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Für ein Gesamtvolumen von 500 000 Euro wird der Bereich Am Gern aufgewertet (Bild oben).

2020 soll alles fertig sein

Städtebauförderung: Farchant wertet Ort für insgesamt 1,9 Millionen auf 

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Farchant - Viel Geld fließt nach Farchant: Im Rahmen der Städtebauförderung wertet die Gemeinde ihren Ort auf. Im kommenden Frühjahr beginnen die Arbeiten am nächsten Abschnitt: dem Bereich Am Gern.

Er hat den Selbstversuch gemacht. Für seine Recherche. Martin Klingler spazierte abends durch Farchant, prüfte, ob die Lampen Wege und Plätze ausreichend beleuchten. Platsch. Da stand er mit seinen Schuhen schon im Wasser. „Ich bin in viele Pfützen getreten“, sagte der Lichtplaner in der Gemeinderatssitzung. Er hat sie einfach nicht gesehen.

Gerade den Bereich Am Gern, den nächsten Abschnitt, den die Gemeinde im Rahmen der Städtebauförderung in Angriff nehmen will, untersuchte Klingler. Sein Ergebnis. „Dort ist relativ wenig Licht.“ Insgesamt findet der Experte den Ist-Zustand im Ort gar nicht so schlecht. Vor allem an wichtigen Stellen sei die Sicht in Ordnung. „Man bekommt eine Orientierung.“ Dafür sorgen die bereits installierten Überspannungsleuchten – auch wenn deren Niveau an der unteren Grenze liegt.

Martin Klinger hat den Selbstversuch gemacht

Um die Beleuchtung zu optimieren, hat Klingler zwei Varianten ausgearbeitet, die er dem Gremium präsentierte. Option eins: die Überspannlampen ertüchtigen, sodass ihre Leuchtkraft größer und somit ein breiterer Bereich erhellt wird. Die Kosten liegen bei rund 62 000 Euro. Die zweite Möglichkeit wäre, auf diese Lichtquellen zu verzichten und nur die Mastleuchten, die zufälligerweise den Namen „Farchant“ tragen, weiterzuverwenden. Der Haken dabei, außer, dass man dafür 73 000 Euro berappen müsste: „Eine Überspannleuchte ist dezenter“, machte Klingler deutlich. „Darüber hinaus bräuchte man zwei vom Typ ,Farchant‘, um eine davon zu ersetzen.“ Der Gemeinderat folgte einstimmig der Empfehlung des Fachmanns.

Wesentlich umstrittener war Klinglers Lösungsvorschlag für die Kastanienallee. Der Fußweg sei zwar beleuchtet, doch erkenne man kaum Menschen. Der Grund. „Die Leuchten sind dominant und blenden.“ Deshalb plädierte er dafür, Poller mit etwa einem Meter Höhe aufzustellen. Während Anton Klöck (CSU) mögliche Probleme für den Winterdienst zu Bedenken gab, befürchtete Gerhard Portele (Freie Wähler) eher Vandalismus. Klingler konnte diese Aspekte nachvollziehen, räumte aber vor allem Letzteren aus. Um dagegen die Arbeit des Schneepflugs zu gewährleisten, sollen in der Planung im vorderen Bereich der Allee höhere Stehlen ins Spiel kommen.

Die Aufenthaltsqualität im Ort soll verbessert werden

Wesentlich umstrittener war Klinglers Lösungsvorschlag für die Kastanienallee. Der Fußweg sei zwar beleuchtet, doch erkenne man kaum Menschen. Der Grund. „Die Leuchten sind dominant und blenden.“ Deshalb plädierte er dafür, Poller mit etwa einem Meter Höhe aufzustellen. Während Anton Klöck (CSU) mögliche Probleme für den Winterdienst zu Bedenken gab, befürchtete Gerhard Portele (Freie Wähler) eher Vandalismus. Klingler konnte diese Aspekte nachvollziehen, räumte aber vor allem Letzteren aus. Um dagegen die Arbeit des Schneepflugs zu gewährleisten, sollen in der Planung im vorderen Bereich der Allee höhere Stehlen ins Spiel kommen.

Licht ins Dunkel brachte an diesem Tag auch Michael Heintz vom Plankreis. Sein Schwerpunkt lag allerdings mehr auf dem Gesamtkonzept der Ortsgestaltung. Vor fast einem Jahr wurde ein Entwurf besprochen, seither hat sich einiges getan. Zum Beispiel fanden zwei Anliegerbesprechungen statt. Denn nach den Maßnahmen am Bahnhofsplatz und der -straße liegt künftig der Fokus auf dem Bereich zwischen der Hauptstraße und der Kirche St. Andreas. Ziel der Planung soll sein, eine Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer herzustellen. „Aktuell hat der Autoverkehr Vorrang“, betont Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) im Gespräch mit dem Tagblatt. Grundsätzlich gehe es aber darum, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Nach derzeitigem Planungsstand sollen neben der Verkehrsachse zwei Fußgängerachsen entstehen: Vom Bahnhof, über die Hauptstraße zur Kirche und vom Kindergarten über den Maibaumplatz zum Gotteshaus. Wenn man schon dabei ist, werden auch gleich die Plätze am Gernweg, Rathaus und vor der Kirche städtebaulich aufgewertet. Selbst ein Fahrversuch auf der Hauptstraße stand im Oktober auf dem Programm. Resultat: „Man ist mit allen Fahrzeugen durchgekommen“, sagt der Rathauschef. Heißt: Bei der Straßenbreite orientiert man sich auch künftig an dem jetzigen Stand.

Die Fertigstellung aller Bauabschnitte ist für 2020 geplant

Gestartet wird bei den verschiedenen Bauabschnitten mit dem Areal Am Gern – und zwar im Frühjahr 2017. Eine Werkplanung wurde bereits erstellt und kommt nach weiteren Terminen mit Anliegern in der nächsten Gemeinderats-Sitzung auf den Tisch. Im Großen und Ganzen bleibe der Gern wie bisher, sagt Wohlketzetter. Ein paar Bäume, besseres Licht, Straßen und Gehwege werden mit bestimmten Materalien wie „Olympiamastix“ oder Großsteinpflaster an den Parkplätzen belegt. Gerade Letztere waren Heintz zufolge ein „heißes Eisen“, weil die Bürger mehr Stellflächen wünschen. Doch die Anzahl bleibt annähernd gleich, macht der Rathauschef deutlich. Versehen mit Zeitbeschränkung. Damit bei den Geschäften oder den beiden Banken „welche zur Verfügung stehen“. Für Monika Ott hat Heintz reife Arbeit geleistet. „Das ist ein wunderbarer Plan“, schwärmte sie in der Sitzung. Der „öde und hässliche“ Bereich um die Sparkasse werde so aufgewertet.

Es ist ein Rundumpaket an Maßnahmen, das in Farchant in den nächsten Jahren – die Fertigstellung aller Bauabschnitte ist für 2020 geplant – umgesetzt werden soll. Barrierefreiheit inklusive. Die Städtebauförderung macht’s möglich, schließlich ist mit einer Förderung von 60 Prozent zu rechnen. Doch eines ist unantastbar: der ursprüngliche Charakter des Ortes. Und der erstrahlt dann sogar sprichwörtlich in neuem Licht.

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