+
Ausbesserungen nötig: (v.l.) Farchants Bauhofleiter Michael Rauch und Bürgermeister Christian Hornsteiner machen sich ein Bild von den Reparaturarbeiten im Warmfreibad.

Mehr Aufwand, weniger Einnahmen

Zwei-Stufen-Konzept: Freibad Farchant öffnet bald - derzeit werden noch Schwachstellen beseitigt

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
    schließen

Die Corona-Zwangspause wird in Farchant genutzt: Im Freibad laufen Sanierungsarbeiten. Diese enden bald - und die Besucher können wieder kommen. Allerdings in begrenzter Zahl.

Farchant – Josef Berndaner kniet auf dem Steinboden. Akribisch setzt der Leiter des Warmfreibads eine Fliese ein. Nur eine kleine Korrektur am Nicht-Schwimmerbereich. Mehr Arbeit wartet ein paar Meter weiter, am großen Becken. Vor allem an der linken Seite gibt’s eine Schwachstelle zu beheben.

Früh morgens stehen Bauhofleiter Michael Rauch und Bürgermeister Christian Hornsteiner auf einem Gerüst am Rand der wasserlosen Wanne, inspizieren die neuen hellgrauen Keramikfliesen. Produziert in Deutschland, extra gefertigt für Farchant. „Die gibt’s nicht im Regal“, sagt der Rathauschef. Benötigt werden sie, um den sogenannten Beckenkopf zu sanieren. „Wir haben hier am meisten Wasser verloren“, erklärt der Rathauschef.

Nachdem klar gewesen war, dass das beliebte Badeparadies mit Panoramablick wegen Corona nicht öffnen darf, hatte die Gemeinde die Fliesen bestellt. Man wollte die Zwangspause nutzen, um Problemzonen auszubessern. Seit 1973 ist die Freizeiteinrichtung in Betrieb. Sie gehört damit zu den Dinos unter den Schwimmbädern. „Viele in dem Alter sind schon saniert“, sagt Hornsteiner. Doch die große Modernisierung fiel der Pandemie zum Opfer. Aufgrund der ungewissen finanziellen Auswirkungen will die Kommune eine solche Investition nicht verantworten und stellte das rund Vier-Millionen-Euro-Vorhaben auf unbestimmte Zeit zurück.

Lesen Sie auch: Projekte in Farchant laufen trotz Corona weiter - Schwimmbad-Sanierung ist aber vorerst gestrichen

Wasser, Chlor und Frost wirken auf Beckenkopf ein

Jetzt lautet das Motto: Mit wenig Aufwand eine mittelfristige Lösung zu finden, das Becken mit seinen sechs Bahnen abzudichten. Auf den „Kopf“ arbeiten stets Wasser, Chlor und Frost ein. „Das Material wird müde“, betont Hornsteiner. Pro Länge werden 200 Fliesen benötigt. Für 50 Meter schlagen rund 25 000 Euro zu Buche. Kein Schnäppchen, rechnet man die Kosten auf den Gesamtumfang von 134 Metern. Aber notwendig. Noch dazu habe der alte Beckenkopf nun fast 50 Jahre überlebt, sagt der Bürgermeister. „Wenn der neue wieder so lang hebt, wär’s recht.“ Voraussichtlich im Herbst sind dann auch Ausbesserungen am Boden an der Reihe.

Anders als andere Freibäder sperrte die Gemeinde die eigene Anlage noch nicht am 8. Juni auf. Sie hat sich für einen Zwei-Stufen-Plan entschieden. Am Samstag, 20. Juni, wird geöffnet. Allerdings nur der Nicht-Schwimmer- und Baby-Bereich – und zwar zum Abendtarif. Das große Schwimm- sowie das Sprungbecken stehen ab 4. Juli wieder zur Verfügung. „Die hängen technisch miteinander zusammen“, sagt Hornsteiner.

Mehr zum Thema: Freibäder öffnen wieder: Ein Schwimmer auf zehn Quadratmetern

Personal wird nicht aufgestockt

Entsprechend der allgemeinen Hygienevorschrift dürfen sich 84 Besucher im Nicht-Schwimmer-Becken, 85 Menschen im normalen Pool und 11 Personen im Plansch-Eldorado für die Jüngsten aufhalten. Durchzuzählen wird schwierig, meint Berndaner. „Man muss ein Gefühl dafür bekommen.“

In der ersten Stufe ist der Eintritt für 485 Gäste erlaubt, in der zweiten für maximal 600. Normalerweise verbringen bis zu 1000 Menschen im Warmfreibad entspannte Stunden, an Spitzentagen sogar bis zu 1800. Das Personal wird dementsprechend nicht aufgestockt. Zur Not könnte ein Bauhofmitarbeiter aushelfen, der Rettungsschwimmer ist.

Dennoch bedeuten die Regeln mehr Aufwand, aber weniger Einnahmen. Dabei schreibt das Bad auch ohne Corona-Krise ein jährliches Defizit von etwa 200 000 Euro. Rein beim Betrieb. Wie die Pandemie die finanzielle Situation beeinflusst, vermag Hornsteiner – bis zur Wahl Kämmerer und Geschäftsführer der Gemeinde – noch nicht abzuschätzen. Er ist aber überzeugt, dass der Schwimmspaß auch bei Einhaltung der Direktiven nicht zu kurz kommt. „Wir müssen jetzt einfach schauen, wie das Bad angenommen wird.“

Das könnte Sie auch interessierenStundenlanger Stillstand auf den Straßen wegen Baustelle: Bauamt reagiert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Grafenaschau soll Dorfkern bekommen - Lindenhof-Eigentümer kritisiert jedoch Pläne der Gemeinde Schwaigen
Die Innere Mission sieht die Pläne der Gemeinde Schwaigen für das Lindenhof-Areal kritisch. Die Kommune will dort Verschiedenes realisieren.
Grafenaschau soll Dorfkern bekommen - Lindenhof-Eigentümer kritisiert jedoch Pläne der Gemeinde Schwaigen
Schwere Radunfälle im Tölzer Land: Fünf Verletzte
Eine ganze Reihe von schweren Fahrradunfällen ereignete sich am Wochenende im südlichen Landkreis. Fünf Beteiligte mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Einmal war …
Schwere Radunfälle im Tölzer Land: Fünf Verletzte
„Ausbremst is!“: Grainauer Bürger demonstrieren -Anwohnern stinkt der Ausflugsverkehr
Gegen Verkehr, Lärm und Gestank protestierten zahlreiche Bürger aus Grainau am Samstagvormittag. Ihr Ziel ist, die Politik zum Umdenken zu animieren.
„Ausbremst is!“: Grainauer Bürger demonstrieren -Anwohnern stinkt der Ausflugsverkehr
Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee
Mit so vielen Teilnehmern hatten die Initiatoren nicht gerechnet. Knapp 500 kamen nach Grainau, um unter dem Motto „Ausbremst is“ für die Verkehrswende und gegen das …
Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee

Kommentare