchen fahren.

Mit der Aktion der Initiative wollen Wohlketzetter und Co. ein Zeichen setzen und klar machen, „dass wir uns nicht gefallen lassen, wie die Banken agieren“. Farchants Bürgermeister spricht Klartext: „So geht’s nicht.“ Dieser Satz wird auch einen Flyer zieren, den die Gruppe an die Haushalte verteilt. Ebenso sind Unterschriftenlisten und eine Veranstaltung mit Vertretern beider Geldinstitute geplant. Alles Schritte, um einen Dialog herzustellen. Wohlketzetter denkt dabei zum Beispiel an die VR-Bank, die ihre Beratung am Standort Farchant fortführen möchte. Wichtig wäre aber auch der Service – zumindest vormittags. Der Bürgermeister spekuliert auf einen Kompromiss. Einen, bei dem „man nicht alles komplett zumacht“. Deshalb hofft die Initiative, dass sich die Verantwortlichen der Banken ernsthaft mit ihrem Anliegen auseinandersetzen.

Die Gruppe versteht, dass die Banken gewissen Zwängen unterliegen, sie unter anderem an der Niedrigzinspolitik heftig zu knabbern haben. Wohlketzetter nennt auch die „Gier der Großbanken der europäischen Zentralen, die die kleinen Banken ausbaden müssen“ als Grund für die Misere. Doch seiner Ansicht nach gibt es verschiedene Wege, wie man mit der Betreuung vor Ort umgehen könne.

Im Gemeinderat stieß die Protest-Aktion jedenfalls schon auf großen Zuspruch. Vize-Rathauschef Johann Schmid (CSU) hat einen solchen Aufschrei längst vermisst. Er ist erzürnt über das Vorgehen der Banken, denen „wir jahrelang treu geblieben sind“. Sein Partei-Kollege Wolfgang Graschberger (CSU) formuliert’s schärfer: „Das ist ein richtiger Saustall, was da passiert.“

Das nächste Treffen

Die Initiative kommt am Dienstag, 23. Januar, um 20 Uhr im Sitzungssaal des Farchanter Rathauses zusammen. Primär geht es an diesem Abend um die Verteilung der Flyer. Wer mithelfen möchte, ist willkommen.

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