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ZIehen an einem Strang: (v.l.) Die Studenten Jakob Unger, Angela Funk, Jos Hornung, Quirin Neuner sowie Bürgermeister Hubert Mangold, Forstbetriebsleiter Nikolaus Stöger und Revierförster Klaus Steinberger.

Forstgeschichte im Fokus

Vom Holz zum Glas

Grafenaschau - Es ist keine Studie, die irgendwo in den Schubläden der Universität verschwinden wird. Das, was die Studenten Angela Funk, Konstantin Lenk, Jos Hornung, Jakob Unger und Quirin Neuner ausgearbeitet haben, soll in die Realität umgesetzt werden.

In der Grafenaschauer Mehrzweckhalle wurde jetzt das „Forsthistorische Projekt“ vorgestellt. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) zeigte sich begeistert: „Ich bin der Überzeugung, dass das eine Erfolgsgeschichte wird.“ 

Dass es sich um ein besonderes Vorhaben handelt, war schon beim Blick in den Saal deutlich zu erkennen. Landtagsabgeordnete saßen da an den Tischen, viele Bürgermeister, Touristiker, historisch Kundige sowie diverse Vertreter von Behörden. 

Wie berichtet, soll in den nächsten Jahren auf einem insgesamt sechs Kilometer langen, neuen Wanderweg mit einem Blick durch „12 Fenster in die Vergangenheit“ der „Weg vom Holz zum Glas“ beleuchtet werden. Angestoßen wurde die Idee, die Geschichte Grafenaschaus forsthistorisch darzustellen, im Rahmen der Planungen für die Landesausstellung 2018 in Ettal. Bei dem Projekt arbeiten die Gemeinde Schwaigen, zu der Grafenaschau gehört, die Technische Universität München und die Bayerischen Staatsforsten zusammen. 

Die erwähnten Studenten der Wald- und Umweltpolitik fertigten eine Bachelorarbeit an. Die Ergebnisse stellten sie nun vor. Anvisiert ist, ist in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, einen insgesamt sechs Kilometer langen Wanderweg zu realisieren. Von diesem zweigen wiederum verschiedene kleinere Rundwege ab, die einzelne Themen-Schwerpunkt haben. „Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos“, betonte Quirin Neuner, der aus Mittenwald kommt. 

Mit Hilfe von stählernen Fenstern in die Vergangenheit und großen hölzernen Infotafeln soll dem Wanderer vermittelt werden, was es mit Holz, Glas und allem, was damit zusammenhängt, auf sich hat. „Die Zielgruppe sind Tagestouristen, Familien mit Kindern und Schulklassen“, sagte Neuner. 

Unter anderem soll es ein Modell einer Bremsbergbahn geben und eine Aussichtsplattform. Auch eine Tafel mit alten Bildern einer Holzriese will man aufstellen. Das war so etwas wie eine Bobbahn, mit der Holz Richtung Tal transportiert werden konnte. Die Tafeln sollen übersichtlich gestaltet werden, die Texte kurz und prägnant. Auch via QR-Codes oder per App will man Wissen vermitteln. Eine Internetseite ist geplant, Überlegungen für einen Sendemasten gibt es auch. Schließlich ist die Verbindung im Gebirge streckenweise nicht so berauschend. 

Zunächst soll bis zur Landesausstellung 2018 in Ettal der „Glashütten-Rundweg“ entstehen. Die Genehmigungen seitens der Staatsforsten und der Unteren Naturschutzbehörde für die diversen Projekt liegen vor. Die Finanzierung ist hingegen noch etwas unklar. Kontakte zu möglichen Förderern wurden aufgebaut. Es gibt Stellen, die sich beteiligen würden. Landrat Speer riet, „möglichst viele Zuschussanträge zu stellen“. 

Der Unterammergauer ist begeistert vom Projekt „Glaserklamm“: „Das ist etwas Einmaliges.“ Speer zeigte sich beeindruckt, „was die kleinste Gemeinde des Landkreises auf den Weg bringt“. Das Vorhaben sei eine Bereicherung für die Gemeinde Schwaigen, den Landkreis, die ganze Region und auch für die Landesausstellung. „Der Landkreis steht dahinter“, bekräftigte Speer. Auch Nikolaus Stöger, Leiter des Forstbetriebs Oberammergau, zog seinen Hut: „Meine Erwartungen sind übertroffen worden.“ 

Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei) hörte es gerne. „Es entwickelt sich eine richtige Dynamik und Hilfsbereitschaft“, stellte er fest. Eine Art Rentner-AG soll gegründet werden. „Die Leute stehen in den Startlöchern.“ 

Für die Studenten hatte der Schwaigener Rathauschef nur Lob übrig. „Sie haben eine Super-Arbeit geleistet und das Projekt entscheidend mitgestaltet.“ Mangold hat ihnen etwas versprochen. Die Studenten bekommen für jedes Zehntel, das sie unter dem Schnitt von 2,0 liegen, ein Tragl Bier. Das könnte eventuell teuer werden. 

Angetan von der Glaserklamm zeigte sich auch Philip Schürlein, Leiter der Tourist Information Murnau. „Das kann eine Touristenattraktion werden." 

Roland Lory

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