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Grundsätzlich ist die Stimmung in Mittenwald - wie hier beim Willkommensfest - gut. 

Hausbesitzerin sind Autoreifen zerstochen worden

Flüchtlinge zwischen den Fronten

Mittenwald - Zu kurzfristig, zu überrumpelt, zu klein – die Anwohner „Am Gerber“ haben deutliche Worte bei der vom Ausländeramt einberufenen Versammlung gefunden. Grund ist das geplante Asylbewerber-Wohnheim – und Streit unter Nachbarn.

Besitzerin Edith Fehrenbach will den Flüchtlingen helfen – so wie es ihre Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg bereits taten. Deshalb hat sie mit ihrer Familie nicht mehr genutzte Ferienwohnungen für die Unterbringung von Asylbewerbern angeboten. Sehr zu Freude von Florian Hibler vom Ausländeramt des Landkreises. Die Pläne der Behörde, das Angebot anzunehmen und 25 Menschen in den Mittenwalder Ortsteil „Am Gerber“ zu schicken, sorgen nun für großen Ärger. Und das aus mehreren Gründen.

Hauptsächlich fühlen sich die 17 Nachbarn „überrumpelt“, wie Karl Stelzer bei der von Hibler einberufenen Anliegerversammlung am Donnerstagabend im Mittenwalder Rathaus deutlich machte. Denn die Flüchtlings-Nachrichten habe es nur vom Tagblatt gegeben – nicht von offizieller Seite. „Das war so nicht geplant“, versuchte Hibler zu schlichten. Und fügte an: „Von uns ist diese Information nicht als erstes an die Presse gelangt.“

Auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) versicherte, dass sein Amts-Apparat „mit hoher Transparenz“ arbeite. Erst wenn „Fakten vorliegen“, würde sich die Gemeinde, die in „engem und vertrauensvollem Austausch mit dem Landratsamt“ steht, an betroffene Anwohner richten. Er habe bis Ende des Jahres selbst nur gewusst, dass „eine Liegenschaft im Ort gefunden wurde“. Mehr nicht. Hibler erklärte, dass auch er erst „nach dem offiziellen Unterzeichnen des Vertrages“ die Nachbarschaft informieren kann. Und streng genommen, wäre er „dazu eigentlich nicht verpflichtet“. Doch sei es Hiebler persönlich wichtig, die Wogen am Gerber zu glätten. Dort findet in der kommenden Woche mit der Vermieter-Familie Fehrenbach eine Vorort-Besichtigung statt. Was der vielbeschäftigte Landratsamt-Mitarbeiter nicht ahnen konnte: Die neue Asylwerber-Unterkunft gerät mitten zwischen die Fronten eines Nachbarschaftsstreits.

„Ich habe ja überhaupt nix dagegen, dass Asylwerber kommen, solange wir unsere Ruhe behalten dürfen“, machte Stelzer deutlich. Allerdings bezweifeln er und sein Anlieger-Kollege Hermann-Otto Bohrmann, dass die vorgesehene Unterkunft geeignet ist. Außerdem wären es „zu viele“ für den überschaubaren Ortsteil, unterstrich Bohrmann. Der Oberstabsfeldwebel hat arge Bedenken: „Im Verhältnis wäre das so, als würde Mittenwald mit seinen etwa 7200 Einwohnern über 8500 Flüchtlinge aufnehmen“. Zudem sei der Weiler sehr abgeschieden und großteils überhaupt nicht durch Straßenlampen beleuchtet. Ins gleiche Horn stößt auch Stelzer, der „vor Jahren“ bereits einen Antrag an die Gemeinde gestellt hat, neuralgische Stellen zu beleuchten. „Wir werden das baurechtlich prüfen lassen“, versicherte Hornsteiner.

Edith Fehrenbach wird als Hausbesitzerin künftig auch die Heimleitung des ehemaligen Haus Bergwald übernehmen. Sie ist entsetzt darüber, dass ihr Unbekannte vergangene Woche die Autoreifen zerstochen haben. Mit dem Ausländeramt sei sie schon im Frühjahr 2015 in Kontakt getreten. „Wir sind gespannt, was da auf uns zukommt.“ Ein wichtiges Anliegen war ihr, nur Familien aufzunehmen. Dazu wäre ihr Haus geeignet.

Währenddessen schwor Hibler die Mittenwalder auf 2016 ein: „Es werden nach unseren Prognosen noch etwa 2500 Flüchtlinge heuer in den Landkreis kommen“. Neben potenziellen Häusern in Krün und Wallgau wäre auch „ein drittes in Mittenwald“ durchaus denkbar. Und er fand klare Worte: „Wir müssen auf kommunaler Ebene ausbaden, was in der großen Regierung gerade geschieht.“

Josef Hornsteiner

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