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Soll verkauft werden: der „Seehaus“-Komplex (hinten) am Seewaldweg. 

Kritik an Informationspolitik des BRK

Flüchtlinge im "Seehaus": Heimbeirat fühlt sich übergangen

Murnau - Die geplante Verlegung der 28 Bewohner des BRK-Seniorenheims „Seehaus", das zumindest vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll, schlägt hohe Wellen. Der Heimbeirat fühlt sich übergangen.

Der Heimbeirat der sozialen Einrichtung fordert, den Fokus zuerst auf die dort lebenden, älteren Herrschaften zu lenken. Denn: „Diese sind es nämlich, die ihre gewohnte Umgebung verlassen und mit einem neuen Umfeld klar kommen müssen. Erst wenn dieser Vorgang mit einem akzeptablen Ergebnis abgeschlossen wurde, kann der zweite Schritt, die Aufnahme von Flüchtlingen, in Angriff genommen werden“, erklärt das Gremium in einer Stellungnahme ans Tagblatt. Die Flüchtlingskrise dürfe nicht dazu führen, „dass die Bewohner mit erhöhtem Risiko unter Zeitdruck umgesiedelt werden“. Der Heimbeirat vertritt die Interessen der Senioren, setzt sich aus deren Vertretern sowie aus Angehörigen zusammen.

Der Betreiber des Seniorenwohnen Ruhesitz Staffelsee, die Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), will das „Seehaus“, das sich auf Seehauser Flur befindet, verkaufen. Es wird unter anderem auf eine geringe Auslastung verwiesen. Die pflegebedürftigen Bewohner sollen, dem Vernehmen nach bereits ab Januar, ins naheliegende Hauptgebäude am Garhöll, das auf Murnauer Gemeindegebiet liegt, verlegt werden. Im „Seehaus“ sollen im Zuge einer Übergangslösung - die Rede ist von zwei Jahren - bis zu 140 Migranten untergebracht werden.

Der Heimbeirat beklagt in dem besagten Schreiben, das der stellvertretende Vorsitzende Klaus Bischl der Redaktion zugeschickt hat, die Informationspolitik des BRK. Man sei viel zu spät - laut Bischl am 4. Dezember - über die Pläne in Kenntnis gesetzt worden und unterliege offiziell bis jetzt der Schweigepflicht. „Die vom Gesetzgeber gewünschte Mitwirkung des Beirats bei den anstehenden Veränderungen konnte so noch nicht wahrgenommen werden“, heißt es in der Erklärung. Der gewählte Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Vorhabens vor Weihnachten sei „absolut inhuman“. Es sei auch bedauerlich, dass jetzt in den Medien vordergründig der zweite Schritt, nämlich die Flüchtlingsfrage, vor dem ersten diskutiert werde. Dabei gehe es darum, Bewohner mit verschiedenen Pflegegraden und teilweise Demenzerkrankungen zwangsweise umzusiedeln. „Ohne gravierende Nachteile wie zum Beispiel Orientierungsverlust wird das in Einzelfällen nicht abgehen. Die Heimleitung ist gefordert, den Umzusiedelnden die geringstmöglichen Nachteile aufzubürden“, fordert der Beirat. Dieser ist nach eigenen Angaben bestrebt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mitzuwirken.

„Wir werden bei jedem Einzelfall mitreden“, kündigt Bischl an, dessen Mutter ebenfalls von dem Umzug betroffen ist. Heimleitung und Träger hätten, so der Beirat in der Stellungnahme weiter, eine Lösung aller Probleme, wie gesetzlich vorgeschrieben, zugesagt, jedoch bislang noch keine Vorschläge zur Diskussion vorgelegt. Von dem Plan, das „Seehaus“ aufzugeben, scheint der Beirat nicht überzeugt zu sein: „Da sich der Bedarf an Pflegeplätzen von heute 2,6 Millionen Pflegebedürftigen bis zum Jahre 2050 etwa verdoppeln soll, sehen wir einen Abbau von Seniorenheimplätzen äußerst kritisch.“ Es wäre daher sinnvoll, dass Seehausen am bestehenden Bebauungsplan festhält, „weil nach unserer Überzeugung jede Kommune in Zukunft mehr Platz für ihre Senioren brauchen wird und dort zum Beispiel zweckgebundene Bauten für betreutes Wohnen mit dem Heim nebenan denkbar sind“. 

Andreas Seiler

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