Einigung mit den Stadtwerken München

Farchant punktet mit seinem Wasser

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Farchant - 715 000 Euro zahlen die Stadtwerke München an Farchant – rückwirkend für die Jahre 2013 bis 2015. Das ist Teil der Vereinbarung über die Wasserentnahme aus dem Loisachtal, die nach zähem Ringen nun beide Seiten unterschrieben haben. Und die auch die Naturschützer gut heißen.

Es ist ein Erfolg, sogar ein ziemlich großer – darüber sind sich die Mitglieder des Farchanter Gemeinderats einig. Zufriedenes Nicken erntete Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) für die Vereinbarung, die nun mit den Stadtwerken München geschlossen wird. Die Vertreter der Landeshauptstadt haben das Papier schon unterschrieben, nach dem einstimmigen Placet des Gremiums wird nun auch Wohlketzetter den Vertrag über die Trinkwasser-Entnahme durch die Münchner aus dem Loisachtal signieren.

Gut drei Jahre dauerte es, bis die Parteien eine Einigung erzielt hatten. Was jetzt vorliegt, sei Zweitem Bürgermeister Hans Schmid (CSU) zufolge „so nicht vorstellbar gewesen“. Farchant habe aber seine Maximal-Forderung durchgesetzt. „Das ist der große Verdienst der Gemeinde und des Vereins ,Unser Trinkwasser im Loisachtal‘“.

Ähnliche Worte wählte Dr. Andreas Keller, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, auf Tagblatt-Nachfrage. „Der Bescheid, den das Landratsamt erlassen hat, ist in unserem Sinn.“ Wesentlich sei, dass die Münchner die Wasserentnahme in Notzeiten einstellen müssen. Zudem hat die Behörde einen auf drei Jahre angelegten Pumpversuch angeordnet, den auch die Naturschützer gefordert hatten. „Daraus sieht man“, sagt Keller, „ob die Moore reagieren.“

Was nun unterschriftsreif vor ihm lag, nannte auch Wohlketzetter „einen Erfolg“. An den bereits 2012 aus München geforderten Mengen wurde dabei nicht gerüttelt – statt bislang maximal 2500 Liter pro Sekunde wollen sie künftig 1700 Liter aus der Loisach entnehmen, und die Jahresmenge von höchstens 50 Millionen Kubikmeter wird auf maximal 30 Millionen reduziert. „Es hat sich gezeigt, dass die Münchner im Schnitt 22 Millionen Kubikmeter brauchen“, erklärt Christian Hornsteiner, Geschäftsleitender Beamter im Rathaus. Dafür fließt nun aber mehr Geld. Nachdem Farchant angesichts der Vereinbarung mit den Münchnern keine eigene Kläranlage bauen konnte und sich deshalb mit Garmisch-Partenkirchen zusammentun musste, haben die Stadtwerke dafür schon in der Vergangenheit bezahlt. Allerdings als Pauschale. Jetzt übernehmen sie jährlich die Betriebskosten für Pumpstation und die erforderlichen Leitungen. Circa 40 000 Euro seien das aktuell, sagt Hornsteiner. „Es kann aber teurer werden, wenn etwa die Strompreise steigen.“

Nachdem das Konstrukt seit 2012 quasi im luftleeren Raum geschwebt war, beinhaltet der Vertrag auch, dass dieses Geld rückwirkend für die Jahre 2013 bis 2015 gezahlt wird. Die Honorare für die Berater, die Farchant einschalten musste, tragen ebenfalls die Stadtwerke. Und 60 Prozent vom Anteil der Gemeinde, die diese in die Aufrüstung der Garmisch-Partenkirchner Kläranlage mit der vierten Reinigungsstufe aufbringen musste. „Das heißt, dass uns 287 000 Euro erstattet werden“, sagt Wohlketzetter. Summa summarum werden für die vergangenen drei Jahre 715 000 Euro an die Gemeinde überwiesen. Zudem übernehmen die Stadtwerke die 6,5 Millionen Euro, die im Lauf der kommenden Jahre für die Sanierung der Pumpstation und die Erneuerung der Druckleitung anfallen. Und auch der Viehweideweg, der vom Farchanter Sportzentrum Richtung Oberau führt, liegt in Münchner Verantwortung. „Der musste schließlich nur asphaltiert werden, weil die Stadtwerke zu ihren Anlagen fahren müssen“, erklärt der Bürgermeister.

Fünf Brunnen unterhalten die Münchner im Loisachtal – zwei auf Farchanter, drei auf Oberauer Flur. Aus denen pumpen sie Wasser in die Kaverne im Auerberg zwischen Oberau und Autobahnende und dann weiter in die Landeshauptstadt. Die Vereinbarung darüber läuft nun bis 31. Dezember 2045. Das bedeutet, dass die Stadtwerke weitere 30 Jahre Trinkwasser aus dem Loisachtal beziehen dürfen. Der erste Vertrag war 1984 geschlossen worden – auch damals nach zähem Ringen. Der gestiegene Wasserbedarf in der Millionenstadt hatte dazu geführt, dass nach der Schotterebene und dem Mangfalltal auch das Loisachtal zum Wasserlieferanten erkoren wurde. Damit einher geht ein Schutzgebiet, das das kostbare Nass vor Verunreinigungen bewahrt. Dieser Bereich sollte zunächst fast den gesamten Farchanter Ortsbereich östlich der Bahnlinie umfassen. Ein Vorschlag, der für enorme Empörung sorgte. Und der nun vom Tisch ist. Lediglich das Sportzentrum und die Biogasanlage liegen im Schutzgebiet. „Damit können wir leben“, meint Wohlketzetter. Auch die Reduzierung der Fläche, die ebenfalls zäher Verhandlungen bedurfte, nennt er „einen Riesenerfolg“.

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