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Auf Erfolgskurs in Sachen Tourismus: Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter und Veronika Winkler, die Leiterin der Tourist-Information. 

Marke Farchant hoch im Kurs

Trotz sinkender Bettenzahl: In Farchant bricht der Tourismus-Boom aus

Zum ersten Mal seit 2004 hat Farchant die 100.000-Marke bei den Übernachtungen geknackt. Und es soll weiter nach oben gehen. Das geplante Explorer Hotel könnte den in Zukunft noch attraktiver machen.

Farchant – Die Zahl 100.058 hat Jubel ausgelöst. So viele Übernachtungen von Urlaubern hat Farchant im vergangenen Jahr verzeichnet. Zum ersten Mal seit 2004 wurde somit die magische sechsstellige Grenze geknackt. Etwa ein Zehntel der Gäste kamen aus dem Ausland. Vor allem Reisende aus den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und Österreich besuchten 2017 die Gemeinde im Werdenfelser Land. „Das gute Ergebnis haben wir trotz der seit Längerem sinkenden Bettenanzahl erreicht“, betont Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD).

2003 gab es in Farchant noch 1085 Schlafplätze, aktuell sind es nur noch 706. Dafür verzeichnete Farchant 2017 etwa 50 Prozent mehr Ankünfte als noch vor gut zehn Jahren. Der Trend: Kurzurlaube in der Heimat. Wegen der unsicheren politischen Lage in Europa. Viele private Gastgeber haben in den vergangenen Jahren ihre Ferienwohnungen renoviert. Das überzeugt. „Sie finden es bei uns noch schöner als daheim“, sagt Wohlketzetter. Für den Bürgermeister ist der Rückgang der angebotenen Betten nicht nur negativ. „Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Der Wohnraum in der Gemeinde ist knapp. Nicht alle Einheimischen finden das Zuhause, nach dem sie suchen. Dass die Farchanter seit einiger Zeit ihr Eigentum öfter dauerhaft vermieten, als Gäste aufzunehmen, findet der Bürgermeister daher auch positiv. „Um unsere Wirtschaft zu stärken, dürfen wir nicht nur Arbeitsplätze schaffen und riskieren, dass es am fehlenden Wohnraum scheitert.“

„Wir haben Glück, dass in der Nachbarschaft international bekannte Ziele liegen.“

Damit die Attraktivität des kleinen Orts auch für Touristen stimmt, hat Farchant sich mit Oberau und Eschenlohe zu einem Verbund zusammengetan. Seither tritt man unter der Dachmarke der Zugspitz-Region auf. Zu klein wäre sonst die Destination, die man Urlaubern auf dem Reisemarkt erst einmal schmackhaft machen müsste. Und darauf führt Veronika Winkler, Leiterin der Tourist-Information, auch die guten Zahlen zurück. „Wir haben Glück, dass in der Nachbarschaft mit der Zugspitze und Garmisch-Partenkirchen international bekannte Ziele liegen“, erklärt der Rathauschef. Nur darüber möchte man sich aber nicht definieren, auch wenn die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde gut ist.

Dennoch steht die Marke Farchant aktuell eher auf schlechtem Kurs, wenn man in die Vergangenheit blickt. Zur Zeit der Wende in Deutschland zählte Farchant jährlich um die 200.000 Übernachtungen. Ende der 1970-er, Anfang der 1980-er Jahre waren es immerhin noch 150.000. Dass Reisen damals im Rahmen ganz anderer Möglichkeiten geschah als heutzutage, dessen sind sich Wohlketzetter und Winkler bewusst.

Trotzdem geben sich beide zielstrebig – weiter nach oben soll es gehen und Farchant für Gäste noch attraktiver werden. Um die 35.000 zusätzliche Übernachtungen soll das neue Explorer Hotel bescheren, dem bei den touristischen Zielen für 2018 eine wesentliche Rolle zukommt. Per Bürgerentscheid stimmte Farchant im vergangenen Herbst für den Bau des Hauses an der Föhrenheide. Der Bürgermeister hofft, dass dadurch noch eine andere Zielgruppe ihren Weg in den Ort findet. „Das Explorer spricht ein sportliches Publikum an sowie Geschäftsleute.“ Er heißt außerdem den Vertrag zwischen dem neuen Beherbergungsbetrieb und der örtlichen Gastronomie gut: Es wird eine Art Verpflegungspaket aus Frühstück, das die Gäste im Hotel bekommen, und Abendessen geben, das wiederum in einem der Lokale in Farchant eingelöst werden muss. „So kurbeln wir gleichzeitig den Umsatz in unseren Wirtschaften an.“

Münchner Christbaum kommt aus Farchant

Der Marketing-Plan für 2018 fußt allerdings nicht allein auf dem Projekt an der Frickenstraße. Ganz oben auf der Liste an Dingen, die Winkler gerne verwirklichen möchte, stehen außerdem der Ausbau der Wege im Naturkurpark, eine Toilettenanlage am Trachtenheim für die Touristen, die zu Freizeitaktivitäten aufbrechen und die Beschilderung der Terrainwanderwege. „Das ist unser Programm für die nächsten zwei bis drei Jahre“ sagt sie. Dafür wollen Winkler und Wohlketzetter beim Freistaat Bayern Fördermittel beantragen. „Uns schweben etwa 400.000 Euro vor“ sagt Wohlketzetter. Generell greift der Staat mit einem Zuschuss von bis zu 60 Prozent unter die Arme. „Zusammen mit dem Kurbeitrag von 1,50 Euro pro Nacht können wir so viel voranbringen“, meint die Tourismus-Chefin.

Außerdem hat Farchant 2018 die Ehre, den Christbaum für den Münchner Christkindlesmarkt zu stellen. „Die Auswirkungen auf den Tourismus im Ort werden wir dann aber erst 2019 genießen können“, bemerkt sie.

Martina Bräu

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