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Jodeln bis zum Umfallen kann der Fasenachts-Experte Dany aus Garmisch.

Ungeschickte Promis in „Hummelhausen“

Trachtenball in Garmisch: Gaudi-Wettbewerbe mit Lachgarantie

Der Landrat Anton Speer scheitert beim Radlrennen, Festzeltwirt Josef Adlwärth erkennt sein eigenes Bier nicht und beim Farchanter Trachtlerchef Hans Schmid junior kracht das Mini-Plastikauto zusammen. Jede Menge zu lachen gab‘s beim Bürgerlichen Trachtenball des Volkstrachtenvereins Garmisch. Und zwar nicht nur auf Kosten der Ehrengäste.

Opfer eines tückischen Radls wird Landrat Anton Speer: Lenkt er rechts, fährt’s links, lenkt er links, fährt’s rechts

Garmisch-Partenkirchen – Wussten Sie schon, dass geplant ist, Garmisch-Partenkirchen gemäß einem heimischen Häuserbauer in „Hummelhausen“ oder nach einem Multi-Hotelbesitzer in „Kavun-City“ umzubenennen? Wussten Sie wenigstens, dass sich die längste Straßenbaustelle der Welt bis vor kurzem jahrelang an der Fürsten- und Lazarettstraße hingezogen hat? Oder haben Sie zumindest erfahren, dass zwei Grainauer beim Alten Tanz so langsam geplattelt haben, dass sie an Ort und Stelle eingefroren sind – was beim dortigen Permafrostboden ohnehin nicht wundert? Gaudi-Szenen aus einem Fasenachtsball, der alle Jahre zu den unterhaltsamsten in Garmisch-Partenkirchen zählt: Der Bürgerliche Trachtenball des Volkstrachtenvereins Garmisch bietet am Faschingssamstag in der Bayernhalle nicht nur Tanzvergnügen, sondern auch Humor am laufenden Band.

Allerdings muss man manchmal schon ein wenig ortskundig sein, um beispielsweise zu wissen, dass an der Gartenstraße eine neue Häuserzeile steht, durch die man, weil die Gebäude mit viel Glas gebaut sind, von vorn nach hinten durchsehen kann – so richtig heimelig halt. Doch die Gäste des Festes sind ja ohnehin heimischer Abstammung, und die G’schichtl’n stoßen darum nicht nur auf offene Ohren, sondern lösen auch Stark-Gelächter aus.

Schellenrührer und Nachwuchs-Plattler treten auf

Trachtlerchef Christian Ruf hatte sich schon zum Auftakt sichtlich gefreut, unter den Ehrengästen im fast ausverkauften Saal neben Pfarrer Josef Konitzer auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und neben einigen Gemeinderäten auch Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) zu finden. Sofort marschierten daraufhin die Trommler mit Tambourmajor Horst Haack ein, und die Musikkapelle unter Leitung von Oliver Höhn spielte zu den Ehrentänzen auf. Traditionell, wie sich das für einen Trachtenball gehört, dann das weitere Programm: Erst sprangen die Schellenrührer daher, und zwar wie in Garmisch üblich im Doppelpack zuerst mit eisernen und dann mit hölzernen Schellen. Die zwei Untersberger Mandl und die beiden Riesen-Weiber, die es nur unterm Kramer gibt, tanzten ihren ganz speziellen Rhythmus. Die Nachwuchs-Plattler erfreuten mit dem „Werdenfelser“, später auch mit dem Bandltanz.

Zwischendrin dann die in Garmisch stets sehr aufwändig gestalteten Lach-Sketche – ein paar Ehrengäste wurden als Opfer auserkoren: Der Landrat, Festzeltwirt Josef Adlwärth sowie die Trachtlerchefs Hans Schmid junior aus Farchant und Toni Fritz aus Grainau mussten gegen Mitglieder des Garmischer Trommlerzugs antreten und hatten nicht ganz leichte Geschicklichkeitsspiele zu absolvieren: Speer musste ein Radlrennen fahren – und verlor. Adlwärth sollte unter mehreren Bieren sein eigenes herausfinden – und verlor. Fritz durfte einen Stapel Biertragl emporklettern – und verlor. Ebenso wie Schmid, dem es zukam, mit einem Mini-Plastikauto durch den Saal zu kurven. Womit er schon deshalb chancenlos war, weil das Gefährt unter seinem Gewicht zusammenkrachte.

Spöttischer ZDF-Fernsehgarten

Sehr vergnüglich auch der „Auftrieb“ von ein paar Dutzend Nachwuchs-Maschkera in originalgetreu gefertigtem Mini-G’wand. Damit nicht genug, war gegen Ende des Abends noch ein spöttischer „ZDF-Fernsehgarten“ angesagt. Der fing damit an, dass sich der Garmischer Mesner weigerte, sein Glockengeläut’, das den TV-Sound gestört hatte, abzustellen. Anschließend verrieten im Interview wichtige Menschen einige Tipps aus ihrer beruflichen Karriere: Ein Bauer mit ziemlich viel Mist vor dem Haus bezeichnete seinen Hof als edles neues Landwirtschafts-Museum. Und ein Schrott-Musikant namens Dany zeigte, wie unendlich lang er mit weit offenem Mund jodeln kann.

Wolfgang Kaiser

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