Von Feierlaune keine Spur

Murnau - Vier Jahre nach der Wahl hat die Murnauer CSU die absolute Mehrheit im Gemeinderat zurück. Doch von Euphorie keine Spur. Die Christsozialen setzen auf "konstruktive Zusammenarbeit".

Bei den Kommunalwahlen 2008 hatten die Murnauer Christsozialen noch gehofft, die absolute Mehrheit halten zu können. Auch aufgrund eines landesweiten Trends vergeblich. Ein „nicht zufriedenstellendes Ergebnis“ (Bürgermeister Dr. Michael Rapp, CSU) und ein „nicht idealer Ausgang“ (Harald Kühn, noch als Murnaus CSU-Ortsvorsitzender) lautete das Fazit. Für die Zukunft hatte Rapp, der als Bürgermeister mit einem Spitzenergebnis von 58,88 Prozent im Amt bestätigt worden war, auf eine „parteiübergreifende Zusammenarbeit“ und „gestalterische Mehrheiten“ im Gemeinderat gesetzt. Durch den vor einer Woche vollzogenen Kurswechsel von Gemeinderätin Barbara Grabmaier raus aus ÖDP/Bürgerforum rein in die CSU (wir berichteten) haben die Christsozialen die absolute Mehrheit im Gemeinderat zurück. Doch die Euphorie über den unerwarteten Etappensieg hält sich in Grenzen.

Damit, dass sich urplötzlich solche neuen Konstellationen ergeben, habe er „absolut nicht gerechnet“ und sei auch nicht „darauf vorbereitet“ gewesen, sagt Rapp. Schließlich sei man bis dahin mit dem Bruch in der SPD-Fraktion „ausreichend beschäftigt“ gewesen. Im Moment wundere er sich „wie jeder andere Bürger“ auch, welche Gründe zu solchen Zerwürfnissen innerhalb der SPD und jetzt auch bei ÖDP/Bürgerforum und Freien Wählern führen konnten. „Aber eigentlich haben das die Betroffenen ja hinreichend selbst beantwortet. Ganz offensichtlich hat es interne Meinungsverschiedenheiten über Inhalte, Stil, Ausrichtung der Politik vor Ort und respektvollen Umgang gegeben.“ Entwicklungen, von denen der ehemalige Gymnasiallehrer grundsätzlich nicht viel hält. „Destruktive Verhaltensweisen gibt es in Parlamenten, in einem Gemeinderat haben diese nichts zu suchen. Doch das scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein.“ Die Vorgehensweisen von Grabmeier und auch von Andreas Müssig (dieser hatte zeitgleich mit Grabmaier den Rücktritt von den Freien Wählern erklärt) nimmt Rapp in Schutz. „Es gilt die Persönlichkeitswahl. Es kann niemand gezwungen werden, sein Mandat zurückzugeben, das muss jeder selbst entscheiden.“

Für die Zukunft beabsichtigt er, an den Vorsätzen von 2008 festzuhalten. Die Verschiebung der Machtverhältnisse solle jedenfalls keinerlei Einfluss auf die künftige Arbeit im Gemeinderat haben: „Ich habe immer auf ein konstruktives und parteiübergreifendes Miteinander gesetzt, nicht erst seit 2008, auch schon zuvor.“

In die selbe Kerbe schlägt der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde, Josef Bierling. „Für mich existiert der Begriff absolute Mehrheit nicht“, sagt er. „Ich habe damals gesagt, Leute, da bricht keine Welt zusammen. Jetzt müssen wir erst mal abwarten, wie es weitergeht.“ Das Miteinander und die Stimmung sei in den folgenden Jahren mitunter schon schwierig gewesen, aber es hätten sich immer ganz wechselnde Mehrheiten gebildet und auch mit unterschiedlichen Meinungen sei etwas zustandegebracht worden. „Eigentlich müssen immer alle an einem Strang ziehen, da haben politische Scharmützel nichts zu suchen.“ Die bittere Erkenntnis sei, „dass man das leider nicht immer ganz verhindern konnte“. Die aktuelle Entwicklung findet Bierling interessant. „Es ist schon seltsam, wenn man vier Jahre später sieht, dass es genau in den Gruppen, die die absolute Mehrheit brechen konnten, jetzt funkt und knatscht. Vielleicht ein Zeichen, dass diese Bemühungen damals überzogen waren.“ Jetzt müsse man zusehen, dass Sachthemen wieder in den Vordergrund gerückt werden, und, „dass auch Leute wie Andreas Müssig weiter mit Informationen versorgt werden“.(sp)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ticker zur Stichwahl im Landkreis: Beuting und Koch triumphieren - Sensation in Mittenwald
Das war spannend: Jetzt stehen die Ergebnisse der Stichwahlen fest. Zwei Bürgermeister müssen abdanken. 
Ticker zur Stichwahl im Landkreis: Beuting und Koch triumphieren - Sensation in Mittenwald
Nicht alle sind einsichtig: Samstag einsatzreichster Tag seit Ausgangsbeschränkung
Viele halten sich an die Regeln, viele aber eben auch nicht: Viele Ausflügler fuhren am Samstag in die Berge. 
Nicht alle sind einsichtig: Samstag einsatzreichster Tag seit Ausgangsbeschränkung
Kommunalwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Ergebnisse der Stichwahlen
Die Ergebnisse der Kommunalwahl 2020 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Landrat, Bürgermeister, Gemeinderäte und Kreistag im Überblick.
Kommunalwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Ergebnisse der Stichwahlen
Corona-Ticker: Kloster versorgt Klinikum mit Desinfektionsmittel - Zahl der Erkrankten knackt 100er-Marke
Die Auswirkungen des Corona-Virus sind auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen immer weiter spürbar. Alle aktuellen Infos entnehmen Sie unserem News-Ticker. 
Corona-Ticker: Kloster versorgt Klinikum mit Desinfektionsmittel - Zahl der Erkrankten knackt 100er-Marke

Kommentare