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Beste Lage: der alteingesessene Seehauser Familienbetrieb Fischerstüberl.

Es gab bereits einen fertigen Kaufvertrag

Fischerstüberl: Abriss rückt in den Fokus

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Seehausen - Das Lokal an der Seehauser Bootslände steht unter neuen Vorzeichen wieder zum Verkauf. Dass es bisher nicht geklappt hat, liegt laut des Maklers der Eigentümer an der Gemeinde. 

Die Gerüchte im Dorf schießen ins Kraut. Die Zukunft des Seehauser Traditionslokals Fischerstüberl, das durch Bestlage direkt am Staffelsee besticht, lässt Raum für Spekulationen. Bislang schwiegen Eigentümer Toni Neumeier (75) und seine Ehefrau Uschi Schmid, die das Liebhaber-Objekt aus Altersgründen seit längerem verkaufen wollen. Nun möchten sie, auch wegen der vielen Gerüchte, offenlegen, woran es hakt. Ihr Makler Wolfgang Sartory (Peißenberg) äußert dabei Kritik an der Gemeinde, die diese abprallen lässt.

Die Lage, der Ausblick: traumhaft. Das Gebäude selbst bedarf einer Sanierung. Aber das hätte einen Investor aus Niederbayern, der ein Faible für alte Gebäude hegt, offenbar nicht abgeschreckt, der das Fischerstüberl 2015 erwerben wollte. „Es gab einen komplett fertigen Kaufvertrag“, sagt Makler Sartory. Doch das Geschäft platzte. Denn: Der neue Eigentümer hätte trotz einer Millioneninvestition die Immobilie ohne die existentielle Terrasse mit Blick auf den See kaufen müssen. Diese gehört etwa ab Höhe des Endes der Treppe, die auf die Gastro-Freifläche führt, der Gemeinde. Und die lehnt es strikt ab, die geschätzt 150 Quadratmeter abzugeben oder sich über einen 20 Jahre laufenden Pachtvertrag zu binden. Neumeier beklagt, dass der Interessent dem Gemeinderat nicht einmal mehr persönlich sein Konzept habe unterbreiten können.

„Bei uns laufen alle gewerblichen Pachtverträge über drei Jahre und werden dann verlängert“, sagt Zweite Bürgermeisterin Inge Policzka (PWS). „Grundsätzlich verkauft die Gemeinde keine Grundstücke – sie kauft eher hinzu.“ Es bestehe keine Notwendigkeit, die Fläche abzugeben, „bis auf die, dass er einen Haufen Reibach macht. Ich kann eben nur das verkaufen, was mir gehört.“

Damit spielt Policzka auf Neumeier an, der das Fischerstüberl von den Eltern übernommen hat und seit 45 Jahren führt. Momentan hat das Lokal geschlossen, die Winterpause wurde erstmals über die Osterferien hinaus verlängert. Es bleibt unklar, ob Schmid/Neumeier das Fischerstüberl, in dem sie im Sommer bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen, wieder öffnen werden. Tendenz: eher nicht.

Zumindest begann nun eine neue Verkaufsrunde. Das Objekt wurde nach den Schwierigkeiten im September aus dem Angebot genommen, weil man einen zweiten Weg auftat, der abseits des Gemeindegrunds beschritten werden kann: Das Fischerstüberl darf abgerissen und nach hinten versetzt neu gebaut werden. So wird auf der Seeseite Fläche für einen Biergarten auf eigenem Boden frei. Den Antrag auf Vorbescheid hat das Landratsamt nach Angaben Sartorys im Februar bewilligt. Seit zwei Wochen steht das Fischerstüberl wieder zum Verkauf – diesmal im Bieterverfahren. Interessenten können zunächst bis Ende Mai ein Angebot abgeben. Sartory liegt keine konkrete Offerte vor, er verzeichnet aber Anfragen aus ganz Deutschland und gibt sich sehr zuversichtlich. Klar ist: Eine lukrative rein private Wohnnutzung – Villa statt Fischerstüberl – wird es nicht geben. Hier schiebt der Bebauungsplan einen Riegel vor.

Sartory versteht auch rückblickend nicht, warum sich die Gemeinde in der Frage des Grundverkaufs „nicht zugänglich“ gezeigt habe: „Es muss ihr doch am Herzen liegen, dass dort in exponierter Lage etwas weitergeht.“ Direkt unterhalb des Lokals lege das Fahrgastschiff an, Ruderboote würden verliehen, Seefeste gefeiert. Sartory vermutet, dass die Kommune über „ihre“ Terrasse Einfluss auf den künftigen Betreiber nehmen möchte, schildert gar seinen Eindruck, die Kommune wolle die Fläche „als Druckmittel einsetzen, um doch noch kaufen zu können“.

Policzka bezeichnet diesen Anschein als „völlig verkehrt“. Sie bestätigt, dass Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) Gespräche über einen Erwerb geführt habe, „aber da hat kein Weg hingeführt. Die Gemeinde würde das Grundstück kaufen, aber nicht zu diesem Preis“. Policzka sieht einen Neubau, für den auch der Gemeinderat gestimmt habe, als „vernünftige Lösung“. Dafür habe der Eigentümer zudem „alles, was er braucht“.

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