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Hat eine akzeptable Lösung gefunden: Bürgermeister Martin Wohlketzetter. 

Gemeinderat lehnt Teilnahme am Landkreis-Projekt ab

Radschnellweg: Wohlketzetter bügelt Fehler wieder aus

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Ups! Martin Wohlketzetter (SPD) ist im Gemeinderat ein Malheur passiert. Farchants Bürgermeister hatte bei den Plänen zum Radweg zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau etwas verwechselt. Der Fehler wirkte sich unmittelbar aus.

Farchant – Martin Wohlketzetter (SPD) gibt es offen zu: „Die Schuld liegt bei mir.“ Farchants Bürgermeister hat den Wurm in die Pläne zum Radschnellweg, der von der Zugspitz Region initiiert wurde, reingebracht. Der Hektik geschuldet, rechtfertigt er sich. Alles ging im vergangenen Jahr recht schnell. Innerhalb weniger Wochen musste der Vollantrag für den Bundeswettbewerb „Klimaschutz im Radverkehr“ zusammengestellt sein. Parallel dazu lief in Farchant das Projekt Wasserversorgung. „Man war ständig am Schnittstellen-Suchen.“ Und so brachte der Rathauschef im Gemeinderat nun genau bei einer solchen etwas durcheinander. Ein Fehler, der mal passiert. Ein Fehler, der allerdings dazu führte, dass das Gremium den Grundsatzbeschluss zur Teilnahme an dem Landkreis-Projekt mit 5:8-Stimmen niederbügelte.

Der große Knackpunkt: die Trassenführung des Radschnellwegs im Ortsbereich. Die stellte Bauamtsleiter Michael Rauch vor. Vom Anschlussbereich in Burgrain an der Feldernkopfstraße – der laut Wohlketzetter so vorgeben wurde - sollte die Route im Groben über einen Feldweg, die Schulstraße entlang, am Rathaus vorbei über die Loisachbrücke bis zur Frickenstraße und dann weiter gen Oberau verlaufen. Das Gute dabei: „Die Strecke ist mittlerweile gut ausgebaut“, sagte Rauch. Farchant käme bei dieser Variante also äußerst finanzfreundlich davon. Grundsätzlich fördert der Bund 70 Prozent der Kosten, der Landkreis übernimmt dann zur Hälfte den jeweiligen restlichen Gemeindeanteil. Während andere Orte 600 000 bis 800 000 Euro berappen müssen, würden in Farchant nur etwa 200 000 Euro zu Buche schlagen. Abzüglich der Zuschüsse also zirka 30 000 Euro.

Unzufriedenheit mit der Trasse

Der große Pluspunkt, hätte man meinen können. Der geriet aber schnell ins Abseits, als Claus Walcher (CSU) eine rege Debatte über die Strecke entfachte. „Ich bin entsetzt über die Trassenführung“, tadelte er die Pläne. Einerseits kritisierte er, den von Fußgängern gern genutzten Forst- zum Radweg umzufunktionieren. Andererseits findet der frühere Forstbeamte es „mehr als enttäuschend“, dass die Leute zickzack durch den Ort geführt werden. „So fährt doch kein Mensch.“ Mit seiner Ansicht stand er nicht alleine. Als „wenig prickelnd“ empfand auch Vize-Bürgermeister Johann Schmid (CSU) die Umwandlung des Feldwegs. Sogar als „Katastrophe“ bezeichnete dessen Parteikollege Anton Klöck die Trasse. „Das ist doch kein Schnellweg.“ Der Vorschlag der Gegner: Die Radler neben der alten Bundesstraße entlang zu schicken und dann in den Weg an der Loisach zu lotsen.

Einer, der eine Lanze für die vorgestellte Route brach, war Gerhard Portele (Freie Wähler). Bei ihm fruchtete das Kosten-Argument. „Die Trasse hat Charme“, merkte der Bauingenieur an. Zumal sich das Projekt auf Berufstätige bezieht, die aufs Rad umsatteln sollen. Die Stoßzeiten wären dann in der Früh und am Abend. „Da ist der klassische Fußgänger nicht mehr unterwegs.“ Dem konnte Wohlketzetter nur beipflichten. „Wir werden keinen Berufsradler-Boom kriegen, der uns überrollt.“ Doch er merkte, dass ein Kompromiss an diesem Abend in weite Ferne rückte. Die Diskussion drehte sich im Kreis, deshalb stellte er den Antrag zur Abstimmung. „Dann lehnen wir es halt ab und warten, wie es weitergeht“, sagte er enttäuscht.

Bürgermeister hat Lösung gefunden

Mit dieser Welle an Kritik hatte der Rathauschef nicht gerechnet. Das gesteht er auf Tagblatt-Nachfrage ebenso wie seinen Fehler. Denn der Anschlusspunkt in Burgrain war nicht – wie von ihm behauptet – vorgegeben, sondern von Farchant selbst bestimmt. Doch mittlerweile gibt es eine Lösung für die umstrittene Stelle. Vergangene Woche beriet sich Wohlketzetter mit Jörg Hahn, Garmisch-Partenkirchens Bauamtsleiter. Die neue Trasse soll wie gewünscht an der ehemaligen Bundesstraße entlang laufen und dann in die Bahnhofstraße münden. „Das ist eine Verkürzung“, sagt der Rathauschef. Ein Abstimmungsgespräch mit der Zugspitz Region gab es am Donnerstag. Nun kommt das Thema erneut in den Gemeinderat. „Diesmal krieg ich meinen Segen“, da ist sich Wohlketzetter sicher.

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