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Über 350 Zuhörer waren zur Gründungsversammlung des Fördervereins „Unser Ammergebirge“ nach Schwangau gekommen

In Schwangau gründet sich ein Förderverein „Unser Ammergebirge“ - Auf Anhieb 300 Mitglieder

Allianz gegen Nationalpark geschmiedet

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Die Gegner eines Nationalparks Ammergebirge machen mobil und gründen einen Förderverein.

Schwangau – Nein, sie trauen dem (momentanen) Frieden nicht. Auch wenn es derzeit wieder etwas ruhiger geworden ist um Bestrebungen, im Ammergebirge einen Nationalpark einzurichten und sich der Fokus aktuell eher auf den Spessart und die Rhön richtet.

Ein klares Signal ist am Mittwochabend im Schlossbrauhaus zu Schwangau ausgesendet worden, wo vor über 350 Besuchern der Förderverein „Unser Ammergebirge“ ins Leben gerufen wurde. Die Botschaft war eindeutig: „Wir wollen keinen Nationalpark!“ Als Ziele in der Satzung verankert sind „die Vertretung kulturlandschaftlicher Interessen, ein sinnvoller Naturschutz nach dem Motto ,Schützen und Nützen’ durch den Erhalt einer nachhaltigen Nutzung des gesamten Ammergebirges sowie die Sicherung der bäuerlichen Kulturlandschaft“. Diese Allianz fußt auf einer landkreisübergreifenden Initiative der Regionen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Ostallgäu.

„Gleichgewicht in der Balance halten“

Nach wochenlangen, intensiven Vorbereitungen ging die Gründungsversammlung, die der Schwangauer Forstdirektor Robert Berktold leitete, reibungslos, zügig und harmonisch über die Bühne. Schwangaus Erster Bürgermeister Stefan Rinke hieß auch die Besucher von auswärts willkommen; unter anderem aus Unter- und Oberammergau sowie Ettal, die gleich mit einem ganzen Bus ins Schwäbische aufgebrochen waren. Rinke unterstrich, wie wichtig es sei, eine jahrhundertalte, von Menschenhand gepflegte Kulturlandschaft so zu erhalten, „dass das Gleichgewicht nicht aus der Balance gerät“. Durch einen Nationalpark bestehe die ernste Gefahr, dass so eine Entwicklung ausgelöst werde.

Der einstimmig gewählte Vorstand des Fördervereins mit dem 1. Vorsitzenden Michael Weisenbach (vorne in der Mitte).

Auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) bezog klar Position in dieser Frage: „Es gilt, ein solches Gebilde mit allen Mitteln zu verhindern. Zwei Drittel der Landkreis-Fläche sind schon in verschiedenen Programmen unter Schutz gestellt, weitere Schutzgebiete brauchen wir nicht mehr. Wenn wir schon einen Nationalpark hätten, wäre beispielsweise die neue Seilbahn auf die Zugspitze nie genehmigt und nie gebaut worden.“

Auf einer Linie mit Speer in dieser Frage outete sich auch die CSU-Landtagsabgeordnete (und Kreisbäuerin) Angelika Schorer aus Jengen bei Buchloe: „Es ist wichtig, dass wir in dieser Sache zusammenstehen, auf schwäbischer und oberbayerischer Seite.“ Klartext redete ihr Freie-Wähler-Kollege Dr. Leopold Herz aus Wertach: „Wir müssen diesen Unsinn mit aller Macht verhindern. Das schönste Holz im Wald verfaulen zu lassen, wäre ein Hohn. Wir müssen da ein Zeichen setzen.“ Dass der Herr Seehofer aus einer gewissen Bierlaune heraus einen dritten Nationalpark gefordert habe, „das ist nicht unser Weg!“

Nach diesen Statements der Politik ging Versammlungsleiter Berktold mit den Anwesenden den Satzungstext Punkt für Punkt durch, wobei es hier nur wenige Einwände beziehungsweise Fragen gab. Der Jahresbeitrag wurde auf zehn Euro festgelegt, im Falle einer Vereinsauflösung fällt das Kassenvermögen den Einrichtungen der Diakonie in der Herzogsägmühle bei Peiting zu.

Dann war es soweit: Pünktlich um 21 Uhr votierten die Anwesenden per Akklamation mit grünen Stimmkarten einstimmig für die Gründung des Fördervereins. Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn, ebenfalls in Schwangau vor Ort wie Ammergauer-Alpen-Chef Florian Hoffrohne, kommentierte diesen Moment so: „Wenn die Politik sagt, dass sie beim Thema Nationalpark nichts gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen will, dann war dies heute ein klares Signal!“

Der Vorstand

1. Vorsitzender: Michael Weisenbach (Schwangau)

2. Vorsitzende: Klaus Mielich (Schwangau) und Robert Stumpfecker (Unterammergau)

Schriftführerin: Carolin Klughammer (Schwangau)

Kassier: Klaus Linder (3. Bürgermeister Halblech)

Beisitzer: Anton Speer (Landrat, Unterammergau), Johann Gschwill (1. Bürgermeister Halblech), Stefan Rinke (1. Bürgermeister Schwangau), Florian Schwarzfischer (Oberammergau), Konrad Mangold (Oberammergau), Korbinian Albrecht (Graswang), Jürgen Freiherr von der Goltz (Garmisch-Partenkirchen) – Kassenprüfer: Timo Raschke (Schwangau), Hans Greindl (Hohenschwangau)

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