Rufen zu einer „Willkommenskultur“ auf: (v.l.) der evangelische Pfarrer Andreas Fach, Pastor a.D. Klaus Meyer (Baptisten), der katholische Diakon Klaus Remlinger und Dr. Hans W. Christmann (evangelische Gemeinde) präsentieren im Beisein von Bürgermeister Rolf Beuting (r.) den „Willkommmensgruß Murnauer Christen“. Foto: Jandretzki

Willkommens-Appell

Flüchtlinge: Kirchen setzen ein Zeichen

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Murnau - 13 Flüchtlinge werden am 10. März das Heim in Westried beziehen. Murnauer Kirchengemeinden werben in einem gemeinsamen Appell für eine Willkommenskultur.

Unzählige Menschen setzen sich ehrenamtlich ein für Menschen in Not, die ihre Heimat verlassen haben und in der Region Zuflucht suchen. Doch es gibt auch Ressentiments in der Bevölkerung. Der Murnauer Diakon Klaus Remlinger etwa spricht von einem „negativen Vorfall in einer Garmisch-Partenkirchner Kirche“: Niemand habe sich neben einen Asylbewerber aus Nigeria setzen oder ihm zum Friedensgruß die Hand reichen wollen. Der katholisch getaufte Mann wandte sich daraufhin den Zeugen Jehovas zu.

Vorfälle wie diese möchten Kirchenvertreter in Murnau verhindern. Katholische, Evangelische und Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) machen dabei auf breiter Basis gemeinsame Sache - und setzen ein deutliches Zeichen. Sie haben einen „Willkommensgruß Murnauer Christen“ verfasst, in dem sie ihre Mitglieder an das Gebot der Nächstenliebe erinnern und unter anderem zu Toleranz, Gastfreundschaft und Respekt aufrufen. „Wir wollen als Christen dazu beitragen, dass in unserem Ort ein Klima der Akzeptanz entsteht, unabhängig von Herkunft, Religion und Nationalität“, heißt es in dem Aufruf, der vor allem in den Gotteshäusern sowie an gemeindlichen Stellen aushängen wird. Am Mittwoch wurde er im Rathaus vorgestellt.

Die Initiative entstand angesichts „bestehender Ausländerfeindlichkeiten“, die sich etwa in der Pegida-Bewegung äußerten, erkärt Dr. Hans W. Christmann von der evangelischen Gemeinde, der den gemeinsamen Appell letztlich verfasst hat. Im Fall von Moosrain seien ebenfalls negative Stimmen aufgekommen - auch wenn es hier „keine Bewegung“ gebe, wie Pastor a. D. Klaus Meyer (Baptisten) sagt. „Das läuft hier eher unterschwellig.“ Der evangelische Pfarrer Andreas Fach ergänzt, man müsse „die schweigende Mehrheit mobilisieren und stärken“, die für die Aufnahme von Flüchtlingen in Not sei.

Die ersten 13 von bis zu 45 Asylbewerbern werden am Dienstag, 10. März, in Murnau eintreffen. Dabei handelt es sich nach Angaben von Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) um zwei Familien mit jeweils zwei Kindern, drei Einzelpersonen und ein Paar. Ihre Nationalitäten seien noch unklar, sagt Beuting - und sie soll „für uns als Christen“ auch keine Rolle spielen: „Wir nehmen die Flüchtlinge so auf, wie sie kommen.“ Für ihn sei wichtig, „dass wir nicht anfangen, die Menschen in zwei Gruppen zu teilen - in gute und schlechte Flüchtlinge.“ In der Gemeinde landeten mittlerweile keine Proteste mehr gegen die Unterkunft in Moosrain/Ortsteil Westried. Der Bürgermeister, selbst im kirchlichen Engagement zu Hause, begrüßt die Initiative der drei Gemeinden sehr: „Es ist wichtig, dass wir dieses Zeichen setzen.“

In der Praxis fühlen sich bereits Asylbewerber in Murnau willkommen. So besuchten drei Nigerianer, in Weilheim untergebracht, „bei uns den Gottesdienst“, sagt Pastor a. D. Meyer. Und Pfarrer Fach ruft in Erinnerung, welch „unterschiedliche Gruppen“ sich in Murnau für die erwarteten Flüchtlinge einsetzen: „Das ist eine große Chance für den Ort und eine wunderbare Entwicklung.“

sj

Der Willkommensgruß der Kirchen im Wortlaut:

Wir Murnauer Christen heißen die zu uns kommenden Asylbewerber und Flüchtlinge herzlich willkommen! Vergessen wir nie die schrecklichen Irrwege, welche die Menschheit gegangen ist bis sie die in der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen und im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbrieften Freiheits- und Gleichheitsrechte erlangen konnte. Diese für uns selbstverständlichen Rechte werden jedoch in weiten Teilen der Welt mit Füssen getreten. Menschen werden misshandelt, verfolgt und getötet, allein weil sie anderen Geschlechts sind, allein weil sie von anderer ethnischen Herkunft sind, allein weil sie einen anderen Lebensstil pflegen oder einen anderen Glauben haben. Zu oft geschieht dies im Namen Gottes. Dem entgegen steht das biblische Gebot der Nächstenliebe. Dieses Gebot verpflichtet uns Christen zum Einstehen für den Schwächeren, zur Gastfreundschaft mit dem Fremden und zur Solidarität mit den Verfolgten. Asylbewerber und Flüchtlinge sind keine Terroristen! Sie sind Menschen in Not, die unserer Zuwendung und Hilfe bedürfen. Asyl ist ein Menschenrecht und Menschenrechte entspringen christlichem Denken. Wir wollen als Christen dazu beitragen, dass in unserem Ort ein Klima der Akzeptanz entsteht unabhängig von Herkunft, Religion und Nationalität.

Vor etwas mehr als 70 Jahren mussten auch Deutsche ins Ausland fliehen, um Verfolgung und Tod zu entgehen. Wie dankbar waren sie in der Fremde eine Heimat zu finden. · Seien wir offen und tolerant! · Stellen wir das Gemeinsame über das Trennende! · Begegnen wir allen mit Güte und Respekt! · Zeigen auch wir Dankbarkeit! · Bieten wir den bei uns Schutzsuchenden Zuflucht und Sicherheit! · Begrüßen wir sie als Gäste und heißen sie willkommen! · Nehmen wir sie in unserer Mitte auf und schenken wir ihnen unsere Gastfreundschaft!

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