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From Russia with speed: Das Team Aschau gewinnt mit Sowjetmützen das historische Bobrennen.

Faschingsaktion des Trachtenvereins Eschenlohe

Riesengaudi auf historischen Bobs in Eschenlohe

Da bleibt kein Auge trocken: Bunt kostümierte Teilnehmer rasen in Eschenlohe den Berg hinunter.

Eschenlohe – Mitten in der Idylle am Wengerer Hof mit den Alpen im Hinter- und den Haflingern im Vordergrund tuckert ein Traktor durch den Schnee: Landwirt Josef Huber hat im Schlepptau historische Viererbobs mit Piloten wie Asterix und Obelix, Prinzessinen oder Waldfeen. Die 100-PS-Maschine stemmt diese insgesamt rund fünf Tonnen hinauf bis zum Startpunkt des Bobrennens oberhalb der Brücke zur Asamklamm. „Eine echte Gaudi“, verspricht der Trachtenvereins-Vorsitzende Johann Demmel – und tatsächlich: Das historische Schlitten- und Bobrennen ist eine gelungene Mischung aus Faschingsfrohsinn, Sportspaß und Improvisationstheater.

Historisches Schlitten- und Bobrennen in Eschenlohe - die besten Fotos

Die fast 30 Teilnehmer jagen bunt kostümiert auf den teilweise bis zu 80 Jahre alten Bobs mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Kilometer pro Stunde die Piste hinunter in das Stadion, das der Trachtenverein aus dem Boden gestampft hat. Es herrscht beste Volksfeststimmung, als das Vorstandsteam um Demmel das Rennen eröffnet und gleich eine Topzeit hinlegt, die später sogar zur Silbermedaille führt. „Wir sind ja gute Gastgeber und wissen, was sich gehört: Gewinnen wollten wir nicht“, sagt Lenker Anton Oswald, auf dessen Initiative die Tradition des Bobsports in Eschenlohe vor zehn Jahren wieder aufgenommen wurde.

Bei der diesjährigen Auflage laufen auch geopolitisch alle Fäden in Eschenlohe zusammen. Denn das Team Brexit hat Schwierigkeiten mit dem Material: Mitten auf der Strecke bricht eine Kufe ab, das Quartett mit dem Union Jack stottert sich förmlich über die Ziellinie. Bremser Beppo Geiger hält das verbogene Eisen als Beweisstück in die Luft. „Das ist der ,harte Brexit‘“, sagt seine Teamkollegin Antonia Samm. Und den kann natürlich auch im Bobsport niemand wollen: Die (Nach)-Verhandlungen mit der Wettkampf-Kommission führen zur Einigung. Das Team ihrer Majestät bekommt einen neuen Schlitten gestellt – „Comeback before you leave“. Dank günstigen Windsor-Verhältnissen geht es für die Briten weiter.

Die „Queen“ is very amused und rockt auch auf der Piste: Liesl mit Stirnband, Schnurrbart und Brusthaartoupet landet beim Freddie-Mercury-Ähnlichkeitswettbewerb in den Topcharts, genau wie Hanny als Gitarrist Brian May und die doppelte Regina als Schlagzeuger Roger Taylor und Bassist John Deacon. Bei ihrem Live-Auftritt im Bob singen die vier „Queens“ natürlich: „We are the champions.“ Das Lied müsste aber eigentlich in russischer Version erklingen: Denn am schnellsten sind vier Bobpiloten aus Aschau mit sowjetischen Mützen, die dem Quartett ein Spezl von Olympia 2014 aus Sotschi mitgebracht haben will. 

Genauso unglaublich, aber wirklich wahr: Anschieber Toni Höck nimmt die Fahrt nach einem Trainingsunfall vor zwei Wochen mit einem geschienten Daumen in Angriff. Am späten Nachmittag stemmen die Aschauer Russen den Wanderpokal in die Höhe. „Nun ist Open End“, sagt Moderator Oswald – und es verdichten sich Gerüchte, dass es für den ein oder anderen Bobpiloten im Stadionrund nun gefährlicher als auf der Piste werden dürfte. „Gott sei Dank ist nichts passiert“, sagt Martin Jais und spricht damit auch den drei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Bayerischen Roten Kreuzes aus dem Herzen, die ihre Gastfahrt unter der sicheren Leitung von Feuerwehrmann Dominikus Bayerlacher im Sani-Bob „schon etwas abenteuerlich finden“. Jais hat den ganzen Tag mit anderen Helfern immer wieder zur Schaufel gegriffen: Die Bedingungen an der Piste und im Stadion sind nahezu perfekt.

Das ist Verdienst einer intakten Vereinskultur: Die Teletubbies auf Rang 23 machen zunächst „Winke, Winke“ im Bob und übernehmen vor und nach ihrer Fahrt die Bewirtung. Bei Schriftführer Andreas Hoyer und seiner Frau Monika finden Einschreibungen und Ergebnisverwaltung statt. Auch Obelix kommt hier vorbei und erklärt, warum die Aschauer Kollegen und nicht sein Team den Pokal erhalten: „Wir mussten auf der Fahrt noch ein paar Wildschweine jagen, ein paar Römer im Wald vermöbeln. Und dann hatten wir doch Methusalix als Anschieber.“ Alte Männer müssen aber nicht zwingend langsam sein, wie das Schlittenrennen zeigt: Hier holen sich die Ü50-Routiniers Rupert Mader, Hans Wolf und Bernd Wagner die Medaillen. Bei den ganz jungen Talenten gewinnen Seppi Wakolbinger und Martin Wolf. Der Bobtag bietet eine Gaudi für mehrere Generationen.  

Nico Schwarze

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