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Im Einsatz für den Bürger: Monika Ott (r.) und Alexandra Roos-Teitscheid übergeben die Unterschriftenlisten an Martin Jocher, Vorstand der VR-Bank Werdenfels. 

Wunsch nach Service bleibt

Über 2000 Kunden unterzeichnen für den Erhalt der Farchanter Bank-Filialen

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18 Tage wurde gesammelt. Jetzt haben zwei Vertreterinnen der Farchanter Initiative die Listen an die Verantwortlichen der Kreissparkasse und der VR- Bank Werdenfels übergeben. 

Garmisch-Partenkirchen/ Farchant – Alexandra Roos-Teitscheid kennt einige Härtefälle. Vor allem die in Burgrain. Menschen, die nicht mehr mobil sind, die nicht mal eben zu Fuß große Strecken zurücklegen und mit dem Bus in den Nachbarort fahren können, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Manche müssen ein Taxi rufen. 20 Euro für einmal Farchant und zurück, für einmal kurz Geldabheben. Ein Problem, das aufgetaucht ist, nachdem in dem Garmisch-Partenkirchner Ortsteil, zuletzt sogar der Bank-Automat entfernt wurde. Ein Problem, das die Gemeinderätin darin bestärkt, sich gegen die Ausdünnung des Filialnetzes zu wehren und für den Erhalt der Geschäftsstellen von Kreissparkasse und VR-Bank Werdenfels in Farchant einzusetzen. Den Ort soll nicht das gleiche Schicksal ereilen wie Burgrain.

Von Anfang an gehörte Roos-Teitscheid zur Initiative, die den Rückzug der beiden Geldinstitute versucht zu verhindern. Auch Monika Ott, die für die SPD im Farchanter Gemeinderat sitzt, macht sich dafür stark. Wie ihre Mitstreiter verteilten sie Flyer,stellten eine Demo auf die Beine und sammelten Unterschriften. 2423 in 18 Tagen. Jetzt übergaben die zwei Frauen jeweils einen Schnellhefter mit den Listen an die Verantwortlichen von Kreissparkasse und VR-Bank.

Es waren nicht nur ein paar windige Zettel, sondern ein ordentlicher Stapel. Mit einer so hohen Anzahl an Unterschriften „haben wir gerechnet“, sagte Grit Fugmann. Der große Einsatz der Initiative blieb ihr nicht verborgen. Das Vorstandsmitglied und der Vorstandsvorsitzende Peter Lingg zogen sich in der Zentrale in Garmisch-Partenkirchen mit den beiden Kämpferinnen zurück, erläuterten ihnen noch einmal die Beweggründe (Digitalisierung, Niedrigzinsphase et cetera), ihre Pläne und Vorgehensweisen. In Ruhe – unter acht Augen.

Nach wie vor befindet man sich auf der Suche nach einer Lösung für Farchant. Der anvisierte vollumfängliche SB-Standort im Rathaus – bei dem Konzept hätte die Sparkasse über eine Service-Kraft, die stundenweise vor Ort ist, mit sich reden lassen – fällt flach. Wegen des Denkmalschutzes des Gebäudes, wegen der großen Sanierung 2019 und wegen des hohen Publikumsverkehrs. Andere Standorte wie der Dorfladen haben sich bisher als schwierig herausgestellt. Die technischen Voraussetzungen beispielsweise passten nicht.

„Wir gewinnen derzeit keinen Beliebtheitswettbewerb“

Eine weitere Variante wäre, als Sparkassen-Kunde den Automaten der VR-Bank mitzunutzen. Eine Methode, die unter anderem in Eschenlohe, Grainau oder Unterammergau bereits praktiziert wird. Für Lingg nicht der idealste Weg. „Man kann dann dort nur abheben.“

Die Ängste nehmen die Verantwortlichen ernst, stellen sich der Kritik, geben Hilfestellungen und suchen das Gespräch. „Kommunikation ist unsere Hausaufgabe“, betont Lingg. Deshalb hat Fugmann bereits Seniorentreffen besucht, bei denen Möglichkeiten wie Nachbarschaftshilfe oder Fahrgemeinschaften zur Sprache kamen. Auch die Unterschriftenlisten werden durchgearbeitet.

Lingg weiß: „Wir gewinnen derzeit keinen Beliebtheitswettbewerb.“ Obwohl die Sparkasse längst auf ihre Herausforderungen reagiert hat. Zum Beispiel mit dem Kundenservice-Center in der Zentrale (besetzt montags bis samstags 8 bis 20 Uhr). Dort können Kunden Überweisungen per Telefon tätigen. Außerdem schafft das Geldinstitut Parkplätze am Haupthaus.

Fahrgemeinschaften und mehr Pkw-Stellflächen – schön und gut, das alleine entspricht aber nicht den Vorstellungen der Initiative. „Wir haben ein anderes Ziel“, sagt Ott. Es heißt: selbst zur Filiale hingehen können, Service bekommen. Das betonten Ott und Roos-Teitscheid auch gegenüber Martin Jocher. Das PilotprojektSelbstbedienungsfiliale mit Beratung –, das die VR-Bank in Farchant umsetzen will, enthalte gute Punkte. „Wir wollen aber Servicezeiten am Schalter ohne Terminierung“, machte Gemeinderätin Ott bei der Übergabe der Listen deutlich. Es ist keine Forderung, sondern ein Wunsch. Der größte.

Es geht um einen Mittelweg, mit dem alle leben können. VR-Bank-Vorstand Jocher zeigte Verständnis und versicherte den zwei Frauen: „Wir sprechen das noch mal durch.“ Ohne ihnen aber Brief und Siegel zu geben, dass ihr Wunsch in geäußerter Form erfüllt werden könne.

Bis zum 16. März erwartet sich die Initiative nun eine Antwort von Sparkasse und VR-Bank. Darauf, wie die Zukunft der Filialen aussieht. Wie sich die Zukunft der Bürger in Sachen Nahversorgung gestaltet.

Demo zum Erhalt der Bank-Filialen: Die Bilder aus Farchant

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