Schwarze Peter liegt beim Landratsamt

Streit ums Trinkwasser: So schätzen die  Loisachtaler Bürgermeister ihre Chancen ein

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Wasser ist kostbar und offenbar selbst in unseren Breiten ein Gut, an dem sich Streit entzündet. Oberau und Farchant wollen nicht länger in Richtung Münchner Umland liefern. Dagegen formiert sich Widerstand. Die Gemeinde Neubiberg strengt gar eine Klage an.

Landkreis – Bei einem Termin vor einer Woche im Landratsamt von Garmisch-Partenkirchen haben Martin Wohlketzetter und Peter Imminger zusammen mit ihrem Anwalt Dr. Gerhard Spieß, Experte für Wasserrecht, noch einmal Pflöcke eingeschlagen. Die Bürgermeister von Farchant und Oberau machten deutlich, was sie von der Kreisbehörde und Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erwarten – vor allem, dass sie hart bleibt. Beide legten ihre Sorgen und Nöte noch einmal dar. „Wir haben unser Anliegen vorgebracht“, sagt Imminger (CSU). „Unsere Stellungnahme wurde positiv aufgenommen“, glaubt Wohlketzetter (SPD).

In zwei bis drei Wochen will man sich erneut treffen und noch einmal beratschlagen. Thema wird dann sicherlich die Klage der Gemeinde Neubiberg gegen den Freistaat sein, die deren Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) eingereicht hat. Heyland musste handeln, weil eine Frist, die ihm das Verwaltungsgericht gesetzt hat, Anfang Februar abläuft. Der juristischen Auseinandersetzung sehen Imminger und Wohlketzetter relativ entspannt entgegen. „Der Bescheid ist wasserdicht“, sagt das Farchanter Gemeindeoberhaupt. „Unser Anwalt sieht gute Chancen für uns“, legt Imminger nach.

Der Streit, er geht – wie schon so häufig – ums Wasser. Um jenes Wasser, das die beiden Loisachtalgemeinden Farchant und Oberau in Richtung München fließen lassen. Rund 22 Millionen Kubikmeter im Mittel pro Jahr, in Spitzenzeiten sogar 30 Millionen Kubikmeter. Die Rathauschefs fürchten angesichts des rasanten Wachstums in der Münchner Region, dass sie ihre Wasserschutzgebiete ausweiten müssen und sich weder Oberau noch Farchant in dem Maß entwickeln können, wie gewünscht.

Jenen Kommunen im Münchner Speckgürtel wie Hohenbrunn, Neubiberg, Ottobrunn, Neuried und Unterhaching gelingt das fast problemlos, weil sie auf keine Schutzzonen achten müssen. „Schauen Sie sich Neubiberg an: Die machen auf ihrer Homepage Reklame damit, dass zehn Prozent der Kommune aus Grün- oder Waldflächen bestehen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 90 Prozent bereits bebaut sind“, sagt Wohlketzetter. „In Farchant hingegen sind 90 Prozent grün und meist irgendwelche Schutzgebiete.“ Argumente, die man in Neubiberg nicht gerne hört. Dort fürchtet man, auf dem Trockenen zu sitzen, falls Oberau und Farchant nicht mehr liefern.

Bekannt ist die Wasser-Problematik seit 2015. Damals hatte das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen einen Bescheid erlassen, der seit dem 1. Januar 2016 gültig ist. In dem steht, dass die Münchner Umlandgemeinden, die ebenfalls von den Stadtwerken München versorgt werden, ab 2026 kein Wasser mehr aus dem Loisachtal erhalten. Dagegen wehrt sich vor allem Neubiberg. Die Gemeinde, die rund 14 000 Einwohner zählt, ist der Ansicht, dass man weder selbst noch eine andere Nachbarkommune genügend Trinkwasser für die eigenen Haushalte produzieren kann. Ein Grund: Neubiberg fehlt die Fläche für einen Brunnen. Ein Lösung des Problems präsentiert Wohlketzetter. Die Gemeinde, die jetzt Loisachwasser beziehen, sollen in Zukunft aus der Münchner Schotterebene versorgt werden. Eine Idee, die für die Stadtwerke München keine Alternative darstellt.

Der Schwarze Peter liegt nun im Landratsamt. Hebt es den Bescheid auf, zieht es sich den Zorn von Farchant und Oberau zu, bleibt es bei seiner Entscheidung, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Speer wird der Gemeinde Neubiberg in den nächsten Tagen auf einen Brief antworten, den Heyland geschrieben hat. Der Inhalt? Noch sei keine Entscheidung pro oder contra Neubiberg gefallen, sagt Behördensprecher Stephan Scharf. „Es ist alles offen.“

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Rubriklistenbild: © dpa

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