Dunkle Wolken über Oberammergau. Der Ort muss Millionen zahlen. foto: dpa

Finanzamt fordert 5,6 Millionen Euro von Oberammergau

Oberammergau - Das Dorf muss plötzlich Steuern auf den Passions-Gewinn zahlen. Für Juli ist eine Sonder-Bürgerversammlung geplant.

„Begrüßung durch Bürgermeister Arno Nunn, Begrüßung durch Landrat Harald Kühn, Haushalts- und Finanzplanung 2012 bis 2019“: Auf den ersten Blick ist an der Tagesordnung für die Bürgerversammlung am 4. Juli in Oberammergau nichts Besonderes. Auf den ersten. Denn allein die Tatsache, dass die Gemeinde mitten im Sommer den Termin ansetzt, ist schon ungewöhnlich. Dass es dafür einen guten Grund gibt, erklärt Nunn mit deutlichen Worten: „Es wird sich gravierend etwas ändern“, sagt der Rathaus-Chef mit Blick auf die Finanzen: Oberammergau muss für die Passion 2010 Steuern zahlen. Der Bescheid des Finanzamtes beläuft sich auf 5,6 Millionen Euro - 5,6 Millionen mehr als geplant.

Der Brief vom Finanzamt liegt Nunn zufolge seit einer Woche auf dem Tisch. Das Geld sei bereits überwiesen, um nicht Gefahr zu laufen, Verzugszinsen zu zahlen. Dennoch sind die Gespräche mit dem Finanzamt - die Nunn als sehr offen und kooperativ bezeichnet - noch nicht abgeschlossen. „Wir versuchen, noch etwas zu verändern“, erklärt der Bürgermeister. Da die Verhandlungen schon eine Zeit lang laufen, kommt der jetzige Millionen-Bescheid nicht überraschend. Anders verhält es sich mit der Sache an sich: Denn in der Vergangenheit hatte die Gemeinde keine Steuern für den Passionsgewinn zu zahlen. „Man muss die Passion als Wirtschaftsunternehmen sehen“, erklärt Nunn. Bei dem konnte die Gemeinde stets die Gewinne mit anderen Posten verrechnen - zum Beispiel den Verlusten, die die gemeindeeigenen Tourismusbetriebe machen. „Wir haben faktisch keine Steuern gezahlt“, sagt Nunn über die 2000er-Passion. Seitdem habe sich das Steuer-Recht verändert, genauso wie die generelle Bewertung des Sachverhalts. Ein Plus kann nicht mehr mit einem Minus ausgeglichen werden. Deshalb fallen für die 37 Millionen Euro Gewinn, die Oberammergau bei der Passion 2010 gemacht hat, Steuern an.

„Der Bürger soll wissen, was passiert ist“, sagt Nunn, der bei der Versammlung am 4. Juli ins Detail gehen wird. Außerdem will er über die Zukunft reden. Denn mit der Steuerzahlung an sich ist das Thema noch nicht erledigt. Der Betrag fehlt nun in der Finanzplanung der Gemeinde, die trotz des großen Passions-Gewinns nicht auf die solidesten Finanzen blicken kann. Wie berichtet, schreibt sie allein mit dem Wellenberg beinahe eine Million Euro minus pro Jahr. 2008 stand der Ort am Abgrund, nur durch eine Bürgschaft des Freistaats konnte die Passion überhaupt finanziert werden. Eine Dramatik, von der das Dorf heute weit entfernt ist.

Dennoch hat der Steuerbescheid Nunn zufolge Auswirkungen. „Zum Beispiel auf die möglichen Investitionen bis 2014.“ Die Frage ist, was sich Oberammergau künftig noch leisten kann.

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