Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner und Architektin Onni Rebholz besichtigen den Neubau an der Ronetsbachstraße.
+
Fast fertig: Farchants Bürgermeister Christian Hornsteiner und Architektin Onni Rebholz besichtigen den Neubau an der Ronetsbachstraße, hier die helle und größte Wohnung im Dachgeschoss .

Baukosten von drei Millionen Euro eingehalten

Punktlandung: Günstige Wohnungen in Farchant ab 1. August bezugsfertig

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
    schließen

Es ist eine Seltenheit, wenn Bauzeit und vor allem Baukosten eingehalten werden. Beides ist der Gemeinde Farchant mit dem Großprojekt an der Ronetsbachstraße gelungen. Damit schafft sie bezahlbaren Wohnraum.

Farchant – Sie gehen über die Baustelle im Freien, über Steine und Dreck. Kurz vor dem Eingang streifen Christian Hornsteiner (CSU) und Onni Rebholz den Schmutz von den Schuhsohlen. Sie wollen ihn nicht mit ins Haus tragen. Und vor allem den Boden schonen. Der ist wie jede Wand, Leiste und Tür in dem Gebäude komplett neu. Farchants Bürgermeister und die Architektin aus Murnau besichtigen das Haus. Noch steht es leer. Aber nicht mehr lange.

Die Gemeinde hält mit dem Großprojekt an der Ronetsbachstraße, mit dem bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird, zwei Ziele ein. Zum 1. August sollte die Immobilie bezugsfertig sein. Das gelingt. Die kalkulierte Bauzeit von grob eineinhalb Jahren wurde ebenso eingehalten wie die Gesamtkosten von etwa drei Millionen Euro. „Wir machen eine Punktlandung“, betont Rebholz. Aus dem Kommunalen Wohnbauförderprogramm (KomWFP II) fließt ein Zuschuss von rund 1,3 Millionen Euro. Den Rest finanziert die Gemeinde über ein zinsverbilligtes Darlehen. „Das Risiko für uns ist sehr gering“, verdeutlicht Hornsteiner. Denn durch die Mieteinnahmen sind Zinsen, Tilgungen und Betrieb gesichert. Das Projekt „zahlt sich über 30 Jahre selber ab“.

Ab 1. August sind die neun Domizile an der Ronetsbachstraße bezugsfertig. Die Immobilie ist ein Massivbau aus Ziegeln mit einer Verkleidung aus Lärchenholz.

Wohnprojekt an der Ronetsbachstraße in Farchant: Draußen noch Baustelle

Neun Wohnungen mit Balkon oder Terrasse sind entstanden. Je drei auf drei Etagen. Das kleinste Domizil verfügt über rund 41 Quadratmeter, das größte über knapp 98. Architektin Rebholz setzte auf Nachhaltigkeit. Zum Beispiel mit einer Pelletheizung, Fenstern und sichtbarem Dachstuhl aus Fichtenholz und einer Verschalung aus Lärche. Die Bauweise – aus hochdämmenden Ziegeln. Im Innenbereich schreiten Rebholz und Hornsteiner bei ihrer Visite über Naturstein in den Gängen und im hellen, zentralen Treppenhaus sowie über Fischgrätenparkett in den Wohn- und Schlafzimmern (inklusive Fußbodenheizung). „Den kannst’ 100 Mal abschleifen“, sagt die Expertin. Das Gebäude verfügt außerdem über einen Keller mit großem Waschmaschinen und Trockenraum.

Bis auf die Balkone sind die Arbeiten an den Wohnungen beendet. Im Außenbereich sieht’s noch mehr nach Baustelle aus. Der Garten muss noch angelegt werden, ebenso die 13 Parkplätze, sechs davon mit Carports.

Wohnprojekt für einkommensschwache Menschen liegt Bürgeremeister am Herzen

Der Bürgermeister zeigt sich sichtlich zufrieden mit dem Geleisteten. Das Projekt liegt ihm am Herzen. Denn die Gemeinde hat das Grundstück samt dem bereits abgebrochenen Haus von der Lehrerin Martha Bog, die 2016 im Alter von 99 Jahren starb, vererbt bekommen. Verbunden mit der Verpflichtung, dass ihr Vermächtnis für eine soziale Einrichtung für Senioren oder Behinderte genutzt wird. Doch die Baustruktur der alten Immobilie erwies sich als ungeeignet. Also entschied sich die Kommune, an der Ronetsbachstraße bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Richtig findet das Rebholz. „Es ist ein Zeichen, dass einem die Leute nicht wurscht sind.“ Die Regelmiete beträgt elf Euro pro Quadratmeter, einkommensschwächere Menschen müssen nur acht Euro zahlen. Alle Wohnungen sind bereits vergeben, vorwiegend zum geringeren Preis. Familien und Alleinerziehende – insgesamt 13 Kinder – ziehen ein. Ebenso eine ältere Person. „Es ist wichtig, dass das Gefüge passt“, sagt Hornsteiner.

Um Bogs letzten Willen zu erfüllen, soll dafür im Bereich des Pfarrheims ein Gebäude entstehen, in dem Senioren eigenständig wohnen können. Auch das Geld von Günther und Charlotte Rippel, das die Gemeinde ebenfalls vermacht bekommen hat, wird für dieses Vorhaben eingesetzt. „Das ist ein gutes Startkapital“, betont der Rathauschef. Die Planungen beginnen bald, versichert er. Verhandlungen mit der Erzdiözese München und Freising laufen bereits. Denn anvisiert sei ein gemeinsames Projekt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee
Mit so vielen Teilnehmern hatten die Initiatoren nicht gerechnet. Knapp 500 kamen nach Grainau, um unter dem Motto „Ausbremst is“ für die Verkehrswende und gegen das …
Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee
Der Geist besiegt den Körper
Martin Tiefenböck, Athlet der LG Murnau Staffelsee, bewältigt den Chiemgauer 100. Ein Lauf, bei dem die Teilnehmer 100 Kilometer mit 4700 Höhenmeter hinter sich bringen …
Der Geist besiegt den Körper
Zahlreiche Wildcamper erwischt - manche grillten sogar im Naturschutzgebiet
Sie wollen die freie Natur genießen und gleichzeitig wohl Geld sparen. Die Polizei erwischte am Wochenende zahlreiche Wildcamper um Garmisch-Partenkirchen und Grainau. …
Zahlreiche Wildcamper erwischt - manche grillten sogar im Naturschutzgebiet
Schwere Radunfällen im Tölzer Land: Fünf Verletzte
Eine ganze Reihe von schweren Fahrradunfällen ereignete sich am Wochenende im südlichen Landkreis. Fünf Beteiligte mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Einmal war …
Schwere Radunfällen im Tölzer Land: Fünf Verletzte

Kommentare