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Gruppenbild mit den beiden Preisträgern: (v. l.) Christoph Süß, Hans Angerer, Edgar Reitz, Gesche Piening, Rolf Beuting und Gabi Rudnicki.

Gala-Abend im Murnauer Staffelsee-Gymnasium

Filmemacher Edgar Reitz erhält Ödön-von-Horváth-Preis

Murnau - Der Filmemacher Edgar Reitz ist mit dem Murnauer Ödön-von-Horváth-Preis ausgezeichnet worden. Sein Schaffen ist eng mit dem Begriff Heimat verbunden. Die Laudatio hielt Schauspieler und Regisseur Henry Arnold.

Zum Thema Heimat hat Ödön von Horváth einmal kundgetan: „Ich wurde in Fiume geboren, bin in Belgrad, Budapest, Preßburg, Wien und München aufgewachsen und habe einen ungarischen Paß – aber: ,Heimat’? Kenn ich nicht.“ Er sei eine typisch alt-österreichisch-ungarische Mischung: magyarisch, kroatisch, deutsch, tschechisch – sein Name sei magyarisch, seine Muttersprache deutsch. Er freue sich seiner Heimatlosigkeit, „denn sie befreit mich von einer unnötigen Sentimentalität“. Das Schaffen von Edgar Reitz, der am Freitagabend im Murnauer Staffelsee-Gymnasium den diesjährigen Ödön-von-Horváth-Preis verliehen bekam, ist eng mit dem Begriff Heimat verbunden. Denn so heißt die Trilogie, die den Filmregisseur und Autor bekannt gemacht hat.

„Mir ist es immer darauf angekommen, dass Menschen klar definiert sind mit Ort und Zeit“, sagte der 84-Jährige in seiner Dankesrede. Und zwar so konkret, wie es Horváth auch immer gemacht habe. Beide, Horváth und Reitz, „interessieren sich für das, was man irgendwann mal die kleinen Leute genannt hat“, betonte der Schauspieler und Regisseur Henry Arnold in seiner Laudatio. Dass in Reitz’ Arbeiten viel Dialekt zu hören sei, habe seinen Grund. „Er hat oft mit Laien gearbeitet.“ Die Jury hatte die Entscheidung für Reitz unter anderem folgendermaßen begründet. „Edgar Reitz ist ein aufmerksamer Beobachter, der in feinen Strichen und ohne Spektakel erzählt.“ In seinem filmischen Großwerk „Heimat“ gelinge es ihm, die große Geschichte in kleinen Geschichten zu verdichten. „Der Mensch steht im Mittelpunkt, gezeichnet als Verlorener in immer komplexer werdenden gesellschaftlichen Gegebenheiten.“ Seine Charaktere träumten sich in eine andere Welt und sehnten sich nach einem Platz, wo sie wirklich dazugehören: eine Sehnsucht, die sie mit Horváths Figuren teilten. „Edgar Reitz setzt so auf filmische Weise fort, was Ödön von Horváth literarisch thematisiert hat: die Würde, aber auch die Abgründe des Einzelnen in den Wechselfällen der Zeit.“

Eigens für den Preisträger schuf der Bildhauer und Künstler Hans Angerer ein Kunstwerk, das Horváth und Reitz verbindet. Der Filmemacher dachte auf der Bühne laut darüber nach, was es mit dem „Gehäuse, das man nicht öffnen kann“ und „innen viele aufeinanderliegende Schichten“ beherbergt, auf sich haben könnte. Das Kunstwerk gefiel Reitz auf jeden Fall. „Sehr rätselhaft und schön“ sei es.

Den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis erhielt die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Gesche Piening. Die Begründung: In ihren Arbeiten stelle sie „die Fragen, die sich auch durch das Werk Ödön von Horváths ziehen – wie verstümmeln die Ansprüche auf sogenannte Professionalität, die der Kapitalismus von uns verlangt, unsere Lebensentwürfe?“ Um diesen Fragen nachzugehen, wähle Piening, ähnlich wie Horváth, die Mittel des Humors – eines Humors, der wie bei dem Dramatiker, kein befreites Lachen errege, sondern ein Lachen der Erkenntnis; vor allem der Erkenntnis der eigenen Unfreiheit. Die Jury urteilte, Piening sei „eine höchst schöpferische, anspruchsvolle und überaus witzige Künstlerin“. Die Förderpreisträgerin kritisierte in ihrer Dankesrede die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, speziell diejenige der Kreativwirtschaft. „Kunst braucht die Freiheit, Dinge zu thematisieren, die nicht mehrheitsfähig sind“, betonte die Münchnerin. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) erklärte, dass sich in Murnau das Verhältnis zu Horváth in den vergangenen 20 bis 25 Jahren geändert habe. Der Ort entdecke den Dramatiker für sich. Den Preis verleiht die Horváth-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Horváth-Gesellschaft alle drei Jahre. Die Moderation der Gala besorgte der Kabarettist Christoph Süß. Das Team der Horváth-Revue umrahmte den Abend mit Theater- und Musikeinlagen.

Roland Lory

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