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Schilderten die Lage der VR-Bank Werdenfels: die Vorstände (v.l.) Martin Sperl, Walter Beller und Martin Jocher.

Unzufriedenheit nach Infoveranstaltung

VR-Bank startet in Farchant Pilotprojekt - den Kunden fehlt dabei aber etwas

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Die Diskussion drehte sich im Kreis: Die VR-Bank setzt in ihrem Angebots-Paket in der Farchanter Filiale auf Beratung. Die Kunden aber pochen auf Service. 

Farchant– Für manche fühlte es sich an, als wäre ihnen etwas auf den Magen geschlagen. Schuld daran hatte nicht das Schnitzel mit Kartoffelsalat, das die VR-Bank Werdenfels ihren Kunden und Mitgliedern im Alten Wirt spendierte. Vielmehr taten sich einige der Besucher des Informationsabends schwer, die Auskünfte der drei Vorstände Walter Beller, Martin Sperl und Martin Jocher über die künftige Ausrichtung der Farchanter Filiale zu verdauen.

Auf drei Säulen bauten die Köpfe der Genossenschaftsbank ihren Erklärungsversuch auf, warum das Angebot in der Geschäftsstelle reduziert wird: die wirtschaftliche Seite, die Situation in Farchant und die aktuellen sowie künftigen Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung. Wie die Kreissparkasse bereits im Gemeinderat erläuterte, muss auch die VR- Bank ihr Eigenkapitel steigern. Zumal ab 2021 der so genannte Haftsummenzuschlag nicht mehr dazu gerechnet werden darf und dadurch eine Millionen-Lücke klafft. Darüber hinaus führt die sinkende Zinsspanne (3,4 Prozent in 1995; jetzt: 1,48 Prozent) dazu, dass sich die Ertragslage verschärft. Obwohl das Finanzhaus durch die Fusion mit Weilheim und Penzberg gut verdient habe, „fehlen uns bis zum Jahr 2022 fünf Millionen Euro“, betonte Beller. Und die müssen aufgefangen werden, weil die Aufsicht der Bundesbanken kein Pardon kennt. „Wir sind unter brutalem Sparzwang“, sagte Sperl und führte den Anwesenden eines klar vor Augen: „Wenn wir uns nicht verändern, gehen wir ganz sicher pleite.“

Die VR-Bank befindet sich im Wandel, muss auf aktuelle Gegebenheiten reagieren. Zum Beispiel auf das durch die Digitalisierung veränderte Kundenverhalten. Jocher nannte Zahlen. Demnach würden über 90 Prozent der Kontakte mit der Bank im Internet und nicht in der Geschäftsstelle stattfinden. „Die Online-Filiale“, sagte der Vorstand, „ist die größte Filiale.“ Dementsprechend müssen die Standorte angepasst werden. Die Entfernung zwischen Farchant und der Zentrale in Garmisch-Partenkirchen spielt dabei eine Rolle. 4,4 Kilometer liegen die beiden Häuser auseinander, Dauer der Autofahrt: Jocher zufolge sechs Minuten.

Es war der Moment, in dem sich das Publikum zum ersten Mal bemerkbar machte. Eine Frau polterte in Anlehnung an die bekannte Transrapid-Rede los: „Das ist ja schlimmer wie beim Stoiber.“ Ein anderer murmelte vor sich hin. „Das ist ja Verarsche hoch zehn.“ Es war aber auch der Moment, an dem sich zeigte, wie sehr das Thema bewegt.

Das kommt nicht von ungefähr. Farchant ist bekannt für ein großes Miteinander unter den Bürgern, für deren Einsatz für den Ort. Und den sehen viele in Gefahr, wenn sich die Geldinstitute zurückziehen. Die Angst um das Leben im Dorf und die Sorge, dass alte Menschen abhängig von anderen werden, sind es, die auch die Initiative umtreiben. Diese kämpft um den Erhalt der Filialen und versucht mit Aktionen, eine Kompromiss-Lösung zu erwirken.

Beller und Co. verstehen die Bedenken. Deshalb starten sie in Farchant ein Pilotprojekt. Die Filiale bleibt samt Angebot. Nur der Service verabschiedet sich. „Beratung kann man nicht durch Automaten ersetzen, Service schon“, verdeutlichte Sperl. Bei Härtefällen könnten sich die Betroffenen aber melden. „Dann gibt’s eine Lösung.“

Das stellt die Kunden nicht zufrieden. Sie möchten den persönlichen Service – zur Not auch in abgespeckter Form – behalten und lieber auf die Beratung verzichten. Darum ging es in erster Linie an dem Abend. Die Diskussion drehte sich im Kreis. Denn die Farchanter befürchten, dass die Frequentierung von Kunden aus den Nachbargemeinden einbricht, was sich direkt und vor allem negativ auf die Geschäfte auswirken würde.

Ihr Wunsch bleibt ein Wunsch. „Wir werden den Service nicht aufrechterhalten wie gefordert“, sagte Sperl. „Die Entscheidung ist gefallen.“ Und zwar aus geschäftspolitischen Interessen, wie Beller gebetsmühlenartig wiederholte. „Das können wir nicht verantworten.“ Die Sache – gegessen. Zumindest für die VR-Bank.

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