Fühlt sich in Kirchtürmen wohl: eine Fledermaus der Art Großes Mausohr. 250 dieser Tiere haben ihre Wochenstube in Seehausens Turmzwiebel. f.: Archiv

Fledermäuse fliegen auf St. Michael

Seehausen - Die Turmzwiebel der Seehauser Pfarrkirche bietet dem Großen Mausohr sehr gute Bedingungen. 250 Fledermäuse haben dort ihre Wochenstube eingerichtet.

Im Kirchturm der Seehauser Pfarrkirche St. Michael steckt mehr als „nur“ das neue Geläut. Viel mehr sogar: 250 Fledermäuse der Art Großes Mausohr haben ihre Wochenstube ganz oben in der Turmzwiebel eingerichtet. Dort ziehen die Weibchen ihre Jungen groß. Damit zählt die Gemeinde zum Kerngebiet dieser Gattung. „Wir haben eine besondere Verantwortung. Wir sind gefordert, die Art hier zu erhalten“, sagte der Biologe Ralph Hildenbrand bei einem Runden Tisch im Seehauser Pfarrheim mit Vertretern der Regierung von Oberbayern und des Bund Naturschutz, Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) und Pfarrer Robert Walter.

Zu diesem Treffen hatte die Bezirksregierung eingeladen, um über den Managementplan für das Gebiet der Fledermauskolonien im Südwesten Oberbayerns zu informieren. Dies ist Teil eines europäischen Biotopverbundes mit dem Namen Natura 2000. „Dieser Verbund ist einzigartig. Sowohl im Bezug auf die Zahl der beteiligten Staaten, als auch in seiner Qualität“, erläuterte Veronika Feichtinger von der Regierung von Oberbayern. Von Schweden bis Spanien, von Griechenland bis Nord-Irland ertreckt sich der Bereich von Natura 2000.

Für die Fledermauskolonien hat Hildenbrand nun einen Managementplan entwickelt, beruhend auf jährlichen Zählungen durch die Fledermaus-Koordinationsstelle. Der Plan wurde von den Mitgliedsstaaten übernommen und ist nun für staatliche Behörden verpflichtend. „Für Grundstückseigentümer haben die Maßnahmen nur Hinweischarakter, es besteht aber ein Verschlechterungsverbot“, sagte der Biologe.

In Bayern sei das Große Mausohr nicht gefährdet, aber es könne hier außerhalb von Gebäuden auch nicht überleben, so Hildenbrand weiter. Fledermäuse brauchen große, dunkle Räume, um dort ihren Nachwuchs - nur ein Junges pro Jahr - aufzuziehen. Kirchtürme sind deshalb besonders beliebt bei den fliegenden Säugetieren.

Die Wochenstube in Seehausen ist nach Ansicht des Experten in einem sehr guten Zustand. Als Grund dafür lobt er vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen der Pfarrei und der Koordinationsstelle für Fledermausschutz: „Die Kooperation bei den Zählungen und die Kommunikation laufen vorbildlich. Auch die Renovierung und die neuen Glocken wurden rechtzeitig abgesprochen, so hatten wir keinen Zeitdruck.“ Besser könne man sich dies „eigentlich nicht wünschen“.

Im weiteren Verlauf kam auch ein Anliegen von Pfarrer Walter auf den (Runden) Tisch. Die Dohlen in der Uffinger Kirche St. Agatha seien ein Problem. Die Holzstückchen, die sie zum Nestbau in den Turm bringen und dort verlieren, lägen herum und behinderten die freiliegende Maschinerie der Glocken und der Uhr. „Da kommen nunmal Natur und Technik zusammen, aber in Uffing beißt sich von dem her eben die Technik der 1950er Jahre mit den Dohlen“, beklagte der Pfarrer. Neulich erst hätten acht Feuerwehrleute das Leutwerk von Hölzern befreien müssen, ergänzte der Priester. Die Experten des Naturschutzes einigten sich letztendlich darauf, das Problem mit den Dohlen in Uffing noch einmal intern zu regeln und nach einer Lösung zu suchen.

Zum Ende überreichte Beate Geiger-Udod (Regierung von Oberbayern), die sichtlich zufrieden mit dem Verlauf der Sitzung und der gesamten Zusammenarbeit mit der Gemeinde war, Pfarrer Walter ein kleines Schild. „Fledermäuse willkommen“, steht darauf zu lesen. Danach besichtigte die Gruppe noch den Turm und sah sich das Zuhause der Großen Mausohren an, an deren Erhaltung Seehausen und die Naturschützer weiterhin arbeiten werden. Veronika Feichtinger fand zu diesem Anliegen ganz persönliche Worte „Als Katholikin sehe ich das vor allem so: Es geht um die Schöpfung. Ich bin ein Teil davon, die Fledermäuse sind es auch. Das soll erhalten bleiben.“

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