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Auf den Alten Wirt kommt die Mobilfunk-Antenne.

Streit um Mobilfunkmast-Standort

Farchant schluckt bittere Pille

Farchant - Nun also doch: Zähneknirschend hat der Gemeinderat zugestimmt, die Telekom-Mobilfunkanlage auf dem Gasthof Alter Wirt zu installieren. Mit erheblichem Widerstand.

Von der einen Wirtschaft auf die andere: Nach eineinhalbstündiger Diskussion beschloss der Farchanter Gemeinderat mit einer knappen Mehrheit von 10:7 Stimmen, die Telekom-Mobilfunkantenne, die derzeit auf dem Dach des Hotels Kirchmayer platziert ist, künftig auf dem gegenüberliegenden, gemeindeeigenen Gasthof Alten Wirt montieren zu lassen.

Denn die Besitzerin des Gasthofs Kirchmayer und Freie-Wähler-Gemeinderätin Marianne Böhmer hatte der Telekom gekündigt, nachdem die 15 Jahre alte Antenne auf ihrem Haus zur Leistungssteigerung erweitert werden müsste „und sie dann das Bild des Hauses verschandeln würde“.

Daraufhin ging die Telekom auf Suche nach einem neuen Standort. Frank-Peter Käßler, Mobilfunk-Kommunalbeauftragter der Telekom, hatte Farchant im Hinblick auf den G7-Gipfel bereits im Vorfeld als Mobilfunk-Schwachpunkt zwischen München und Elmau bezeichnet. Die nächsten modernen Anlagen befinden sich in Oberau und Burgrain, Farchant habe gravierende Kapazitäts-Probleme. Als Alternativ-Standorte hatte die Verwaltung den Sportplatz und die Biogasanlage vorgeschlagen. Doch beide sind laut Käßler ungeeignet, weil sie zu weit außerhalb des Zentrums liegen. Auch die Telekom-Vermittlungsstelle am Retzelweg komme darum nicht in Frage.

Dennoch versuchte Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) in der Sitzung erneut, der Telekom die Biogasanlage schmackhaft zu machen. Käßler lehnte diese Variante wieder wegen ungenügender Reichweite und folglich mangelnder Wirtschaftlichkeit ab. Ebenso weitere Vorschläge aus dem Gemeinderat, beispielsweise das Tunnel-Betriebsgebäude. „Eine für uns sehr attraktive Möglichkeit wäre hingegen der Alte Wirt“, erklärte Käßler. „Der ist im Besitz der Gemeinde und würde eine Superversorgung mit möglichst niedriger Emission gewährleisten.“

Damit konnte sich Vize-Bürgermeister Hans Schmid (CSU) überhaupt nicht anfreunden: Er weigere sich, die Antenne auf den Alten Wirt bauen zu lassen und hielt dem Telekom-Vertreter vor, noch vor Monaten, als es um den Gipfel ging, durchaus für die Biogasanlage gewesen zu sein: „Damals haben Sie anscheinend nur für den G7 gearbeitet.“ Dem widersprach Käßler: Die Biogasanlage sei nur als Funk-Standort für die B2, die als Zufahrt zum Tagungsort im Elmauer Tal dient, gut geeignet gewesen. Nicht aber für Farchant selbst.

Ebenso der Vorschlag von Hans Hibler (Freie Wähler), die Antenne auf dem Feuerwehrhaus unterzubringen, schied aus. „Der Kindergarten ist daneben“, begründete Wohlketzetter die Entscheidung. Auch die Montage der Telekom-Anlage auf den Antennen anderer Provider „machen wir nicht“, stellte Käßler klar. Das „würde die Anlagen überfrachten“.

Schließlich zog der Fachmann den letzten Trumpf: Wenn keine Lösung gefunden wird, „könnte man notfalls Farchant auch erst einmal ganz ohne Antenne lassen“. Das war jedoch nicht im Sinne der Gemeinderäte. Monika Ott (SPD) wollte bei der Entscheidung „die Bevölkerung einbeziehen“ und Dr. Heidi Fleckenstein (SPD) „noch eine Nacht darüber schlafen“. Doch Fraktionskollege Richard Kundler drängte darauf, das leidige Thema ein für alle Male zu beenden: Er beantragte eine Abstimmung über den Standort Alter Wirt. Mit 11:6 Stimmen folgte das Gremium Kundlers Ansinnen – und entschied sich dann mit 10:7 doch notgedrungen für den gemeindeeigenen Gasthof.

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