Nachdenklich und aufmerksam lauschen die zahlreichen Besucher dem Bericht von Saif aldin alkhayer. Der Syrer erzählt, was ihn zur Flucht aus seiner Heimat bewogen hat und wie beschwerlich sich diese gestaltete. Fotos: Feldmann

Fest der Begegnung: Ein Tag voller Menschlichkeit

Bad Kohlgrub - Tragische Schicksale, helfende Hände und viele Kontakte: Das Fest der Begegnung in Bad Kohlgrub brachte Einheimische und Asylbewerber an einen Tisch. Die Flüchtlinge bekamen das Gefühl, willkommen zu sein.

Eine Telefonnummer nehmen Amparo und Wieland Gaum mit nach Hause. Es ist die Nummer eines Flüchtlings, für den sie in Murnau eine Unterkunft finden möchten. Die beiden sind am Samstag nach Bad Kohlgrub zum Fest der Begegnung gekommen, um sich zu informieren, wie sie helfen können. Viele weitere Menschen taten es ihnen gleich und verließen am Abend die Veranstaltung im Kursaal mit konkreten Plänen - sehr zur Freude der Organisatoren um Christian Staltmeir.

Amparo Gaum, die selbst vor 40 Jahren „freiwillig“, wie sie betont, aus Kolumbien nach Deutschland gekommen ist, wurde „trotzdem 17 Jahre von fürchterlichem Heimweh geplagt“. Deshalb könne sie sich gut in die Gefühlslage der Flüchtlinge hineinversetzen. Mit ihrem Mann saß sie am Tisch von Rami Attal, seiner Frau Reham und ihren beiden Kindern Rafef und Nour und bemühte sich um eine Unterhaltung mit den Syrern. Die Sprachbarrieren waren groß, doch Saif aldin alkhayer, der sehr gut Englisch spricht und auch auf der Bühne als Dolmetscher fungierte, half, sie zu überwinden.

Wieland Gaum möchte eine Botschaft weitergeben: „Viele unserer Mitbürger sollten sich erinnern, dass ihre Eltern und Großeltern sehr glücklich waren, als sie nach ihrer Vertreibung in Deutschland auf Menschen trafen, die ihnen Unterkunft und Nahrung gaben - obwohl sie selbst zu dieser Zeit in großer Not waren.“ Bürgermeister Karl-Heinz Reichert sagte den Flüchtlingen: „Bleiben Sie, so lange Sie möchten. Behalten Sie ihre Tradition und Kultur. Nehmen Sie aber auch an unserem Leben teil und bereichern Sie sich daran.“

"Es ist schön, Menschen sagen zu hören, dass sie willkommen sind", sagte Saif aldin alkhayer. Er zeigte sich überaus glücklich über die vielen Menschen, die „wegen uns hierhergekommen sind und uns mit Menschlichkeit begegnen“.

Auch Saif ist ein Flüchtling, musste wegen der anhaltenden Gewalt seine Heimat verlassen. Dabei wollte er eigentlich bleiben und helfen: Als die Kämpfe ausbrachen, ging der 26-jährige Architekturstudent zu den Sanitätern, verarztete Verwundete auf den Straßen - und wurde selbst zur Zielscheibe. Denn niemand unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten. Saif entschied sich zur Flucht. Über die Türkei, Ägypten und Libyen gelangter er - in einem Nussschalenboot - nach Lampedusa in Italien. Von dort führte ihn sein Weg nach Deutschland.

Der Kursaal war zum Bersten voll, als Saif in sehr gutem Englisch über die Gründe und den Weg seiner Flucht erzählte. Nur das Klappern des Geschirrs unterbrach mitunter die angespannte Stille unter den aufmerksamen Zuhörern. Groß war die Anteilnahme - ebenso die Begeisterung der vielen Einheimischen: Am Abend beispielsweise wertschätzten sie das vielfältige Essen, das die syrischen Bürger trotz Ramadan zubereitet hatten, mit stehenden Ovationen.

„Die intensive Vorbereitung über drei Monate hat sich auf alle Fälle gelohnt“, zeigte sich Organisator Christian Staltmeir überzeugt. „Das Fest war ein Schritt in die richtige Richtung, und ich hoffe, dass die Flüchtlinge ihre Sorgen vielleicht für ein paar Stunden vergessen konnten.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Oberammergau: Arno Nunn kandidiert nicht mehr als Bürgermeister - und nennt die Gründe
Das hatten wirklich die Wenigsten erwartet: Arno Nunn dankt als Bürgermeister in Oberammergau ab. 
Oberammergau: Arno Nunn kandidiert nicht mehr als Bürgermeister - und nennt die Gründe
Taucher findet 1962 Elchgeweih: Nun müssen die Geschichtsbücher umgeschrieben werden
Ein Taucher hat es vor 57 Jahren aus dem Eibsee gefischt, erst jetzt ist das Elchgeweih untersucht worden. Durch die neuen Erkenntnisse müssen Geschichtsbücher …
Taucher findet 1962 Elchgeweih: Nun müssen die Geschichtsbücher umgeschrieben werden
Trotz Autoimmunerkrankung und vieler Operationen: Mann (56) besteigt Kilimandscharo
Er hat sich einen Lebenstraum erfüllt: Martin Müller aus Grainau hat sein Kilimandscharo-Projekt geschafft. Und sogar mehr, als ihm prophezeit wurde.
Trotz Autoimmunerkrankung und vieler Operationen: Mann (56) besteigt Kilimandscharo
Nach Verkauf: Zukunft von 258 Wohnungen in Ort ungewiss - Mieter geschockt: „Haben alle Angst“
258 Wohnungen haben in Garmisch-Partenkirchen den Eigentümer gewechselt. Unter den Mietern löst der Wechsel Ängste aus - nicht nur, weil die Mieten steigen könnten.
Nach Verkauf: Zukunft von 258 Wohnungen in Ort ungewiss - Mieter geschockt: „Haben alle Angst“

Kommentare